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Sexualität im Wandel der Zeit


Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Schenkt man den Chronisten aus der Antike Glauben, war es eine sehr lustbetonte Zeit bei den alten Griechen und Römern. Sexualität wurde in all ihren Facetten ungehemmt ausgelebt. (Orgien, Knabenliebe, usw.)
Mit dem Aufkommen der großen monotheistischen Religionen wie Christentum und Islam scheint ein eher lustfeindliches Zeitalter angebrochen zu sein. Vieles galt fortan als Sünde und verwerflich.
Selbst in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts scheint es sehr prüde und was Sexualität an sich betrifft auch sehr unaufgeklärt zugegangen zu sein.
Erst mit Erfindung der Pille und mit der sexuellen Revolution (?) der 68iger in den westlichen Demokratien, verbunden mit einer Vermarktung von Sex durch die Massenmedien, schien wieder frischer Wind heranzuwehen.

Meine Frage an Euch, die ich hier zur Diskussion stellen will, lautet:

Unterliegt die Sexualität in ihrer ausgeführten Häufigkeit statistisch gesehen dem Wandel der Zeit unter der jeweils herrschenden Moral, wird also mal mehr und mal weniger stark ausgelebt, oder bleibt die Kurve immer relativ gleich?

Beschäftigt mich heute schon den ganzen Tag. Wie seht Ihr das?


Telefongeliebte
Geschrieben

Unterliegt die Sexualität in ihrer ausgeführten Häufigkeit statistisch gesehen dem Wandel der Zeit unter der jeweils herrschenden Moral, wird also mal mehr und mal weniger stark ausgelebt, oder bleibt die Kurve immer relativ gleich?


Ich denke mal die Häufigkeit des GVs unterliegt keinen Moden, wohl aber Toleranz und bestimmte Tabus. In matriarchaischen Gesellschaften wählen sich Frauen ihre Männer aus, während in anderen Kulturen auf außerehelichen Sex noch heute die Todesstrafe steht. Es gibt also nicht nur historisch gesehen unterschiedlich freizügige Zeiten, sondern sie existieren auch heute parallel nebeneinander.

Schau dir nur Deutschland an: Da gibt es einerseits Swingerclubs, allerorten anonymen Autobahnsex oder 13-Jährige mit unglaublichen sexuellen Erfahrungen neben Religionen, in denen alles jenseits von Blümchensex verboten ist oder Mitbürgern, bei denen die Jungfräulichkeit der Braut eine Grundvorraussetzung darstellt.

Oder die Toleranz gegenüber Homosexualität: Erst gestern sah ich wieder einen erschütterten Bericht über die Tabuisierung des Themas im Islam. Aber auch in weiten Teilen Osteuropas ist es riskant, sich als schwul zu outen. Andererseits gibt es Städte wie Köln, wo der Anblick homosexueller Paare völlig alltäglich ist.
Historisch gesehen gab es Kulturen, in denen Bi-Sexualität eher die Norm (zumindest der Elite) darstellte und solche, in denen es lebensgefährlich war, bei homosexuellen Handlungen erwischt zu werden.

Ganz klar haben die Religionen großen Einfluss auf die Sexualmoral!


Geschrieben

@ telefongeliebte

Danke erstmal für Deine ausführliche Stellungnahme!


Geschrieben

ob die knaben das auch als lustvoll empfunden haben in der antike???


BabetteOliver
Geschrieben

Die herrsche Moral hat absolut einen Einfluss auf die Sexualität. Dabei kommt es aber sehr auf die in der Zeit gültige Auslegung von Religion und Ethik an.
So gab es z.B. im Islam Zeiten, wo das Leben sehr sinnenfroh gestaltet wurde. Jeder kennt die Bilder, die im Kopf auftauchen, wenn von Harensdamen, der Pracht der Sultane und den Geschichten aus 1000+1 Nacht die Rede ist. Heute ist im Islam vielfach die Auslegung strenger. Und die Sexualität eine andere. Was aber zuhause passiert ist nochmal eine andere Sache.
Auch im Christentum gab es einige Aufs und Abs. Im späten Mittelalter war man sehr lustbetont, schau mal in die Geschichtensammlung "Decamerone" herein. Männlein und Weiblein gingen zusammen auf die öffetnliche Toilette oder ins Badehaus und Wnaderprediger ereiferten sich über das lasterhafte Leben.

Wobei Lebenslust, Freude am Genuss und stärker ausgelebte Sexualität zusammen gehören. In Südwesteuropa kann man am Unterschied katholische Gegenden (sinnenfroh) und protestantische Gegenden (puritanisch) die unterschiedliche Neigung zum Genuss erkennen. Die prostestantischen Länder sind für ihre dürftige Küche bekannt (England, Holland, auch Norddeutschland - ja sorry, aber zum lecker Essen fahre ich lieber ins badische oder nach Bayern). Und parallel wird auch die Sexualität lustvoller praktiziert. Das das trotzdem ggfs. nur hinter verschloßener Türe geschieht, hängt von der Strenge der aktuellen Auslegung der Moral ab.

Ob das aber zu einem Unterschied in der Häufigkeit führt, kann ich nicht sagen. Es wäre eine logische Folge, da aber Sex neben der lustvollen Seite auch der Triebbefriedigung dient und der Zeugung von Nachkommen, mag gar kein zahlenmässiger Unterschied bestehen. Es wird aber einen Unterschied in der Intensität geben.


Geschrieben

Häufig ist es ja gerade so, dass auf sehr freizügige Zeiten sehr rigide folgten. Wenn die allgemeine Moral zu ausschweifend wurde, trat bestimmt bald ein Prediger auf den Plan, um den "Sündenpfuhl" zu beseitigen. Da die Ausschweifungen ja meist nicht nur den sexuellen Bereich betrafen, fanden sich immer zahlreiche Anhänger des Puritanismus und so wurden freizügige Epochen von eher prüden abgelöst.

Übrigens ist meines Wissens umstritten, ob die Badehausbilder nicht einfach nur Bordellszenen darstellten! Aber im Decamerone geht es in der Tat heftig zur Sache - ob das damals allerdings die allgemeine Moral war, oder eher die der Oberschicht? Generell gab/gibt es ja immer eine gewisse Schicht, die außerhalb gesellschaftlicher Regeln stand. Wenn z.b. August der Starke zahlreiche offizielle oder geheime Mätressen und folglich auch unehelichen Nachwuchs hatte (den er übrigens großzügig anerkannte und behandelte) heißt das noch lange nicht, dass auch einem Normalbürger so viel Freizügigkeit zugestanden wurde.

Ich habe auch den Eindruck, dass besonders rigide Moral nicht selten besonders krasse Auswüchse begünstigt. So waren z.b. im prüden viktorianischen England Bordellbesuche oder SM-Praktiken weitverbreitet. In der SZ las ich vor geraumer Zeit einen Bericht, dass gerade in sehr traditionellen muslimischen Familien viele Inzestfälle auftreten würden - obendrein mit so Auswüchsen wie anale Vergewaltigung um nur ja die Jungfräulichkeit zu wahren. Der Sexualtrieb ist eben verdammt stark und wenn er unterdrückt wird, sucht er sich anderswo seine Bahn!

An der Theorie der größeren Lustfreundlichkeit im Katholizismus mag teilweise schon etwas dran sein, nur hatte ich in vielen Gesprächen den Eindruck, dass Menschen aus traditionell protestantischen Gegenden wie Holland oder Norddeutschland eher liberaler denken.


BabetteOliver
Geschrieben

[COLOR=blue]sinnliche, Du musst Liberalität und Lustfreundlichkeit trennen. [/COLOR]
Grundsätzlich gilt der Katholizismus als lustfreundlich mit seinen prächtigen Gewändern, den aufwändigen Ritualen, dem Weihrauch, Messwein, Orgel, Glocken, Kerzen etc. Bei einer katholischen Messe geht es sehr emotional her.
Der Protestantismus gilt als liberal. Er ist - besonders im Calvinismus (Schweiz, Holland und USA) - weltoffen, aber geizig. Denn der wirtschaftliche Erfolg im Diesseits entspricht dem himmlischen Erfolg im Jenseits. Daher spart man sich jegliche kleine Freude, selbst tanzen ist gelegentlich verpönt. Die evangelische Messe ist oft ein Wortgottesdienst ohne Pomp und Prunk, es wird der Geist angesprochen, es gibt aber wenig zu empfinden und "geniessen".


Geschrieben

Oliver, diese Unterscheidung ist mir schon geläufig und es ist mir durchaus bewusst, dass der Katholizismus im Prinzip sinnenfroher ist. Dieses "sündigen, beichten und dann ist alles wieder gut" begünstigt das ja auch. Andererseits redet gerade der Katholizismus seinen Gläubigen ein, dass alles außer Blümchensex innerhalb der Ehe Sünde sei. Ich komme aus dem katholischen Bayern und auch wenn in diesen Fragen kaum mehr jemand dem Papst treu ergeben ist, so haben sich doch bei vielen Frauen Schuldgefühle manifestiert. Sex gilt als etwas triebhaftes und daher lehnen viele Frauen bestimmte Techniken ab. Jedenfalls höre ich deutlich seltener Klagen von Männern aus Hamburg oder Bremen über prüde Frauen als von süddeutschen Männern. Ausnahmen gibt es natürlich hier wie da!


Geschrieben (bearbeitet)


Unterliegt die Sexualität in ihrer ausgeführten Häufigkeit statistisch gesehen dem Wandel der Zeit unter der jeweils herrschenden Moral, wird also mal mehr und mal weniger stark ausgelebt, oder bleibt die Kurve immer relativ gleich?

... Wie seht Ihr das?



ja
ja
Nein:

Neben Ethik gibt es noch mitbestimmende Faktoren wie materielle Versorgung oder Gesundheit.
Sexualität die nicht nur triebgesteuert oder nachkommenschaftsorientiert ist, also dem Lustgewinn dient, benötigt mindestens die Ressource (Frei)-Zeit, die nicht dem Erwerb bzw. dem Überleben (in der deutlichsten Bedeutung) geschuldet ist.
Den Frondienstlern über das MA hinaus, oder der Arbeiterbevölkerung während der Industriellen Revolution, dürften kaum ausgefeilte Orgien unterstellt werden. (aus bekannten Gründen aber viel Nachwuchs)
Mit steigendem Wohlstand von Individuum, Milieu, Klasse, Blabla, oder der Gesellschaft dürfte eine gesteigerte lustbetonte Sexualität einhergehen, wenn nicht z.B. andere Gründe dies negativ (quantitativ) beeinflußen. (z.B. Gesundheit: Pest, ..., HIV, ...? - was sich Zeit verzögert in den moralischen Regeln niederschlägt)

off: die Rechte an Boccaccios Werk dürften abgelaufen sein, mag mir jemand per PN einen Link zum dt. Download zusenden? (find´ nix)


bearbeitet von 0815Erwin
Maigloeckchen65
Geschrieben

Vielleicht muss man bei der Betrachtung der Zahlen unterscheiden.

ausgeführten Häufigkeit statistisch gesehen


Mir fallen da sofort 2 Ansätze ein:

-&gt "Ausführung" zur Pflichterfüllung

-&gt "Ausführung" zur Lusterfüllung


Beide ergeben Zahlen am Ende.

ODER:
Geht es um die Häufigkeit in der Partnerschaft? Dann fallen die aus der Zählung, die Sex auch ohne diese haben.
Und die Fremdausführung

Was die Religionen betrifft. Es gibt auch evangelische Pfarreien, da geht richtig die Post ab. Da ist Emotion spürbar. Glaube spürbar. Die Menschen leben Glauben.
Ansonsten ist im Katholischen, wie auch im Evangischen der Gottesdienst meist ziemlich trocken. Das hängt für mein Erleben und Verständnis vom Temperament des Pfarrers ab, von dem, wie die Menschen darauf reagieren und mitgehen, mittragen.

Im Allgäu gibts (oder gabs) einen kath. Pfarrer (verheiratet!, weil vorher Evangele :-)), bei dem haben ausnahmslos alle Abendmahl bekommen!!! Seine Predigten waren lebendig, lebensnah, nix abgehobenes, unverständliches ....... fernes, fremdes....

Zwar gab es wohl mal die sogenannte sexuelle Revolution, aber sie hat nicht alle befreit. Es ist wohl auch nicht gewollt, das alle die Freiheiten für sich in Anspruch nehmen. In den Köpfen vieler Menschen ist dies eher einseitiger Natur. Ich habe mich jetzt bewußt schwammig ausgedrückt. Es sind ja nicht alle Menschen egoistisch.

Geschrieben

ob die knaben das auch als lustvoll empfunden haben in der antike???



oder auch die chorknaben....?


Geschrieben (bearbeitet)

Erst kam ich zu einem ähnlichen Schluss wie "Telefongeliebte", weil ich davon ausging, dass der Sexualtrieb ja einer der stärksten Triebe überhaupt ist.
Doch dann kamen mir Zweifel, zumindest was die Häufigkeit praktizierten Sex betrifft. Ich stellte die 50iger Jahre vs der Jetztzeit. Ist es nicht so, dass sich nicht nur die Moral geändert hat, sondern auch die Möglichkeiten? Swingerclubs, Pornoindustrie, mehr Bordelle, Enttabuisierung, Pille und nun auch noch Viagra. Diesen Gedankengang folgend neige ich fast dazu zu glauben, dass in der Jetztzeit vermutlich mehr Sex ausgeführt wird als vor 60 Jahren.

Powerpassion, ob die Knaben das in der Antike auch als lustvoll empfunden haben, kann ich Dir nicht beantworten, wage es aber zu bezweifeln. Vermutlich handelte es sich um Sklaven oder sehr arme Menschen und diente dem nackten Überleben. Und um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, ich heiße das keineswegs für gut. (Übrigends auch nicht, daß mir während eines Teheranaufenthaltes von einer alten Vettel ein Knabe auf's Zimmer geschickt wurde, der mir gleich an die Eier ging. Hab das Hotel sofort verlassen!) Was damals als etwas völlig normales galt, ist heute (zu Recht) geächtet und wird schwer bestraft, das zeigt, wie sich Moral im Laufe der Zeit ändern kann.

"Decamerone" muss ich mir direkt mal besorgen!

Euch Allen danke ich für Eure Antworten, hätte nicht gedacht, dass sich soviele belesene Menschen hier aufhalten!!


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Schreibfehler
Geschrieben

ich denke aber auch daß die verbreitung und auslebung der sexualtriebe..besonders die abartigkeiten... durch das internet beschleunigt wird.


Telefongeliebte
Geschrieben

Ich stellte die 50iger Jahre vs der Jetztzeit. Ist es nicht so, dass sich nicht nur die Moral geändert hat, sondern auch die Möglichkeiten? Swingerclubs, Pornoindustrie, mehr Bordelle, Enttabuisierung, Pille und nun auch noch Viagra. Diesen Gedankengang folgend neige ich fast dazu zu glauben, dass in der Jetztzeit vermutlich mehr Sex ausgeführt wird als vor 60 Jahren.


Das denke ich gar nicht, denn meines Wissens gibt es Untersuchungen, die vermuten lassen, dass die Deutschen und auch Menschen anderer Industrienationen eher weniger Sex haben als früher. Die Übersexualisierung der Medien führt dazu, dass man zwar ständig mit Sex konfrontiert wird, er aber eher weniger real stattfindet. Gab es hier nicht auch mal einen Thread darüber, dass in Japan Sex zwischen zwei Menschen seltener wird, dafür Männer zunehmend Sexdolls poppen? Und angeblich waren DDR-Bürger sexuell weitaus aktiver als Westdeutsche. Erst vor ein paar Tagen las ich, dass Ärzte Männer zu mehr Sex aufrufen um die Spermienqualität zu verbessern.

Geändert haben sich natürlich die Möglichkeiten für Unverheiratete und in deutschen Betten mag heute sehr viel mehr möglich sein, als vor 50 Jahren, aber ob sich die Frequenz erhöht hat???


Klar ändert das Internet die Sexualität! Einerseits zum Negativen, denn viele Frauen klagen, dass ihr Mann sich lieber Pornos im Netz ansieht oder Cs hat, statt real zu poppen. Ob es gut ist, wenn jeder 13-jährige dank Internet sämtliche Stellungen und auch Perversionen schon gesehen hat, aber nicht weiß, wie schön die ersten Zärtlichkeiten sind? Und egal wie abgefahren und manchmal auch krank manche Phantasie sein mag - im Internet findet sich sicher einer, der sie teilt.

Andererseits bietet das Internet auch sehr positive Aspekte. Jeder kann sich informieren und austauschen, ohne mit gerötetem Gesicht jemanden suchen zu müssen, der sich auskennt. Und ich bin heilfroh, dass ich hier gleichgesinnte Lover finden kann und weder dem Handwerker im Negligée die Tür öffnen oder angetrunken in irgendwelchen Bars Männer kennenlernen muss.


Geschrieben (bearbeitet)

[COLOR=blue]sinnliche, Du musst Liberalität und Lustfreundlichkeit trennen. [/COLOR]

Und Du musst Sinnenfreude von Scheinheiligkeit unterscheiden. Konfessionen haben mit Lustfreundlichkeit per se erst einmal gar nichts zu tun. Jede Kirche und jede Religion (zumindest die großen monotheistischen Religionen, aber auch andere) setzen Lustfeindlichkeit und sexuelle Unterdrückung als Instrumente zur Machterhaltung ein.

Im von Dir als lustbetont beschriebenen Mittelalter wurden Frauen auch und gerade wegen ihrer sexuellen Freizügigkeit als Hexen verbrannt. Andererseits gibt es Nonnenklöster mit Massengräbern getöteter Säuglinge aus der gleichen Zeit.

Das Decamerone war nie eine Lektüre für das Massenpublikum, sondern diente zur Belustigung des (auch klerikalen) Hochadels, der sich jede Freizügigkeit nahm, die er wolllte.

Heute noch verbietet die katholische Kirche bei Androhung der Exkommunikation vorehelichen und außerehelichen Geschlechtsverkehr und jegliche Verhütung, sowie jeglichen Geschlechtsverkehr, der nicht aussschließlich dem Zweck der Zeugung von Nachwuchs dient.
Und Ayatollah Ratzinger entblödet sich nicht, den Afrikanern zu erklären, die Verwendung von Kondomen bschleunige die Verbreitung von AIDS.

Und wie ist es um die Sinnenfreude der Katholiken bestellt, die sich verkleiden müssen um ihren (heidnischen!!!!) Gebräuchen nachzugehen, bevor sie sechs Wochen fasten?

Die sinnenfrohen Haremsdamen im Morgenland sind ein reines Phantasieprodukt des Abendlandes und Polygamie zur Lustbefriedigung der Männer, die sich mehrere Frauen leisten können gibt es auch heute noch in jeder islamischen Glaubendrichtung.

In China und Persien ist Prostitution verboten, unter zum Teil heftigen Strafen, die je nach Begleitumständen bis zur Todesstrafe gehen können. Dennoch wurde ich sowohl in Peking als auch in Teheran von Prostituierten angesprochen.

Religionen haben nie einen positiven Einfluss auf die sexuelle Freiheit und können auch nicht als Maßstab für die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs dienen.

Das einzige, was sicher ist: Je stärker die sexuelle Freiheit unterdrückt wird, desto häufiger findet die Sexualität heimlich statt.


bearbeitet von Delphin18
Geschrieben (bearbeitet)

Das denke ich gar nicht, denn meines Wissens gibt es Untersuchungen, die vermuten lassen, dass die Deutschen und auch Menschen anderer Industrienationen eher weniger Sex haben als früher. Die Übersexualisierung der Medien führt dazu, dass man zwar ständig mit Sex konfrontiert wird, er aber eher weniger real stattfindet.



Zugegeben, Dein Argument hat was, in der Tat habe ich auch etwas über diese Untersuchungen gelesen. Wenn dem so ist, glaube ich aber nicht, dass es an einer Übersexualität der Medien liegt, sondern die Gründe hierfür eher in den z.T. enorm gestiegenen Leistungsanforderungen im Berufsleben zu finden sind. Wer permanent unter massiven Erfolgsdruck steht oder in der produktiven Tätigkeit total ausgepowert nachhause kommt, will sich nur noch erholen. Was auch die These bestätigen würde, dass die Menschen in der DDR mehr Sex hatten.


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
Geschrieben

Naja, die Stress-Art hat sich für die Meißten vielleicht geändert.

Aber wer den Tag über auf dem Feld, am Bau, im Wald oder sonst wo körperlich gearbeitet hat, der hat am Abend auch keine Lust auf Sex mehr. Probiert das ruhig mal aus. Wenn dir abends alles weh tut von der Arbeit, ist auch keine sexuelle Spannung mehr da.
Und ich denke, dass die Leute in den 50er, so direkt nach dem Krieg, noch sehr viel schwere körperliche Arbeit leisten mußten. Sowohl die Landbevölkerung in der Landwirtschaft, als auch die Stadtbevölkerung beim Hausbau, beim Wegräumen der zerbombten Häuser oder in Fabriken. Auch die Hausarbeit war noch körperliche Anstrengung.

Für mich ist emotionaler Stress weniger lusthemmend als körperlich völlig ausgearbeitet zu sein.

Ansonsten denke ich wie der Delphin, dass keine unserer Religionen in Deutschland für Lust beim Sex steht und dass sexuelle Freizügigkeit immer nur den privillegierten Schichten vorbehalten war.

Die einzige Änderung, die ich für uns im Laufe der letzten Jahre sehe, ist dass heute fast jeder über Sex spricht und schreibt, und Sex ja über die Medien und die Werbung omnipräsent ist, während früher es die Leute nur getan haben.

Die Sie vom Zweier


Geschrieben

Na ja, ich will ja nicht so tiefschürfend über Sex von vor über 1000 Jahren spekulieren, aber ich bin sicher wir werden in 1000 Jahren einen ganz ähnlichen thread haben, nachdem ein sensationeller archeologischer Fund (ein Sexshop) gemacht worden ist.
Glücklicherweise gibts bis dahin Sex&Orgasmus auf Rezept und in Pillenform


BabetteOliver
Geschrieben

Und Du musst Sinnenfreude von Scheinheiligkeit unterscheiden. Konfessionen haben mit Lustfreundlichkeit per se erst einmal gar nichts zu tun.

Bei aller Scheinheiligkeit, in die alle Religionen zeitweilig verfallen, gibt es einfach Unterschiede in der Lebensfreude, die sie in der Seele ihrer Schäfchen erzeugen. Und die Unterschiede bei leckerem Essen, Gemütlichkeit, Hang zum Feiern etc. (ich denke es wird klar, was ich meine) decken sich mit der Verbreitung der beiden Konfessionen.
Auch wenn das Decamerone nur von der Oberschicht gelesen werden konnte, ist es ein Spiegel der Zeit, denn die Geschichten spielen nicht nur in der Oberschicht. Das Mittelalter war lang und hatte solche und solche Zeiten. Wobei die Hexenverbrennungen viele Ursachen und die Auswahl der Frauen -nach meiner Kenntnis- eher über zuviel Wissen (besonders der Heilkunde) und über Reichtum erfolgte.
Ich denke aber, es geht an der Frage der TE vorbei, wenn wir hier eine historische Debatte führen, daher gehe ich nicht auf die anderen Punkte ein.

Als Rheinländer, "[COLOR=blue]die sich verkleiden müssen um ihren (heidnischen!!!!) Gebräuchen nachzugehen, bevor sie sechs Wochen fasten", kann ich das allerdings nicht kommentarlos stehen lassen. Ich denke Du vertauschst dabei Ursache und Wirkung. Man verkleidet sich nicht, um feiern zu können, sondern weil man feiert, verkleidet man sich. Dass dieser Brauch heute auch (vor allem außerhalb der Hochburgen) eben genau in der von Dir aufgeführten Reihenfolge praktiziert wird (wobei ich dann auch nicht von feiern sprechen mag, eher von von besaufen und rumpöbeln) ist eine richtige Beobachtung. Aber ein Fest wie Karneval ist in protestantischen Gegenden undenkbar (und wenn Du es auf der Weltkarte verfolgst - alle Orte, wo Karneval gefeiert wird, sind katholisch geprägt. Und zumindest ursprünglich wird überall dort sinnenfroh gefeiert.[/COLOR]
Dass in allen Kulturen und Zeiten gemäß dem seinerzeit herrschenden Menschen- und Gesellschaftsbild gleichzeitig (oder sogar dafür) Menschen ausgebeutet, Frauen unterdrückt, und Sklaven missbraucht wurden, ist richtig. Es ändert aber nichts an der Frage, ob man sinnenfreudig oder puristisch war. Und natürlich waren bestimmte Verhaltensweisen nur mit Wohlstand möglich, also oft der Oberschicht vorbehalten - die geltende Moral wirkte sich aber immer auch auf das Volk aus.


Geschrieben (bearbeitet)

...
Und Ayatollah Ratzinger entblödet sich nicht, den Afrikanern zu erklären, die Verwendung von Kondomen bschleunige die Verbreitung von AIDS.


"Kondomexperte Ratzinger: Die Immunschwächekrankheit Aids ist nicht mit Kondomen zu überwinden, im Gegenteil, das verschlimmert nur das Problem.”
Es kommt ein wenig darauf an wie man es versteht (anderer Zusammenhang gleiche Logik):


...Und dabei halte ich einen Test, der ein paar Monate zurück liegt für gefährlicher als keinen Test...


bearbeitet von 0815Erwin
Geschrieben



Unterliegt die Sexualität in ihrer ausgeführten Häufigkeit statistisch gesehen dem Wandel der Zeit unter der jeweils herrschenden Moral, wird also mal mehr und mal weniger stark ausgelebt, oder bleibt die Kurve immer relativ gleich?



ausgelebt...wird sie immer gleich - meine meinung - jedoch die präsens, wie man die auslebung mitbekommt...........wird sich der moral anpassen.
wir sind z.B morgen geladen zu der presseeröffnung der neuen ausstellung im beate uhse - museeum, welche nun von london nach berlin gekommen ist. das thema ist so alt wie die menschheit an sich.........


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