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Altmark-Träume: Wo die Lust die Liebe fand 6/10


Th****

Empfohlener Beitrag

Der Text ist zu heiß

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6. Die unerwartete Wendung

Die Verletzung in Anna war nicht laut. Sie war ein stiller, tiefer Riss, der sich in ihr ausbreitete wie Kälte in Stein. Torstens plötzliches Schweigen, die abweisenden, ausweichenden Blicke im Supermarkt – sie hatte es verstanden, ohne dass ein Wort fiel. Er wollte die emotionale Komponente nicht. Er wollte nur den schmutzigen Mechanismus ihrer Begegnungen, ohne die lästige Nachbereitung aus Gefühlen und Sehnsucht. Sie fühlte sich benutzt im schlimmsten Sinne: als seelischer Mülleimer, der nach Gebrauch entsorgt wurde. Die Wut darüber war zunächst betäubend, dann verwandelte sie sich in eine eisige, klare Entschlossenheit. Wenn er schon nicht mehr mit ihr reden wollte, dann vielleicht mit jemand anderem.
Der Zufall – oder war es eine gezielte Beobachtung? – wollte es, dass sie Ingrid allein im Supermarkt antraf, an einem Donnerstagvormittag, als die Gänge leer waren. Anna stand auf der kleinen Leiter und füllte Gläser mit Gurken in das Regal, als sie Ingrids vertraute, bedächtige Schritte hörte. Sie stieg hinab, ihr Herz klopfte gegen ihren Brustkorb. Mut war nicht etwas, das sie in Hülle und Fülle besaß. Der Mut, Torsten damals anzusprechen, war aus purer, verzweifelter Einsamkeit und sexueller Gier geboren worden. Dieser hier war anders. Er war kalkuliert, fast rachsüchtig.
„Frau Meier? Ingrid?“, sagte Anna, ihre Stimme klang belegt von der staubigen Lagerluft.  Ingrid drehte sich um, ein leicht überraschter, aber freundlicher Ausdruck in ihren Augen. Sie kannte Anna vom Sehen, als die nette, immer hilfsbereite Angestellte. „Ja? Oh, hallo Anna. Alles in Ordnung?“. Anna lächelte, ein sorgfältig einstudiertes, warmes Lächeln. „Ja, ja, alles gut. Ich… ich wollte Sie eigentlich mal was fragen. Etwas Privates. Geht das?“.  Ingrids Augen wurden wachsam, aber nicht abweisend. Die Neugier, die in jedem Menschen in diesem klatschfreudigen Dorf steckte, siegte. „Privates? Na, dann schießen Sie mal los. Hier ist ja grad keiner.“
Anna holte tief Luft. „Es geht um… Gartenarbeit. Mein Mann ist ja so lange weg, und ich komme mit dem großen Garten einfach nicht hinterher. Besonders der Teich und die Filteranlage… Ich habe gehört, Ihr Torsten ist so ein geschickter Handwerker. Ich wollte fragen, ob er vielleicht mal vorbeikommen könnte, um einen Blick darauf zu werfen? Natürlich gegen Bezahlung.“. Es war eine dünne Geschichte, aber in der Welt der gegenseitigen Gefälligkeiten auf dem Land nicht ungewöhnlich. Ingrid schien sie zu schlucken. Ein Anflug von Stolz zeigte sich in ihren Zügen. „Ach, der Torsten. Ja, der kann so was. Wann denn?“
„Vielleicht am Samstag?“, schlug Anna vor, ihr Blick unschuldig. „Ich würde dann auch Kaffee und Kuchen anbieten. Sie könnten doch auch mitkommen? Wir könnten uns doch mal richtig unterhalten. Ich sitze da sonst immer so allein.“. Der letzte Satz, gespielt einsam und verletzlich, traf bei Ingrid offenbar einen Nerv. Vielleicht erkannte sie ihre eigene, weniger dramatische, aber ebenso vorhandene Einsamkeit darin. „Samstag…“, überlegte Ingrid. „Ja, Samstag könnte passen. Torsten hat zwar… äh, eigentlich was mit seinem Verein. Aber ich könnte kommen. Meine Schwester wollte ich ohnehin besuchen, die wohnt ja in der Nähe von Ihnen. Ich könnte vorbeischauen.“ Ein elektrisierender Triumph durchfuhr Anna. Sie hatte Ingrid dazu gebracht, von sich aus das Wochenende zu planen. Und Torsten? Der würde seinen „Verein“ haben – sie wusste genau, was das bedeutete. 
„Das wäre wunderbar“, sagte Anna und ihr Lächeln wurde ehrlicher, fast glücklich. „So gegen zwei?“ Die Verabredung war gemacht.
Torsten, von all dem nichts ahnend, nutzte die Information, dass Ingrid am Wochenende weg sein würde, sofort aus. Seine Finger flogen über das versteckte Handy: „Samstag. 22 Uhr. Ziegelei. Kommt alle.“ Die Antwort von Bernd kam prompt: „Mit Spielzeug.“ Eine gierige Erwartung breitete sich in Torsten aus. Diesmal würde er sich vollends fallen lassen. Keine Gedanken an Anna. Nur der Rausch.
Der Samstag kam mit gleißendem Sonnenschein und einer Hitze, die die Luft über dem Asphalt flimmern ließ. Ingrid, in einem hellen Sommerkleid und mit einer Tasche mit Badezeug („Man weiß ja nie“, hatte sie zu sich selbst gesagt), fuhr zu Annas Reihenhaus am Ortsrand. Es war ein modernes, sauberes Haus mit einem großen, eingefriedeten Garten hinten raus. Anna öffnete die Tür. Sie trug legeres Leinen, wirkte entspannt und freundlich. „Ingrid! Wie schön, dass Sie gekommen sind. Kommen Sie rein.“
Ingrid betrat das Haus und fühlte sich sofort seltsam wohl. Es roch nach frischem Kaffee und Zitronenpolitur. Alles war aufgeräumt, aber nicht steril. Es herrschte eine warme, fast sinnliche Ordnung, die sich angenehm von der etwas verstaubten Gemütlichkeit ihres eigenen Heims unterschied.
„Ihr Haus ist ja traumhaft“, sagte Ingrid ehrlich beeindruckt.
„Ach, man versucht, es sich gemütlich zu machen“, sagte Anna mit einem Achselzucken. „Kommen Sie, der Garten ist das Beste.“
Sie führte Ingrid durch die Schiebetür ins Freie. Der Garten war in der Tat großzügig und liebevoll angelegt. Blumenbeete, ein kleiner Gemüsegarten, und in der Mitte ein länglicher, eingelassener Swimmingpool, dessen Wasser türkisblau und einladend in der Sonne glitzerte.
„Oh, ein Pool!“, rief Ingrid begeistert. „Das ist ja herrlich!“
„Ja, das ist meine Rettung im Sommer“, sagte Anna und deutete auf zwei Liegestühle mit dicken Polstern. „Setzen wir uns.“
Sie unterhielten sich zunächst über Belangloses: das Wetter, den Garten, die hohen Preise im Supermarkt. Anna schenkte eisgekühlten Eistee ein. Die Stimmung war entspannt, fast vertraut. Dann, fast beiläufig, schwenkte Anna das Gespräch.
„Und wie geht es Ihrem Torsten? Immer noch so handwerklich begabt?“
Ingrid seufzte leise. „Ach, Torsten. Ja, er kann alles reparieren. Aber manchmal… manchmal ist er so weit weg. In Gedanken, meine ich. Er verbringt so viel Zeit am Computer.“. Anna nickte verständnisvoll, ihr Blick wurde intensiver. „Männer haben oft ihre geheimen Welten, nicht wahr? Ihre Fantasien. Dinge, von denen wir Frauen manchmal keine Ahnung haben.“
Ingrid spürte eine leichte Verunsicherung. „Fantasien? Na ja, Torsten ist da nicht sehr… kommunikativ.“
„Vielleicht sollte er es sein“, sagte Anna leise. Sie lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen gegen die Sonne. „Mein Mann… auf der Plattform… der hat auch seine Fantasien. Die er mit mir teilt. Auch wenn er weit weg ist. Es hält uns irgendwie verbunden.“ Sie öffnete die Augen und sah Ingrid direkt an. „Haben Sie und Torsten denn… gemeinsame Fantasien? Wünsche?“. Die Frage war so direkt und intim, dass Ingrid zunächst sprachlos war. Sie errötete leicht. „Oh, also… nein. Wirklich nicht. Unser Leben ist eher… ruhig.“
„Ruhig kann schön sein“, sagte Anna. „Aber manchmal braucht es auch ein wenig Feuer.“ Sie stand plötzlich auf. „Mir ist heiß. Ich gehe schwimmen.“ Ohne ein weiteres Wort zog sie ihr Leinenkleid über den Kopf. Darunter trug sie nichts. Ihr nackter, schlanker Körper stand für einen Moment voll in der Sonne, bevor sie mit einem eleganten Satz ins Wasser glitt.
Ingrid erstarrte. Sie starrte auf die Stelle, wo Anna verschwunden war, dann auf den Haufen Kleidung am Rand. Ihr Herz hämmerte. Das war… unerwartet. Unanständig. Und doch faszinierend. Annas Körper war makellos, jugendlich, selbstbewusst.
Anna tauchte wieder auf, schüttelte das nasse Haar aus dem Gesicht und grinste zu ihr hinüber. „Das Wasser ist perfekt! Kommen Sie doch auch rein! Sie haben doch Badesachen dabei, oder?“
Ingrid blickte auf ihre Tasche. „Ich… ja, ich habe was dabei. Aber…“
„Ich bade immer nackt“, sagte Anna einfach, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. „Es ist befreiend. Probieren Sie es doch aus.“
Eine innere Schlacht tobte in Ingrid. Scham gegen Neugier. Konvention gegen die verlockende Vorstellung von Freiheit und Kühle. Die Hitze war erdrückend. Der Pool sah so verlockend aus. Und Annas offene Art war ansteckend.
„Ach, was soll’s“, murmelte sie schließlich, mehr zu sich selbst. Mit zittrigen Fingern öffnete sie die Knöpfe ihres Kleides, ließ es zu Boden fallen. Dann, den Blick gesenkt, löste sie ihren Büstenhalter und zog ihr Höschen aus. Sie fühlte sich unendlich verletzlich, ihre bleiche Haut schien im grellen Licht zu brennen. Ohne weiter nachzudenken, eilte sie zum Poolrand und sprang hinein.  Die Kühle des Wassers war ein Schock und eine ungeheure Erleichterung zugleich. Sie tauchte unter, und für einen Moment war die Welt still und schwerelos. Als sie wieder auftauchte, schwamm Anna lässig neben ihr.  „Siehst du? Ist das nicht besser?“. Und es war besser. Die anfängliche Scham verflog im Wasser. Sie schwammen, plauderten, lachten sogar. Die Unterhaltung wurde tiefer, persönlicher. Ingrid erzählte von ihrer entfremdeten Ehe, von der sexuellen Leere, von der frustrierenden Unfähigkeit, mit Torsten über irgendetwas von Bedeutung zu reden. Anna hörte zu, nickte verständnisvoll, und erzählte von ihrer eigenen Einsamkeit, von ihrem Hunger nach mehr als nur sexueller Befriedigung, von der Sehnsucht nach Zärtlichkeit und echter Verbindung. Sie sprachen auch – vage, aber verständlich für beide – von den Dingen, die Männer wie Torsten vielleicht im Verborgenen suchten. Es war, als würde eine jahrelang aufgestaute Flut von Unzufriedenheit und unerfüllten Wünschen zwischen ihnen brechen.  Nach einer langen Zeit stiegen sie aus dem Pool, triefend nass, die Haut von der Sonne und dem Wasser erwärmt. Anna reichte Ingrid ein großes, flauschiges Handtuch. Ingrid nahm es und begann, sich abzutrocknen, während sie unbewusst Annas nackten Körper betrachtete. Das Wasser lief in kleinen Rinnsalen über ihre schmalen Hüften, die flachen Brüste mit den dunklen, harten Nippeln, den flachen Bauch. Es war ein schöner Körper, voller Leben und einer Sinnlichkeit, die Ingrid bei sich selbst längst vergraben glaubte.  Plötzlich ließ Anna ihr eigenes Handtuch fallen. Es war eine bewusste, langsame Bewegung. Sie drehte sich zu Ingrid um. Ihre Augen trafen sich. In Annas Blick lag keine Unschuld mehr, keine Freundschaft. Es lag eine glühende, unverhohlene Begierde und eine tiefe, empathische Verständnis.  Die Luft schien zu knistern. Alles, was gesagt worden war, jede Einsamkeit, jede Frustration, konzentrierte sich in diesem Blick.  „Du bist so schön“, flüsterte Anna, und die vertrauliche Anrede „du“ traf Ingrid wie ein körperlicher Schlag.  Dann geschah es. Anna trat einen Schritt vor, schlang die Arme um Ingrids noch feuchte Schultern und zog sie an sich. Ihre nackten Körper pressten sich aneinander – kühl vom Wasser, aber sofort von innen heraus erwärmt von einer aufsteigenden, unkontrollierbaren Hitze. Ingrid erstarrte für eine Sekunde, dann, als Annas Lippen sich auf ihre legten – sanft, suchend, dann fordernder –, brach etwas in ihr zusammen. Ein Damm, der Jahrzehnte gehalten hatte.
Sie küsste zurück. Zuerst schüchtern, dann mit einer Heftigkeit, die sie selbst erschreckte. Ihre Hände fuhren über Annas glatte Haut, erkundeten die Kurven, die sie eben nur aus der Ferne bewundert hatte. Es war kein zärtliches Erkunden. Es war ein gieriges In-Besitz-Nehmen, eine Befreiung.
Anna führte sie, nicht grob, aber bestimmt, ins Haus, ließ eine Spur von Wassertropfen auf den blanken Fliesen zurück. Sie gingen nicht ins Schlafzimmer, sondern sanken auf den weichen Teppich im Wohnzimmer, wo das letzte Abendlicht durch die Jalousien streifte.  Was dann folgte, war eine sexuelle Begegnung, die für Ingrid eine völlig neue Welt eröffnete. Es war kein Leistungssport wie mit Torsten in jungen Jahren, und es war keine transaktionale Schweinerei wie in Torstens geheimen Fantasien. Es war eine Mischung aus zärtlicher Neugier, leidenschaftlicher Gier und einem tiefen, empathischen Verständnis für den Körper und die Seele der anderen. Anna verwöhnte sie mit ihrem Mund, ihren Händen, lehrte sie Berührungen, die Ingrid zum Beben und schließlich zu einem orgasmischen Schrei brachten, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Und Ingrid, befreit von allen Hemmungen, erwiderte diese Zärtlichkeit mit einer überraschenden Sinnlichkeit, die in ihr geschlummert hatte.

Das Feuer, das sie an diesem Nachmittag entfachten, hielt tatsächlich die ganze Nacht an. Es war ein Feuer aus lang unterdrückter Lust, aus emotionaler Verbindung und aus einer stillen, gemeinsamen Wut auf den Mann, der sie beide auf seine Weise vernachlässigt und benutzt hatte. In den Armen von Anna fand Ingrid nicht nur sexuelle Erfüllung, sondern auch das Gefühl, gesehen und begehrt zu werden – etwas, das Torsten ihr seit Jahren nicht mehr gegeben hatte.

Währenddessen, in der dunklen, feuchten Ruine der alten Ziegelei, ließ sich Torsten von Bernd, Susanne und Ines bis an die Grenzen der Schmerz- und Lustfähigkeit treiben, im festen Glauben, hier, in dieser schmutzigen Anonymität, sei seine wahre Heimat. Er ahnte nicht, dass sich zu Hause, in seinem vermeintlich sicheren, langweiligen Leben, eine Revolution anbahnte, die alles auf den Kopf stellen würde. Anna hatte nicht nur Torstens Frau verführt. Sie hatte Ingrid einen Spiegel vorgehalten und ein Verlangen entfacht, das weit über diesen einen Nachmittag hinausreichen würde. Die Frage war nicht mehr, ob Torsten bei der Gruppe oder bei Anna besser aufgehoben war. Die Frage war, was übrig blieb, wenn die Frau, die er für selbstverständlich gehalten hatte, plötzlich ihren eigenen, brandheißen Weg der Befriedigung fand.

tja wer einem einen grube gräbt egal wie schön geschrieben. bin gespannt wie es weiter geht.

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