Am 8. März wird seit 1911 alljährlich der Internationale Frauentag gefeiert, und seit kurzem ist dieser Tag in Deutschland immerhin schon in zwei Bundesländern zum Feiertag aufgestiegen. Chapeau! Aber ist das alles tatsächlich ein Grund zu feiern? Unsere Autorin NikKat schaut ins Geschichtsbuch und macht sich so ihre Gedanken…

 

Natürlich freue ich mich ganz solidarisch zusammen mit all meinen Geschlechtsgenossinnen an jedem 8. März ganz besonders, auch wenn ich eigentlich jedes Jahr denke, dass wir mehr als diesen einen popeligen Tag verdient hätten. 

 

Und ist dieser Tag tatsächlich als Feier-Tag gedacht? Nee, eben nicht! Denn vor allem Aktivistinnen verstehen den 8. März als Frauenkampftag, denn trotz einiger  positiver  Entwicklungen im alltäglichen Leben von Frauen gibt es immer noch Einiges, wofür es sich weiter zu kämpfen lohnt.

Aber beginnen wir erst einmal mit den positiven Errungenschaften, die im Laufe der Zeit das weibliche Leben erhellt haben.


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Weltfrauentag 2024 - seit 65 Jahren darf ich arbeiten

An manchen Tagen, wenn die Arbeit einfach nur nervt und ich den ganzen Kram am liebsten in die Ecke pfeffern würde, wünsche ich mich kurz in die Zeiten zurück, in denen Frauen nicht arbeiten durften. Bis mir einfällt, dass dies nicht bedeutete, den ganzen langen lieben Tag auf der Couch herum zu gammeln, das Smartphone in der Hand und Netflix zu bingen, bis die Augen viereckig werden.

Abgesehen davon, dass für die meisten Menschen damals eine Couch unbezahlbar war und Smartphones und Netflix noch in sehr sehr ferner Zukunft lagen, stimmt das mit dem “nicht arbeiten dürfen” natürlich nicht wirklich. Bis zum 1. Juli 1958 waren Ehefrauen von der Zustimmung ihres Gatten abhängig, wenn es darum ging, was, wie lange und wo die Frau arbeiten darf. Und was passierte mit dem so dazu verdienten Geld? Das ging logischerweise an den, der es verdient hat. Nicht. 

Denn bis das Gleichstellungsgesetz von 1958 Frauen und Männer für gesetzlich gleichberechtigt erklärte fiel die Verwaltung allen Vermögens, das die Frau mit der Heirat in die Ehe brachte und in der Ehe dazu verdiente dem Mann zu. Eine Ehefrau durfte nicht selbstbestimmt über ihr Geld verfügen und auch kein eigenes Konto eröffnen. Archaische Zeiten, denken wir heute, aber dass sich das änderte, ist tatsächlich erst knapp 66 Jahre her.

Aber es kommt noch krasser: Erst 1977 legte die Reform des Ehe- und Familienrechts fest, dass es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabenteilung in der Ehe mehr gibt. Denn bis dahin durfte - laut Gesetz - eine Ehefrau zwar arbeiten, aber auch nur in einem Maße, dass sie ihre Pflichten als Ehefrau und Mutter nicht vernachlässigte… Faktisch waren Haushalt und Erziehung also klar der Frau zugeordnet - wer vor lauter Fassungslosigkeit nicht mehr rechnen kann: Das ist gerade mal 46 Jahre her. 


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Weltfrauentag 2024 - vor mehr als 100 Jahren mischten die Suffragetten die politische Landschaft auf

Wo heute Femen, Pussy Riot und #MeToo in aller Munde sind, da waren die Suffragetten auch vor 100 Jahren schon auf der Straße unterwegs, um für Frauenrechte einzustehen und zum Beispiel für das Frauenwahlrecht zu kämpfen. Am 12. November 1918 war es dann in Deutschland endlich soweit: Frauen durften auch an die Wahlurnen, um ihre politische Meinung durch ihre Stimme zu äußern.

Mit dem Nationalsozialismus wurde das Frauenwahlrecht  dann wieder eingestampft und das Weibchen durfte wieder husch husch in sein natürliches Biotop, also in Küche und Schlafzimmer. Zum Glück nicht für die anvisierten 1000 Jahre, sondern nur für den überschaubaren Zeitraum von 12 Jahren…

 

 

 

Weltfrauentag 2024 - seit fast 48 Jahren darf ich meinen Nachnamen behalten

Was für mich heute total normal ist, ist noch gar nicht so lange in der deutschen Realität angekommen:  Auch ich als Frau darf nach meiner Hochzeit den Namen meiner Familie weitertragen in die nächsten Generationen, was vor dem 1. Juli 1976 mit dem Inkrafttreten des neuen Namensrechts ausschließlich meinen männlichen Verwandten vorbehalten war.

Ich muss mich seitdem nicht mehr an eine neue Unterschrift gewöhnen und von nun an mit dem Namen meines Ehegatten wie gebrandmarkt durchs gemeinsame Leben gehen. Es mag albern klingen und gegenüber anderen Entwicklungen wie das Wahlrecht für Frauen, weniger bedeutsam zu sein, es zeugt aber von großer Symbolkraft, weiterhin namentlich eine eigenständige Person bleiben zu dürfen.


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Weltfrauentag 2024 - seit 65 Jahren darf ich einen Führerschein machen & Auto fahren

Das war für klassische Männerstammtische wahrscheinlich der Anfang vom Untergang der abendländischen Kultur: Seit 1958 - also im Zuge des Gleichstellungsgesetzes - dürfen Frauen offiziell den Führerschein machen und ein Fahrzeug führen. Und zwar nicht nur, um den angeschickerten Gatten vom feucht-fröhlichen wöchentlichen Stammtisch abholen zu können, sondern immer mehr als Wahrzeichen der weiblichen Unabhängigkeit mit der Option, selbständig die Welt zu entdecken.

Den ersten Führerschein für eine Frau machte übrigens eine Frau aus Leipzig und das schon 1909. Allgemein sind die Frauenrechte in der ehemaligen DDR 9 Jahre älter als in der BRD, denn dort war die Gleichstellung schon bei der Staatsgründung 1949 gesetzlich verankert.


 

Weltfrauentag 2024 - seit circa 64 Jahren kann ich mit der Anti-Baby-Pille selbst verhüten

Seit Beginn der 60er Jahre haben wir Frauen es selbst in der Hand, ob Sex zur Fortpflanzung praktiziert wird oder nur dem reinen Spaß und zum Lustgewinn dient. Mit der Pille kam es zu einem sexuellen Befreiungsschlag, dessen Bedeutung heutzutage den meisten Menschen gar nicht so bewusst ist. 

Aber stellt euch einfach mal vor, was es für einen Unterschied macht, ob ich vor jedem erotischen Stelldichein einen bangen Blick in meinen Zykluskalender werfen muss. Zur Sicherheit Kondome einstecke, von denen ich jetzt schon ahne, dass sie bei meinem männlichen Gegenüber auf wenig Gegenliebe stoßen werden und mich eine leise Stimme warnt, das Risiko einer Schwangerschaft lieber doch nicht eingehen zu wollen. Oder ich mir wegen einer kleinen Pille Tag für Tag darüber gar keine Gedanken mehr machen muss und stattdessen mein Sexleben voll genießen und auskosten kann. Genau, das machte einen Riesenunterschied im Sexleben von Frauen. 

Und nach den Hormonbomben der ersten Jahre wurden die Verhütungspillen (ein viel netterer Name als Anti-Baby-Pille. Wenn man mich fragt, denn in den meisten Fällen sind die Frauen nicht gegen Babies im Allgemeinen…) auch immer verträglicher und heutzutage können wir uns glücklich schätzen, auf verschiedene andere Verhütungsmethoden zurückgreifen zu können.


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Weltfrauentag 2024 - seit knapp 27 Jahren gibt es das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe

Ist das nicht erschreckend? Bis zum Juli 1997 musste sich der Ehemann so gut wie keinen Kopf machen, wenn er körperlich gegen seine ihm Angetraute wurde. Eheliche Übergriffe in Form von Gewalt waren also vor knapp 30 Jahren nicht strafbar, vermutlich, weil ein vermeintliches Recht auf Beischlaf in Ehegemeinschaften höher bewertet wurde?

Aus heutiger Sicht können wir da nur fassungslos den Kopf schütteln. Zumindest in Deutschland. In anderen Ländern und Kulturen ist es immer noch der Mann, der bestimmt, wann und wie viel gepoppt wird in der Ehe. Also, wenn ihr mich fragt: Sex ist was ganz Feines, aber wenn mir einer sagt, dass ich genau jetzt vögelbereit sein soll und mich gefälligst nackig machen und hinlegen soll - dann bin ich raus.

Sehr erschreckend, mir vorzustellen, dass mir mein Mann theoretisch bis in die späten 90er Jahre Sex aufzwingen durfte ohne dass mich ein Gesetz davor geschützt hätte.


 

Weltfrauentag 2024 - seit 43 Jahren gibt es eine Frauenquote im Beruf

Seit 1980 besagt das Gesetz über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz, dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit das gleiche Gehalt bekommen müssen. 

Hör ich da wen lachen? Verstehe ich, denn da möchte frau tatsächlich lachen, wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre, dass die gleiche Bezahlung immer noch nicht Fakt ist. Dazu kommt noch, dass viel mehr Frauen als Männer in Berufen landen, die eh schlecht bezahlt sind. Zum Glück sind das oft so bedeutungslose und unwichtige Berufe wie Pflege und Erziehung... 

Ironie wieder aus: Deutschland ist immer noch auf den letzten Plätzen in Europa, wenn es um die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen geht und auch die Frauenquote in den meisten Berufen sieht in der BRD eher mau aus - bei der letzten Statistik landen wir auf Platz 24 im europäischen Vergleich. Das einzig Positive daran: Es kann nur besser werden…

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Fazit und Zusammenfassung zum Weltfrauentag 2024

Es ist also in den letzten Jahrzehnten einiges passiert, das hoffen lässt: Frauen haben in vielen Ländern bereits die gleichen Rechte und Pflichten wie Männer, auch wenn mich manchmal das ungute Gefühl beschleicht, dass sich dies auf das bloße Papier beschränkt und nicht wirklich in vollem Umfang gelebt werden kann.

Aber trotz aller positiver Entwicklungen bleibt die Wunschliste für die kommenden 365 Tage bis zum nächsten Weltfrauentag 2025 lang, denn es gibt immer noch viel zu viele Ungerechtigkeiten auf unserem Planeten und die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen macht einen großen Tail dieser Ungerechtigkeit aus. Deshalb gilt: Nicht auf den bisherigen Errungenschaften ausruhen, sondern - und nicht nur heute am Weltfrauentag - für viele weitere Schritte in die richtige Richtung zu kämpfen und auf Solidarität statt (Zicken-)Krieg zu setzen!



 

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