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Wie wichtig ist Sex tatsächlich in einer Beziehung?


Empfohlener Beitrag

(bearbeitet)

Es gibt Projektionen nicht nur von eigenen Vorstellungen, sondern auch von Bedürfnissen auf den anderen. Wir wähnen, uns mit ihm in einer gemeinsamen leiblichen und seelischen Bewegung zu befinden und merken vielleicht gar nicht, dass zwischen unseren Gebärden und denen des anderen keinerlei Übereinstimmung besteht. Entweder überwältigen wir, oder lassen uns überwältigen, aber in beiden Fällen fehlt der verbindende gemeinsame Fluss, die traumwandlerisch koordinierten Bewegungen des "dritten Leibes", das heißt hier des Paarkörpers, in dem sich beide mit doppelter Lebens- und Liebeslust neu vorfinden

- Peter Schellenbaum -

Man muss auch achten, dass man gravierende erotische Differenzen, die möglich sind, nicht zu gering wertet, oder gar ignoriert, nur weil der andere unser traumhafter Wunscherfüller ist. Wenn die Projektionen demaskiert werden, und das geschieht in der Beziehungspraxis unweigerlich, wird die Sexualität zum Sargnagel der ohnehin schon von einer chronischen Krankheit befallenen Beziehung.
Es ist dann ungemein schwer, den anderen noch so lieben zu lernen, wie er ist und nicht mehr wie er sein soll, und zugleich die Sexualität in einen gemeinsamen Fluss zu bringen.

Der andere Fall ist der, dass eine errgende Sexualität wie durch ein Wunder da ist und den Blick auf das Chaos in der restlichen Beziehung verdeckt. Beide sind permanent erregt, aber unglücklich - und diese "amou fou" mündet in einen zersetzenden Kampf zwischen erbitteren Streit und sexueller Versöhnung.
Und meist endet es im Desaster...


bearbeitet von Lichtschimmer

Grundlegende Verständigung vorausgesetzt.


Bei poppen.de Dates mag das durchaus stimmen, da kennt man die Vorlieben, etliche andere Eckdaten, fehlt nur noch die passende Chemie!

Im realen Leben sieht das doch aber anders aus, da spricht man nicht unbedingt gleich über Sex, lernt sich erstmal kennen, mag sich, ist verliebt und geht dann ins Bett! Und schon ist man(ich) auf dem Rosarot -Trip!
Aber es stimmt schon, wenn ich erst die Erkenntnis darüber gewonnen habe, dass ich eben immer so funktionniere, kann ich daran auch was ändern!Wie auch immer!

@molli

Du hast zwar einen schönen Text geschrieben, aber ich finde ihn doch sehr idealisiert, so schön "liebevoll und respektvoll" sein mag, es kann nicht bedeuten, dass grundsätzliche Tabus "weggeliebt" werden, auf Kosten der Persönlichkeit des Anderen!Hat bei dir geklappt, muss aber nicht sein, sondern kann im Gegenteil eine tiefe Verletzung auslösen, die jegliches Vertrauen zerstört! Liebe beruht auf Gegenseitigkeit! Die Frage ist doch, kann ich jemanden lieben, der meine Auffassungen, auch über Sex, nicht teilt?
Ich kann mich verlieben, aber diesen Menschen lieben....eher nein


(bearbeitet)

Frage ist doch, kann ich jemanden lieben, der meine Auffassungen, auch über Sex, nicht teilt?

Bist Du es nicht auch, der des anderen Auffassungen nicht teilt? Und gewöhnen wir uns im Zeitalter des Intrernet nicht immer mehr an, einen Menschen vorschnell zu verwerfen, nur weil wir uns des Überangebotes da draußen sicher sind? Sollten wir nicht versuchen mit einem Menschen, der uns bedeutsam scheint, im besten Sinne zu "verhandeln", und, wie Jaspers meint, Kommuniktion als "liebendes Ringen" um etwas und nicht gegeneinander zu sehen?

Danach kann man immer noch gehen - mir will nur scheinen, dass den meisten Menschen dieser Schritt heutzutage zu beschwerlich ist.

Ich kann mich Molli gut anschließen, und nicht alles, was meine Persönlichkeit aus der Starre ins Werden befördert, bedeutet eine ***igung derselben.


bearbeitet von Lichtschimmer

Im realen Leben sieht das doch aber anders aus, da spricht man nicht unbedingt gleich über Sex, lernt sich erstmal kennen, mag sich, ist verliebt und geht dann ins Bett!



Muss nicht so sein. Ich hab's mir, nachdem ich nicht so übermäßig auf ständiges unangenehmes Erwachen stehe, vorheriges Kennenlernen inklusive ein paar entspannten Nebenbeigesprächen in denen auch Sex vorkommt angewöhnt.


Sollten wir nicht versuchen mit einem Menschen, der uns bedeutsam scheint, im besten Sinne zu "verhandeln", und, wie Jaspers meint, Kommuniktion als "liebendes Ringen" um etwas und nicht gegeneinander zu sehen?



Ja, natürlich kann man versuchen zu verhandeln, nur, wie du richtig angemerkt hast, bin ich Diejenige, die SEINE Auffassung nicht teilt!Wer bin ich, dass ich versuche ihn vom Gegenteil zu überzeugen?Ist nicht schon das eine Beschneidung seiner Persönlichkeit?

Absolutistisch betrachtet, bedeutet Liebe doch, den Anderen so zu akzeptieren, wie er ist!

Klingt toll, ist aber nur realisierbar, wenn Lebensauffassungen nicht sehr weit auseinanderliegen!Was ich aber erst im Nachhinein erkannt habe!Wie viele andere auch!


(bearbeitet)

Ich glaube, dass es im Prinzip um Platitüden geht: liegt man zu weit auseinander, hat es vermutlich keinen Sinn - das muss man kaum thematisieren.

Mein Vorwurf: man versucht es zu wenig, auch wenn die Kluft überbrückbar ist, weil zu viele einen echten Dialog viel zu anstrengend finden. Schwupp - zur nächsten Blüte... alles immer schön nach dem "Trial and Error-Verfahren", bis wir nur noch unglücklich, und vom Suchen entkräftet vor uns hindämmern (der oft weibliche Weg), oder uns in der Jagd tödlich erschöpfen (der oft männliche Weg)...


bearbeitet von Lichtschimmer

Stimmt so nicht! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen oft an Beziehungen festhalten, die zum Scheitern verurteilt waren! Nein, nicht um versorgt zu sein, sondern vielleicht eben aus diesem Wunsch nach Harmonie, Zweisamkeit, etc.und einer gewissen Dosis Trotz!

Aber ich habe daraus gelernt, hoffe ich zumindest!


@ Molli_63:

Ich kannte mal eine Germanistikstudentin im 46. Fachsemester, die hat auch immer ähnlich schöne Aufsätze geschrieben wie du. Nur leider auch oft übers Thema hinaus oder am Thema vorbei.


@ Vati:

Es ging mir in der bisherigen Diskussion nicht darum, solchen Projektionen nicht auf den Leim zu gehen - wer will das schon?

Es ging mir darum - und das finde ich wirklich außerordentlich spannend - ob tatsächlich jemand in der Lage ist, ohne professionelle Fremdhilfe diese verborgenen und vergrabenen Hunde bei sich selbst zu finden. So Thema Selbstdiagnose/Selbstanalyse.

Wenn das Problem erkannt ist, dass man dann daran arbeitet, das ist für mich kein Thema. Das Selbstfinden/das Selbsterkennen ist das Thema. Darum ging es mir, um nichts anderes.

Aber scheinbar sind hier ja alle tiefenpsychologisch derart fit, vor allen Dingen auch sich selbst gegenüber, dass es mir als blutigen Laien selbstverständlich verwehrt bleiben muss, weiterhin dämliche Fragen zu stellen. Schon klar.


@ Ballou:

Ich bin so frei, dich zu zitieren: "Ansonsten frag mich direkt vor dem Sprung in die Kiste - dann kann ich Dir mit Ja oder Nein antworten. Und bei Deinem unterstellten Anspruch auf Alleingang kann ich Dir schon heute mit NEIN antworten.

Aber Gegenfrage: Was hast Du damit gewonnen?

Wovon ich tatsächlich überzeugt bin, ist die Tatsache, dass ich mir bestimmte Enttäuschungen der Vergangenheit nicht mehr in der massiven Form bereite."(Zitatende)


Meine Entscheidung für mich, solo durchs Leben zu gehen, ist ja gerade das Ergebnis von erfolgreicher Selbstreflexion.

Ich habe doch für mich schon längst vollzogen, was ihr hier propagiert.

Aber jetzt kommt der nächste Schritt.

Jetzt soll auch noch das Ergebnis in eurem Sinne sein. Hallo?

Ich glaube so langsam, ihr habt sie nicht mehr alle stramm stehen.

Wenn ich für mich zu dem Ergebnis gekommen bin, dass mir eine Beziehung nicht mehr taugt, bzw. dass ich mich wegen meiner Verschrobenheit oder Spleenigkeit für beziehungsuntauglich halte, dann habt ihr das bitte schön zu respektieren.


LG xray666


Stimmt so nicht! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen oft an Beziehungen festhalten, die zum Scheitern verurteilt waren!

Das ist das andere ungute Extrem. Hier ist der Wille zum Dialog mit einem Mangel an Einsicht gepaart. Gewissermaßen ist das eine sterbebegleitende Projektion in der Agonie einer Liebe.


(bearbeitet)

es kann nicht bedeuten, dass grundsätzliche Tabus "weggeliebt" werden, auf Kosten der Persönlichkeit des Anderen! Hat bei dir geklappt


Hat bei mir nicht "geklappt", liebe Saavik, und kann meiner Erfahrung nach auch grundsätzlich nicht "klappen".

Die Entscheidung, mich auf neue Entwicklungen in mir einzulassen, schmerzhafte Erfahrungen in mir heilen zu wollen und Vertrauen in mir zu entwickeln, kann nur ich selbst für mich treffen. Und nur du für dich. Und jede/r andere nur für sich selbst.

Ballou drückte es so, dass es nur einen Kopf gibt, wo ich nicht nur davor, sondern sondern hineinsehen kann: Mein eigener. Und nur dort sind Änderungen möglich.

Wenn ich in eine Beziehung starte mit dem Ziel, den bzw. die Andere/n zu ändern, ist es besser, gleich ganz auf diese Beziehung zu verzichten.

Wenn ich eine Beziehung - ebenso wie jede andere Begegnung mit Menschen - als Chance zur Entwicklung und Reifung meiner Persönlichkeit wahrnehme, können Wunder geschehen. Wenn ich meine Wunder bei mir und der andere seine Wunder bei sich zulassen kann.

In diesem Sinne wunderbare Tage und Nächte wünscht uns

Molli


bearbeitet von Gelöschter Benutzer

@Saavik - entschuldige, falls ich es fehlinterpretieren sollte - aber Du scheinst mir auf der Suche nach einem Handlungsstrang zu sein, nach dem Motto: beim letzten Mal hat mich meine Verliebtheit in die Falle gelockt, zu große Unterschiede übersehen zu haben. Mit welcher Vorgehensweise kann ich diesen Fehler das nächste Mal vermeiden ?

Du bist damit auf dem besten Weg eine der Zickzack-Ladies zu werden, die krampfhaft bemüht sind, stets den letzten Fehler auszumerzen.

Die Suche nach dem Handlungsstrang läßt Dich jedoch von Anfang an zu kurz greifen.

Ist das Beharren auf der Inkompatibilität in sexueller Hinsicht nicht einfach auch ein guter Vorwand um die wirklich intimen Fragen, nach dem eigenen Muster und der obessiven Projektionen, die uns treiben, zu umgehen?


(bearbeitet)

Gewissermaßen ist das eine sterbebegleitende Projektion in der Agonie einer Liebe.


Gut gesagt!

Leider ist Einsicht, wenn ich verliebt bin(ich weiss nicht, wie es dir ergeht?) in einer Ecke, ganz, ganz tief im Unterbewusstsein versteckt!

Das Drama ist, dass ich trotzdem, niemals auf dieses Gefühl verzichten werde, ok, vielleicht mit mehr Vorsicht, aber dem ganz entsagen, wie Einige hier? Nein!

@ ballou

Mag sein! Nur das kann ich nicht allein beantworten, dafür bräuchte ich tatsâchlich the***utische Hilfe!Mir sind durchaus Traumata meiner Kindheit, etc. bewusst, die bewirkt haben, dass ich "Ich" bin, nur habe ich mich akzeptiert!
Am Wichtigsten ist mir meine Freiheit und daraus resultierend die Freiheit meines Gegenübers!Auch in meiner Sexualität!Und Seiner!


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
(bearbeitet)

Xray: Jetzt soll auch noch das Ergebnis in eurem Sinne sein. Hallo?

Ich glaube so langsam, ihr habt sie nicht mehr alle stramm stehen.

Wenn ich für mich zu dem Ergebnis gekommen bin, dass mir eine Beziehung nicht mehr taugt, bzw. dass ich mich wegen meiner Verschrobenheit oder Spleenigkeit für beziehungsuntauglich halte, dann habt ihr das bitte schön zu respektieren.


What the hell reitet Dich gerade ?

Zeig mir irgendeine Stelle, wo ich Dich und Deine Entscheidung nicht respektiert habe - und meine aufrichtige Entschuldigung wird postwendend folgen, weil ich Deine Entscheidung definitiv nachvollziehen und respektieren kann.

Andernfalls: laß einfach den Scheiß und nimm es als das, was es ist: ein Austausch von Meinungen über ein interessantes Thema, das jedem das Recht auf sein Leben nach seiner Facon beläßt.


bearbeitet von Ballou1957

.... jedem das Recht auf sein Leben nach seiner Facon ...



Damit kann ich sehr gut leben, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht.


LG xray666


Damit kann ich sehr gut leben, wenn das auf Gegenseitigkeit beruht.



Dann fang du mal damit an, und billige das auch den anderen zu!

Es gibt nunmal Menschen mit und ohne Gefühle - und was "besser" ist, möchte ich nicht beurteilen. Jedem das seine. Aber jeder sollte den anderen respektieren.


O.T.:

Irrtum Madame.

Es gibt keine Menschen ohne Gefühle.

Es gibt allerdings Menschen, da sind die für Außenstehende vielleicht schwerer zugänglich.

Das ist zutreffend.

Aber das ist allein meine Sache und das begründe ich nicht.


LG xray666


Die Antwort ist so breit gefächert wie das ganze Leben:

  • </p><p>
  • Für einige ist Sex das Wichtigste überhaupt (eher Männer).
  • Andere vermissen nichts, wenn sie keinerlei Sex haben (eher Frauen).
  • Manchen reichen 5 bis 10 Akte pro Jahr völlig.
  • Einige waren lange Zeit ihres Lebens total sexfixiert, dann wandelte sich in ihnen die hormonelle und/oder psychosomatische Grundsituation, und ihre Libido liegt auf Eis.

Daraus folgt, dass es von Vorteil ist,

  • </p><p>
  • sich einen Partner/eine Partnerin zu suchen, der/die libidinös zum Zeitpunkt des Kennenlernens möglichst ähnlich gestrickt ist,
  • dies aber keinerlei Garantie dafür darstellt, dass das auch über längere Zeit so bleibt.

Menschen entwickeln und wandeln sich und ihre Bedürfnisse im Lauf der Zeit. Leider wandeln sich aber zwei Menschen in Beziehung eher selten in gleicher Art und Weise. Oft führt eine Steigerung des Sexwunsches beim Einen zwangsläufig zu einer Abnahme desselben bei der Anderen.

Es ist schon eine echte Gnade (wessen auch immer), wenn zwei Menschen aufeinandertreffen, die sowohl zum Zeitpunkt ihres Kennenlernens eine ähnlich starke Libido und ähnlich anregende Fantasien haben, als auch feststellen, dass sich ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche im Lauf der Zeit in etwa ähnlich wandeln/entwickeln. Planbar/steuerbar ist es nicht. Wenn, dann ist da die pure seelische Natur am Werk - in beiden. Dazu aber müssten sich beide eben dieser Natur vertrauensvoll hingeben.

Ich glaube, diese langjährige vertrauensvolle Hingabe an die eigene seelische Natur und an die des Anderen ist etwas heute sehr selten Anzutreffendes. Unsere Zeit und unsere Ideale und Idole drängen uns stattdessen dazu, möglichst alles kontrollieren/steuern zu wollen.

Aber lustvoller Sex verträgt keine Kontrolle.

Fatzi


Werter Fatzi....

und wenn du jetzt noch ein Handlungsanleitung parat hast, wie, diese -idealtypische -vertrauensvolle Hingabe in die Praxis umzusetzen ist, dann, aber auch nur dann, hast du meinen vollsten Respekt.

Ich erliege nämlich nicht dem Rausch der schönen Worte, wie meine Vorposterin.

Sorry Fatzi, aber sonst bleibt für mich das Fanal der vertrauensvollen Hingabe nur eine Sprechblase mehr in diesem Blubberaquarium.


LG xray666


(bearbeitet)

...wie, diese -idealtypische -vertrauensvolle Hingabe in die Praxis umzusetzen ist...

Hi xray666,

mit der Frage verlassen wir aber das Feld der Sexualität und der Libido und landen in dem weitaus größeren Raum menschlichen Seins.

Zuerst eine Antwort, die Du (und wohl jeder rationale Mensch) sicher ziemlich daneben finden wirst: Obwohl die Fähigkeit zu vertrauensvoller Hingabe (an die seelische Natur des Menschen) etwas sehr Einfaches ist, denn (so gut wie) jedes Kind hat sie noch (!), ist sie aber für einen erwachsenen Menschen, der Schule, Ausbildung, Berufseinstieg und vielleicht Familiengründung hinter sich hat, sehr schwer wiederzuerlangen.

Ich versuche mich - stark vereinfachend und dennoch ziemlich ausufernd - ranzutasten:

Im Rahmen unserer Entwicklung wird uns von allen möglichen Institutionen beigebracht, dass wir nur unserem "Verstand" trauen sollen. Wir sollen die Welt und das Leben möglichst rational, logisch und analytisch betrachten und nur das als "wahr" akzeptieren, was wissenschaftlich "erwiesen" ist. Die linke Gehirnhälfte gibt sich damit zufrieden, denn es lässt sich ja tatsächlich eine Menge damit erreichen. Gepaart mit genügend krimineller Energie kann man damit auch große Vermögen anhäufen.

Die rechte Gehirnhälfte, die unter anderem für das Fühlen zuständig ist, verkümmert dabei aber. Bei uns Männern meistens schneller und gründlicher als bei Frauen. Aber letztere geben sich immer mehr Mühe, es uns gleichzutun. Die Folge davon ist: Wir trauen dem (analytischen und berechnenden) Denken sehr viel mehr zu, als dem Fühlen. Das Fühlen verkümmert, und wir beginnen unseren Gefühlen mehr und mehr zu misstrauen.

Das Misstrauen in die eigenen Gefühle* ist der Beginn des Vertrauensverlustes in die eigene seelische Natur. Wenn wir ansonsten eine einigermaßen geborgene Kindheit hatten, beginnt es bei uns Männern meist im Verlauf der Pubertät.

*) Das was wir bei der Sexualität gern als "Gefühle" bezeichnen, sind meistens körperliche "Sensationen", die uns über das Sensorium Erregung und Lust wahrnehmen lassen. Das tut uns gut. Das eigentliche "Fühlen" aber ist ein dem "Denken" gleichwertiges System, das uns mit anderen Mitteln und über andere Kommunikationskanäle einen Sachverhalt erkennen und bewerten lässt - sofern wir es kultiviert haben und ihm vertrauen. Tun wir aber meistens nicht, weil es uns "ausgetrieben" wurde.

Es gibt diesen Satz "...so Ihr nicht werdet, wie die Kinder..." Wenn wir ihn so verstehen, dass wir nicht etwa "kindisch" werden, sondern wieder beginnen sollen, uns selbst - vor allem auch unseren Gefühlen - zu vertrauen, ist das eine gute Basis zur "vertrauensvollen Hingabe an die Natur der Seele".
****

In Deinem Benutzernamen hast Du das "666". Ich erlaube mir, darin nicht nur "viel Sex" zu sehen, sondern auch das Symbol für "die dunkle Seite" der menschlichen Seele. Wir (ver-)trauen uns selbst und anderen Menschen oft deshalb nicht, weil wir Angst vor diesem Dunklen in uns haben. Leider gibt es Institutionen, die diese Angst auch bewusst schüren. Wenn wir das "Dunkle" aber (tiefenpsychologisch - mit C. G. Jung) als unseren "Schatten" bezeichnen und als unverzichtbaren Teil von uns verstehen, dann können wir uns mit diesem Schatten anfreunden. Das ist ein erster Schritt auf dem Weg, Vertrauen in die Natur der Seele wiederzuerlangen. Leider ist es kein Weg, den man mal eben so nebenbei beschreiten kann. Er braucht Zeit. Eine gute Voraussetzung, ihn zu beschreiten, ist zum Beispiel eigenes Leiden.

In den nächtlichen Träumen zeigt sich das Dunkle, bzw. der "Schatten" uns Männern meist ebenfalls als Mann. Aber er verfolgt und bedroht uns. Wir haben Angst vor ihm und laufen weg. Der Beginn einer seelischen Wandlung wäre daher: Die Angst überwinden. Stehenbleiben. Sich umdrehen. Trotz der Angst den Schatten fragen, was er will - und was das Ich für ihn tun kann.
In Frauen ist der Schatten meist weiblich.
In beiden Fällen hat er Eigenschaften an sich, die das Ich ablehnt. So will das Ich nicht sein, es hat Angst vor gesellschaftlicher Ächtung.

Von dem Moment an, wo der eigene unbewusste Schatten im Traum keine Bedrohung mehr darstellt, sondern zum "Verbündeten" geworden ist, hat sich die Tür zur vertrauensvollen Hingabe an die Natur der Seele schon geöffnet.

Fatzi


bearbeitet von Gelöschter Benutzer
(bearbeitet)

Werter Fatzi, obwohl ich grundsätzlich manches etwas anders sehe, als in deinem vorletzen Beitrag, ist der hier sehr gut. Ich mache seit ein paar Jahren die Erfahrung, wie wundervoll es ist aus dem Kopf in den Bauch zu kommen, allerdings ohne den großen Zensor ganz aufzugeben - er wandelt sich zu einem großen Spiegel, wenn man ihn lässt.


bearbeitet von Lichtschimmer

Eine schöne Diskussion!

Ich finde, man braucht gar nicht so tief in sich selbst zu schauen. Hier mal zwei Gegensätze:


Absolutistisch betrachtet, bedeutet Liebe doch, den Anderen so zu akzeptieren, wie er ist!




eigentlich ging es mir darum, was beim Kennenlernen passiert. In der ersten Verliebtheitsphase, sozusagen. Wenn man sich aneinander herantastet, sich verliebt, die rosarote Brille auf und Schmetterlinge im Bauch hat.



Nur, wie soll ich den Anderen akzeptieren, wenn ich ihn nicht so sehe, wie er tatsächlich ist?

Wäre es vielleicht besser, die rosarote Brille so schnell wie möglich zu entsorgen? Zumindest, wenn man das Bravo-Alter überschritten hat?


Der Mann


Herr Mann *lach*

Das sagt sich immer so leicht....nur ist das ja nichts wozu man sich rational entscheiden kann...leider....


Bienschken, warum kann man nicht rational werden?
Nicht immer, aber wenn ich mein Leben an einen anderen Menschen anpassen möchte, muss ich mir doch darüber klar sein, ob dieser Mensch das überhaupt wert ist!
Und da dürfte die rosarote Brille doch sehr störend sein....



Der Mann


Das stimmt wohl und manches Mal hätte ich mir Rationalität gewünscht...aber es ist nun mal so, dass ich eher sehr emotional bin und es bei mir einfach so ist, das ich michentweder sofort oder garnicht verliebe...

Also sofort meint nicht in den ersten 4 Sekunden aber schon innerhalb des ersten Dates ist mir das klar...da kann ich auch nichts dran ändern, das hab ich schon versucht....funktioniert bei mir leider nicht


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