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Liebe - gibt es sie oder ist sie nur ein Gerücht?


Di****

Empfohlener Beitrag

Geschrieben



Die Swingerpaare, die hier sind, behaupten ja immer, dass ihre Liebe rein gar nichts mit ihren clubbesuchen zu tun hat.



was dann auch völlig nachvollziehbar ist und für mich eine ganz andere geschichte. wenn paare sich einig sind und vorher alles besprochen wurde, finde ich das völlig ok. wenn dann die realität so angenehm ist wie die vorstellung.

das was ich meinte stufe ich im moment als eine recht merkwürdige form des pärchen-SM ohne äusserliche angenehm schmerzende manipulationen ein. weil es für mich einfach nicht nachvollziehbar ist. zumindest nicht von der weiblichen seite, die männlichen ansichten kenne ich berufsbedingt zur genüge


Geschrieben

was dann auch völlig nachvollziehbar ist und für mich eine ganz andere geschichte. wenn paare sich einig sind und vorher alles besprochen wurde, finde ich das völlig ok. wenn dann die realität so angenehm ist wie die vorstellung.



Nur so und nicht anders meine ich das... wenn man sich kennen lernt und eine beziehung beginnt, dass man auch das thema treue thematisiert, und sich einigt, wie man das handhaben will. ich bin da recht offen. es sollte nur ehrlich zugehen!


Geschrieben

wenn man sich kennen lernt und eine beziehung beginnt, dass man auch das thema treue thematisiert, und sich einigt, wie man das handhaben will. ich bin da recht offen. es sollte nur ehrlich zugehen!




ja, da sind wir uns einig

ich werde mich dann mal dem lebenswichtigen probelm, meiner fast nicht mehr vorhandenen rundungen annehmen und mir meine pizza reinziehen. diese blöde bronchites hat mich ziemlich geschafft. einen angenehmen abend noch.

was scheren mich die anwandlungen anderer. habe ja meine eigenen *g* und war nur mal neugierig.


Geschrieben (bearbeitet)

Wenn ich mir die letzten Postings, ab Post #100 so durchlese, stellt sich mir die Frage,
lassen sich Gefühle steuern oder sind sie einfach da?

So nach dem Motto, ich weiß zwar nicht - oder noch nicht - was es ist, aber es ist da!

Besteht gar die Gefahr, Gefühle zu beugen?


LG xray666


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Geschrieben

Zumindest besteht der Glaube an die Steuerbarkeit oder zumindest der Wunsch danach sehr intensiv!

Hinsichtlich des Erfolgs bei der Umsetzung liegen positive Erfahrungen noch nicht vor!


Geschrieben (bearbeitet)

Wir bewegen uns in einer Paradoxie, wenn wir positiv annehmen, etwas derart Unvermitteltes, wie ein Gefühl, sei über den Willen steuerbar. Wenn der Wille nämlich per se nicht wirklich frei ist, und wenn wir, vermutlich korrekt, annehmen, dass wir das Denkfühlgebilde, das wir sind, nur rein methodisch, aber nicht real auflösen können, so würde etwas Unfreies ein Unvermitteltes kontrollieren.

Praktisch gesehen ist das ganze System, das wir darstellen, dann unfrei, eine biologische (autopoietische*) Maschine, die sich uns im Bewusstsein als das Gegenteil präsentiert. Aber diese Präsentation, und der in ihr liegenden Irrtum über die freiwillentliche Steuerbarkeit, ist wiederum eine Funktion, die die Existenz der Biomaschine erst ermöglicht.
(Google/Wikipedia für Interessierte: Autopoiesis)


Liebe als biochemischer Vorgang und der freie Wille als Gaukelbild des Hirns letztlich an sich selbst, sind beide Teil einer fantastischen sich selbst erhaltenden Konstruktion - des Gehirns. Nur hat das Hirn ein Problem: es steuert (im Prinzip genial) einige der essentiellen Funktionen über Lust, was es anfällig macht für Lüste, die dem Körper und damit seinem Träger und ihm selbst nicht gut tun.
Das erklärt auch, warum eine Hirnmaschine, die als sich selbst erhaltendes System kontruiert ist, dennoch so etwas, wie Rauchen zulässt.

Aber mit diesem "Wissen" wird die Liebe nicht weniger wert. Man muss es nur einfach ausblenden, wenn es zur Liebe kommt. Und dafür, dass wir dies können, ist ja glücklicherweise auch gesorgt...


bearbeitet von Lichtschimmer
Geschrieben

Die letzten beiden Posts machen mich aber dann doch wieder zuversichtlich.


LG xray666


Geschrieben (bearbeitet)

Meine Erfahrung mit der Steuerbarkeit von Gefühlen im Allgemeinen und der Freiwilligkeit beim Treusein und Lieben, beim Wollen und Können im Besonderen ist geprägt von der Annahme, dass alles, was ich im Kontakt mit meinen Mitgeschöpfen und meiner Umwelt überhaupt wahrnehmen und erleben kann, rein physiologisch von mir selbst und aus mir selbst heraus geschaffen wird. Als LEistung meines Nervensystems.
Auf der Grundlage vorangegangener Erfahrungen und (mehr noch) meiner Bewertungen dieser ganz persönlichen Erfahrungen konstruiere ich mein ganz subjektives Erleben - teils unbewusst - in jeder Sekunde selbst.

Zugleich ist alles, was außerhalb meines Leibes passiert und vieles was sich innerhalb meines Körpers abspielt, meiner bewussten Kontrolle vollkommen entzogen.

Ich kann z. B. nicht machen, dass der lange harte Winter endlich lauen Frühlingslüften weicht.

Ich kann auch nicht machen, dass ich bei der aktuellen Witterung nicht nass werde, wenn ich raus gehe.

Ich kann aber damit so umgehen, dass meine Reaktion auf das Wetter in mir mehr oder weniger angenehme Gefühle auslösen kann.

An einem Tag wie heute ohne Schirm in dünner Kleidung dem verpassten Bus nachzusehen, ist für mich selbst eine totsichere Methode an schlechte Gefühle zu kommen.

In wetterfester Kleidung rechtzeitig loszugehen und nach kurzer Wartezeit in den Bus zu steigen, ist für mich eine Methode, dasselbe Wetter subjektiv angenehmer zu erleben.

In einem geheizten Automobil unterwegs in ein Thermalbad zu sein, klingt für mich wie eine Methode, bewusst gegensätzliche Reize zu suchen und mir vorsätzlich gute Erlebnisse - trotz des Wetters - zu verschaffen.

Welche dieser drei genannten oder der zahlreichen ungenannten Möglichkeiten ich wähle, hängt ganz allein von mir selbst und meinem ganz persönlichen Umgang mit der Realität ab.

Dieselben Erfahrungen habe ich im Umgang mit - mehr oder weniger geliebten - Menschen gemacht.

Wenn ein Mensch etwas tut oder lässt, was ich persönlich genauso nicht gerne täte oder ließe, was ich weder verstehen noch nachvollziehen kann, kann ich mich dem Ärger über sein Verhalten mit Inbrunst hingeben. Was für mein persönliches Wohlbefinden erfahrungsgemäß etwa so nützlich ist, wie bei Dreckswetter durchnässt und frierend stundenlang an der Haltestelle auf den nächsten Bus zu warten.

Wenn ich spüre, dass mich bestimmte Verhaltensweisen an einem mehr oder minder geschätzten Mitmenschen nerven, kann ich selbst schauen, wie ich meine Nerven optimal schone. Ich kann mich (z. B. durch Oropax oder einen Ortwechsel) schützen. Ich kann mich innerlich von diesem Menschen abwenden, kann durch bitten oder drohen oder mit Gewalt versuchen, den störenden Einfluss auf mich zu verringern. Je nach Situation kann ich durch angemessene Reaktionen meinerseits die Störung meines Wohlbefinden minimieren.

Wenn ich mich dem Menschen, dessen aktuelles Verhalten für mich persönlich Störpotential hat, liebevoll verbunden fühle, kann ich durch mein Verhalten und meine Äußerungen aktiv dazu beitragen, dass weder das spontane Tun des anderen noch meine aufrichtige Reaktion darauf unsere Beziehung miteinander und unser Vertrauen zueinander beschädigt. Dabei ist es fast gleich, was konkret passiert. Wichtig ist dabei mpMn eine innere Haltung, die von Respekt, Vertrauen und Wohlwollen für mich selbst und für den Andeeren geprägt ist. In einer solchermaßen respekt- und liebevollen Atmosphäre kann sogar die Suche nach kreativen Lösungen für Störungen mit Konfliktpotential verbindend und beziehungsstärkend wirken. Und auf mein persönliches ebenso wie auf unser gemeinsames Wohlbefinden ebenso stärkend wirken, wie ein Besuch in der Therme bei Schmuddelwetter.

Diese Dialektik von ganz eigenständig-unkontrollierbaren Ereignissen in mir selbst oder außerhalb meines Leibes einerseits und meiner selbstverantworteten Reaktion auf solche Reize andererseits erlebe ich persönlich als großes Potential von erlebbarer, subjektiver Freiheit. Und zugleich als mächtigen Generator eigener Gefühle und Befindlichkeiten.

Wenn ich es schaffe, in einem Continuum möglicher Verhaltensweisen eher im Bereich der zweiten oder dritten der oben beschrieben Varianten zu wählen, ist die Wahrscheinlichkeit, im Umgang mit mehr oder weniger geliebten Menschen die ggf. vorhandene Zuneigung zu vertiefen, meiner Erfahrung nach größer, als wenn ich auf Grund kultureller oder familiärer Prägung bzw. persönlicher Erfahrungen dazu neige, tendeziell eher Spielarten der beiden ersten Varianten zu wählen. Mit Verhaltensweisen, die Respekt und Wohlwollen mir selbst und anderen gegenüber ausdrücken, erhöhe ich zugleich die Wahrscheinlichkeit, soetwas wie "wahre Liebe" zu erleben. Ohne dass es dafür eine Garantie, ein Rezept oder eine Methode geben kann. Weil einfach zuviele Unwägbarkeiten mit im Spiel sind.

Ich glaube nicht, dass es soetwas wie "die Wahrheit" über Wahlfreiheit und Gefühle geben kann. Was ich oben beschrieben habe, sind einfach meine Erfahrungen, wie ich sie tagtäglich erlebe. Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit

Molli


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Geschrieben

Der freie Wille als Vorgaukelei einer Entscheidungsfreiheit, die in Wahrheit nicht besteht, bleibt für mich eines der schlechteren philosophischen Konstrukte, da weder in der Beweisführung schlüssig, denn in der Konsequenz gehaltervoller als ein "Ich bin halt so wie ich bin!" - aber das würde zu weit wegführen.

("Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit" ist mir da ehrlich gesagt lieber - wenn auch zu kurz gegriffen, weil die Welt der Gefühle nicht davon erfasst ist.)

Wenn es um Steuerbarkeit geht - liebe Molly - können wir uns darauf einigen, dass es einen mehr oder weniger großen Spielraum gibt, durchaus auf die Intensität unserer Gefühle Einfluß zu nehmen, sie aber letztlich nicht steuern zu können?

Letztlich ist es mehr Schadensbegrenzung und Ergebnisoptimierung, die wir als Eigenleistung erbringen können - aber der eigentliche Kern - das, was Gefühle in uns auslöst und aufleben läßt - bleibt das Überraschende und manchmal auch Überwältigende.

Ich finde, soviel Spannung in unserm Leben sollte schon sein!


Geschrieben

Danke molli und lichtschimmer. anscheinend setze nicht nur ich mich mit fragestellungen auseinander und gehen darauf ein. dachte schon ich bin hier völlig falsch und allein.

ich muß lernen mich nicht auf menschen einzulassen, die von vornherein nicht im geringsten in mein soziales umfeld passen und denen ich niemals vertrauen dürfte. da sehe ich mein defizit. ich wollte jemanden nicht vertrauenswürdigen vertrauen und habe mich, weil ich ihn einfach sexy fand verzettelt.

ich werde das nun, unüberlegten leichtsinn in verbindung mit unausgeglichenem sexuellen notstand nennen *g* immerhin nur von der traufe in den regen, ich werde besser oder gibts da in der psychologie nen ausdruck für??? wir würden einfach nur sagen: notgeiles luder wollt mal real nen geil aussehenden kerl vögeln und ist auf dessen saudämliche masche reingefallen und mag mich trotzdem!!!


Geschrieben

Meine bescheidene Meinung zum Thema "Wahlfreiheit" wäre, dass es nicht möglich ist, das Gefühl "Liebe" zu wählen, oder auch nicht....es ist einfach da!

Was wir allerdings wählen können, ist der Umgang mit ihm, wir können Liebe zulassen, oder, aus verschiedenen Gründen, uns verschliessen, da wird aus Liebe "Freundschaft" oder umgekehrt, bzw. gar nichts.

Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob Liebe "wachsen" kann, oder sich verringert, ich glaube eher, dass unser Bewusstsein da die Kontrollfunktion übernimmt!Je nach unseren Wünschen!


Geschrieben

Doch, ich gehe fest davon aus, dass Liebe wachsen und natürlich auch wieder abnehmen kann! Das ist oft ein schleichender Prozess. Manchmal dauert es eine Weile, bis man merkt, dass es mehr ist als Freundschaft oder Schwärmerei. Umgekehrt gibt es viele Paare, denen unbemerkt die Liebe abhanden gekommen ist.

Daher gibt es unter den arrangierten Ehen, wo sich die beiden Partner vorher nicht kannten, genug, die recht glücklich verlaufen. Beide wissen, dass sie miteinander klarkommen müssen und wenn sie sich darauf einlassen können und der Partner nicht zu konträr ist, muss so eine Ehe nicht unglücklicher sein als die von leidenschaftlich verliebten Menschen. (Nein - ich plädiere dennoch nicht für arrangierte Zweckehen!!)

Es gibt eben unterschiedliche Arten der Liebe. Manchmal überfällt es einen wie ein Blitz, manchmal entwickelt sie sich ganz vorsichtig.


Geschrieben

Daher gibt es unter den arrangierten Ehen, wo sich die beiden Partner vorher nicht kannten, genug, die recht glücklich verlaufen.


Boah - in muslimischen Ehen und deren Erfolgsgeschichte kennst Du Dich auch noch aus?

Geht man von der deutsch- und englischsprachigen Literaturgeschichte und den Ergebnissen der Psychoanalyse aus, waren sie weit weniger erfolgreich.

Aber vielleicht fehlt da einfach der richtige religiöse Hintergrund und wir sollten alle miteinander konvertieren?


Geschrieben



Was wir allerdings wählen können, ist der Umgang mit ihm, wir können Liebe zulassen, oder, aus verschiedenen Gründen, uns verschliessen, da wird aus Liebe "Freundschaft" oder umgekehrt, bzw. gar nichts.



in meinem fall ist aus liebe *garnichts* geworden, weil er es charakterlich nicht wert ist ein verlässlicher freund zu sein. es gibt aber andere, wo man merkt, dass aus verliebtheit nie liebe werden kann und mit denen dann eine platonische freundschaft klappt, weil sie tolle menschen sind und leider nicht das gefühl auslösen konnten. ich muß ja nicht jeden, nur weil er umwerfend aussieht und ich weiß dass, er toll poppt, notgeil anfallen.
(ich habe einige schöne langhaarige männer im platonischen freundeskreis)

respekt habe ich vor guten menschen, die mich auch mit respekt behandeln, nicht lüstern hinter mir hergeiern und mit meinen zynismus und schrägen humor klar kommen.


Geschrieben

Ballou - kennst Du den Spruch von Sherlock Holmes? "Wenn alle wahrscheinlichen Lösungen eines Problems sich als falsch erweisen, muss die unwahrscheinlichste, so unwahrscheinlich sie auch sein mag, die richtige sein."

Fakt ist, dass alle Theorien über den freien Willen in den gleichen Zirkel führen, wie die Theorie des unfreien Willens selbst, dass aber nur die letzte wirklich plausibel, wenn auch (wie die anderen) nicht beweisbar ist. Der Zirkel ist ist unser notwendiges Schicksal, wenn wir uns selbst reflektieren, und jene Theorie ist die "beste" (im Sinn von Plausibilität und Praktikabilität), die den Zirkel annimmt und in sich verarbeitet.

"Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit"

Tja, da sind wir ja nur auf der Ebene des Guckens - aber noch nicht auf der des Handelns. Und Notwendigkeit ist der Todfeind der Möglichkeit -
Irgendwie ist das o.a. Zitat platter Marxismus. Im historischen Materialismus stand ja auch drin, dass die Diktatur des Proletariats kommt, und dass es deshalb dämlich wäre, sich dagegen zu stellen. Und auch der dialektische Materialismus ist ja nix anderes als ein Determinismus mit Extras - zum Glück wurde die ganze Soße dann mit der sog. "Parteilichkeit" in einem sagenhaften Zirkelschluss wasserdicht unangreifbar gemacht... Sehr erheiternd, dass eine ganze Weltordnung über Jahrzehnte auf einen derartigen Schwachsinn gegründet war...

Wie wäre es mit Kant? "Ich kann, weil ich will, was ich muss!"

Aber was ich zu beidem sagen möchte - sowohl zu Theorie über den womöglich unfreien Willen, wie auch eine über den biochemischen Urgrund der Liebe, ist, dass darüber nachzudenken die eine Sache ist, Leben und Lieben aber eine ganz andere.
Das Leben eben ist auch schön, wenn der Wille nicht faktisch frei und die Liebe biochemischen Ursprunges ist.


Geschrieben

(Nein - ich plädiere dennoch nicht für arrangierte Zweckehen!!)



viele aus liebe geschlossene ehen enden in zweckehen.

es geht dann um materielle sicherheit, gesellschafliches ansehen, pflichtgefühl und/oder um gemeinsame kinder. die scheidungsrate ist so gestiegen, seit sich das scheidungsrecht, in sachen scheiterungsbeweis, geändert hat. (z.b.: beweise deinem kerl das er dich betrogen hat...). seit frauen auch noch relativ gut vom staat unterstützt werden, trauen sie sich eher aus einer vergifteten ehe auszusteigen.


Geschrieben

@Lichti - Um nicht halbseidene philosophische Off-Topic-Exkurse zu führen - eröffne doch mal nen Thread dazu und lass Dich auf einen ernsthaften Diskurs ein. Dieses schale Bildungsbürgergehüpfe zum Zwecke intellektuellen Pfauenradschlagens macht mir nämlich nur dann Spaß, wenn ich Dir dafür die Schwanzfedern auch einzeln rausreissen darf!

Wenn Du Dein Weg zu Ende gehst, dann kannst Du nur bei Wittgenstein landen - und wärst gezwungen, Dich in Schall und Rauch aufzulösen.


Geschrieben (bearbeitet)

Lieber Ballou, Du hast Recht - es führt vom Thema weg, und zu dem habe ich durchaus noch was zu sagen. Für deinen erhellenden Ausflug in die Polemik danke ich dir. Und über Wittgensteins Problem reden wir an derer Stelle mal...
Wichtig ist doch nur, dass man nicht nur in der einen, der theoretischen Welt heimisch ist, sondern auch in der anderen, der praktischen, und das beide sich befruchten und systemisch aufeinander zurückwirken.

Ich will mal zwei neue Gedanken einbringen:

einmal die Frage, wieviel Projektion in den meisten Lieben steckt (was uns auch anfällig für die Dinge macht, die zB Lissy so quälen). Wir sehen nicht den anderen, so wie er wirklich ist, sondern betrachten ihn als den großen Wunscherfüller - sehen also nur, was er sein soll und nicht, was er ist und sein kann.
Und so können wir entweder irren, was schon schmerzhaft genug ist, oder wir können betrogen werden, wenn das Gegenüber unsere Wünsche (er)kennt, und uns deren Erfüllung vorgaukelt, um uns hinterrücks emotional, sexuell, oder gar finanziell ausbeuten zu können.

Die zweite Frage beschäftigt mich auch grad persönlich sehr. Ich habe mich mal gefragt, in welche meiner erfüllten Lieben ich schon beim Zusammenkommen romantisch verliebt war. Irgendwie will mir scheinen, dass man in späteren Jahren erst zusammenfindet und sich dann richtig verliebt - oder eben nicht...
So richtig tolle romantische und sehnsüchtige Gefühle orte ich vorwiegend bei meinen unglücklichen Lieben, oder zumindest bei jenen, die schwer zu realisieren waren.

Kann man sich bei einer neuen Liebe am Horizont so viel Zeit lassen, wenn man schon merkt, dass Schmetterlinge im Anflug sind, dass zusätzlich zum Hingezogensein noch so eine richtig pralle Sehnsucht nach dem anderen entsteht, bevor man den Aggregatzustand der Bekanntschaft in Beziehung ändert?
Warum kann man mit dem Nägelmitköpfenmachen nicht so lange warten, bis einem der andere schon wirklich vertraut ist, sondern stürzt sich zu schnell in ein Abenteuer nach der Devise: "Mal sehen, was kommt..."


bearbeitet von Lichtschimmer
Geschrieben

Boah - in muslimischen Ehen und deren Erfolgsgeschichte kennst Du Dich auch noch aus?


Wieso muslimisch? In Indien sind noch immer ca 90% der Ehen von der Familie arrangiert. Darüberhinaus war/ist diese Praxis in Japan, China und in vielen Staaten Afrikas nicht selten. Arrangierte Ehen müssen keine Zwangsehen sein!

Funktionieren denn unsere Ehen besser? Ich denke nicht - denn die Hälfte der Ehen werden wieder geschieden.

Damit wir uns nicht missverstehen - ich kann mir diese Praxis schwer vorstellen und bin strikt gegen irgendwelche Zwänge. Dennoch halte ich es für möglich, dass eine Ehe, die auf rationaler Basis aufgebaut ist, keineswegs schlechter sein muss als eine Liebesehe. Ineinander verlieben können sich auch zwei Menschen, die absolut nicht zusammenpassen. Kehrt der Alltag ein und es gibt außer dem Gefühl keinerlei Basis, verflüchtigt sich irgendwann meist auch die Liebe.


Geschrieben

Dennoch halte ich es für möglich, dass eine Ehe, die auf rationaler Basis aufgebaut ist, keineswegs schlechter sein muss als eine Liebesehe. Ineinander verlieben können sich auch zwei Menschen, die absolut nicht zusammenpassen. Kehrt der Alltag ein und es gibt außer dem Gefühl keinerlei Basis, verflüchtigt sich irgendwann meist auch die Liebe.



Was heisst "schlechter"? Sicher nicht, wenn man eine Ehe als WG mit Steuervorteilen sieht. Leider muss die Ehefrau einer arrangierten Ehe aber auch mit ihrem Mann ins Bett gehen, zwecks Kinderzeugung, hmmm...ich weiss nicht, ob SIE das dann auch noch rationell findet, oder ER?

Ich meine, dass es genau dieser Alltag ist, der das Gefühl "Liebe" verdrängt, plus natürlich die kleinen oder grösseren Verletzungen. Aber "da sein" kann es durchaus noch. Man entscheidet nur, ob man diese Liebe noch weiterleben möchte...und packt sie in die Schublade: Vergangenheit!


Geschrieben

Funktionieren denn unsere Ehen besser? Ich denke nicht - denn die Hälfte der Ehen werden wieder geschieden.



Geschickter Ausfallschritt!

Nur darum ging es gar nicht. Deine Aussage war, dass arrangierte Ehen recht glücklich verlaufen und ein Beweis dafür seien, das Liebe wachsen könne.

Ich spreche Dir einfach die tatsächliche Kenntnis solche Ehen ab und halte das für eine sehr willkürliche, durch nichts belegbare Behauptung, die - auch für Indien - den tatsächlichen Verhältnissen widerspricht.

Nicht grundlos drohen Frauen, die sich aus diesen Ehen entfernen, drakonische Strafen. Wozu - wenn das alles so glücklich endet ?

Auch halte ich es für Unsinn, überhaupt mit Ehe oder Scheidung zu argumentieren.
Hier geht es um Liebe und ob es sie gibt - das hat mit Ehe erst einmal gar nichts zu tun.

@Lichti Siehst Du, es geht doch auch mit guten themenbezogenen Gedanken!


Geschrieben

Ballou - kennst Du den Spruch von Sherlock Holmes? "Wenn alle wahrscheinlichen Lösungen eines Problems sich als falsch erweisen, muss die unwahrscheinlichste, so unwahrscheinlich sie auch sein mag, die richtige sein."



Na ja, diese (doch sehr freie) Übersetzung ist nicht ganz glücklich, isn't it?


Geschrieben (bearbeitet)

@Desroisiers - ...das macht nix - sie ist verständlich.

@Ballou -

@Lichti Siehst Du, es geht doch auch mit guten themenbezogenen Gedanken!

Ich werde oft das Opfer von Assoziationen uns Transferleistungen - für mich gehört das alles zusammen, ist aber zu komplex für diesen Ort.


bearbeitet von Lichtschimmer
Geschrieben

*rechtgeb* @ Sinnliche.

In vielen Kulturen (auch hierzulande bis vor wenigen Jahrzehnten) gilt (bzw. galt) das zivilrechtliche und gesellschaftliche Projekt "Eheschließung und Nachwuchszeugung" als viel zu existenziell und wichtig, um es zum Spielball hormoneller Launen werden zu lassen.

Ehen werden (bzw. wurden) aus ganz praktischen und materiellen Gründen zwischen zwei oder mehr Familien geschlossen und die individuellen Ehepartnerinnen sind dabei - ebenso wie ihre Brüder und Schwestern, Schwäger und Schwägerinnen nur StellvertreterInnen ihrer jeweiligen Herkunftsfamilie. Wer Glück hat, bei dem wird auch darauf geachtet, dass außer dem Mehrwert für die Familie die persönlichen Eigenschaften des Bräutigams und der Braut ebenfalls passen. Weniger aus Gründen der Romantik, des Idealismus oder aus Altruismus, sondern mehr um das Gedeihen des erhofften Nachwuchses der von der Sippschaft als zueinander passend erachteten Ehegatten zu erleichtern.

Angesichts der hiesigen Trennungs- und Scheidungsraten und des damit verbundenen Elends für den in der gescheiterten Familie gezeugten Nachwuchs finde ich die Fragen von Menschen meines Alters aus anderen Kulturkreisen, ob ich mir ganz sicher sein könne, dass meine Eltern bzw. Schwiegereltern und eventuell beteiligten Großeltern einen Ehemann für mich, bzw. mich als Ehefrau für deren Sohn schlechter gewählt hätten, als ich selbst und meine Ex-en es im Zustand akuter Verknalltheit zwei mal getan haben, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Es ist ja nicht jede arrangierte Ehe eine Zwangsheirat.

In den Schilderungen der erfolgreich vermittelten Ehefrauen und -männer habe ich sehr oft ein Vertrauen in die Urteilsfähigkeit und Menschenkenntnis, in die Fürsorge und den Respekt ihrer Angehörigen wahrgenommen, die mir in diesem Zusammenhang irgendwie passender erschienen als gegenüber anonymen Datenbankprofilen in Flirtportalen oder gegenüber Mitarbeitern traditioneller Eheanbahnungsinstitut.

Obwohl dieser Weg mir persönlich unvertraut und fremdartig erscheint, entbehrt die Argumentation seiner Befürworter nicht einer gewissen Logik. Und ide Ergebnisse sind unterm Strich wohl nicht wesentlich verschieden von unseren romantisch verklärten Lebens- und Leidensgeschichten.

"Die Liebe kommt in de Ehe." galt auch hier in Europa jehrzehntelang als bewährter Rat an besorgte Brautleute. Und wirkt heutzutage fast schon als wörtlicher Widerspruch zu unseren vielfach gemachten eigenen Erfahrungen mit "Liebe" und "Ehe", mit "Anstand" und "Treue", mit "Ehre" und "Ehrlichkeit".

Molli


Geschrieben

Wir kriegen ja nicht mal unsere eigenen Ehen gelebt - und ihr lasst euch über muslimische aus...


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