Jump to content
Schnaepschen

Verzeihen aber nicht vergessen

Empfohlener Beitrag

Schnaepschen
Geschrieben (bearbeitet)

Moin Gemeinde,

mir schwirrt da gerade ein Gedanke durch den Kopf:

Ich habe in meinem Leben schon ein paar Male gehört, daß mir Fehler zwar verziehen wurden, aber nicht vergessen werden können.

Im Nachhinein habe ich diese Fehler bei passender Gelegenheit immer mal wieder vorgehalten bekommen.

Nun Frage ich mich, ob sie denn dann wirklich verziehen wurden

Hat man das Recht, jemandem etwas erneut vorzuwerfen, obwohl man verziehen hat? Oder hat man dann nicht wirklich verziehen?

Wie seht ihr das?


bearbeitet von Schnaepschen
gruenerWombat
Geschrieben

Es kommt wohl drauf an, was für Fehler das sind.
Und wie sie vorgehalten bzw. erwähnt werden.

Vergessen bedeutet oft nur verdrängen.
Eine gelegentliche freundschaftliche Erwähnung kann da u.U. entkrampfen. Ist aber eine Frage des Einzelfalls.


Geschrieben

Kommt drauf an, ob ich an etwas erinnert werde, das mir verziehen wurde, ober ob dies im Nachhinein auch weiterhin als Vorwurf formuliert wird...Ich merke in solchen Situationen manchmal, dass ich mir selbst etwas noch nicht verziehen habe...dann ist es natürlich schwer zu beurteilen, wie der andere das empfindet und meint.Klingt das jetzt arg verworren?


Geschrieben

Ich versuche mal meinen Gedankengang so logisch wie möglich dazustellen, da das ein recht emotionales Thema ist, finde ich.

Man hat diese Sache im Alltag meist wirklich verziehen, ich finde nur Frau wird vorsichtiger wenn Mann mal Mist macht. Durch große Fehler die vergeben werden sinkt trotzdem die Toleranzgrenze, da man nicht nochmal verletzt werden möchte, da führt man den alten Fehler als Beispiel an. Für mich ist es einfach eine Art Selbstschutz. Also ist es schon verziehen, man wird nur vorsichtiger, weil vergessen oft viel schwerer ist!


Geschrieben

@Schnäpschen

ich finde die Frage auch etwas abstrakt. Man kann verzeihen und nicht vergessen. Das Verzeihen stellt eine Art Bonus dar. Aber das Vergehen bleibt dennoch registriert. Wenn man seinen Fehler, der verziehen wurde, später einmal erneut vorgehalten bekommt, stelle ich mir vor, muss es eine Art Wiederholung gegeben haben, was die Verzeihung gewissermaßen unwirksam werden lässt. Wie gesagt, äußerst abstrakt gedacht. Anhand einer Situation mit Hilfe eines Beispieles ließe sich besser darüber sprechen. Wenn Dein persönlicher Fall nicht zu intim ist, schildere doch mal, wie es Dir passiert ist.


Geschrieben (bearbeitet)


Nun Frage ich mich, ob sie denn dann wirklich verziehen wurden

Hat man das Recht, jemandem etwas erneut vorzuwerfen, obwohl man verziehen hat? Oder hat man dann nicht wirklich verziehen?


Kommt drauf an was du unter vorwerfen verstehst. Ist es die blose Erwähnung des Fehlers (denn viele hoffen ja darauf, einmal verziehen, nie mehr erwähnt) oder ist es das periodische Aufflammen, kombiniert mit Anschuldigungen? Wenn es das zweitere ist, ist die Verarbeitung beim Gegenüber wohl noch nicht wirklich abgeschlossen, und damit auch nicht wirklich verziehen.
Ist es das erstere, dann ist der Verarbeitungsprozess schon abgeschlossen, aber der Fehler ist ja trotzdem ein Teil der Lebensgeschichte und wird sich nicht in Luft auflösen. Dann ist das "Problem" wohl eher auf deiner Seite, da dein schlechtes Gewissen angetriggert wird und du Botschaften hörst (nicht schoooon wieder das alte Thema, hab mich doch entschuldigt...) die vielleicht gar nicht da sind.

Aber dies sind jetzt nur rein theoretische Gedanken, ohne konkrete Situation ist dies schwierig...


Und auch hier gilt: Kommunikation ist schwierg aber der Schlüssel


bearbeitet von smpaarhan
Schnaepschen
Geschrieben

im Nachhinein auch weiterhin als Vorwurf formuliert wird...



So kam es zumindest immer bei mir an!

Wenn man seinen Fehler, der verziehen wurde, später einmal erneut vorgehalten bekommt, stelle ich mir vor, muss es eine Art Wiederholung gegeben haben, was die Verzeihung gewissermaßen unwirksam werden lässt.



Es gab keine Wiederholungen der gleichen/ähnlichen Fehler. Es war meist immer nur im Zusammenhang mit anderen Streitigkeiten.


kombiniert mit Anschuldigungen?



So habe ich es aufgefasst.

Wobei ich mir denke, daß man etwas, wenn man es wirklich verziehen hat, auch nicht mehr erwähnen muss.


Geschrieben (bearbeitet)

So kam es zumindest immer bei mir an!

Wie gesagt: ich denke, wenn man sich selbst etwas noch nicht verziehen hat...das schlechte Gewissen an einem nagt, dann filtert man gewisse Aussagen auch entsprechend...


bearbeitet von Jatropha72
Geschrieben (bearbeitet)

Wenn es als Vorwurf immer wieder erwähnt wird, ist es auch nicht verziehen. Hat man aber selber Verfehlungen auf die eigene Kappe zu schreiben, und man macht das nicht. Würde ich es als erzieherisches Mittel benutzen ( den Spiegel vorhalten). So wie manche sich selbst alles verzeihen anderen aber nicht.

Ansonsten wie oben erwähnt. was man einem verziehen hat, braucht man nicht mehr erwähnen


bearbeitet von p1peter
Schnaepschen
Geschrieben (bearbeitet)

@Jathropa:

Soweit ich mich erinnern kann (liegt teilweise schon recht lange zurück), hatte ich da kein schlechtes gewissen mehr. Ich hatte mich entschuldigt und mir wurde verziehen.

Bei einer viel späteren Gelegenheit kam das Thema wieder auf den Tisch. Auf meine Frage, warum, obwohl mir doch verziehen wurde, bekam ich als Antwort "verziehen ja, aber nicht vergessen".

Und eben das irritiert mich. Warum werden solche alten Themen bei neuen Streitigkeiten wieder hervorgekramt, wenn sie wirklich verziehen wurden?

Wenn ich etwas verziehen habe, ist für mich das Thema abgehakt.


bearbeitet von Schnaepschen
Geschrieben



Wobei ich mir denke, daß man etwas, wenn man es wirklich verziehen hat, auch nicht mehr erwähnen muss.



Und dies ist der Irrtum, oder möchtest Du auch auf die Erwähnung der schönen Dinge aus der Vergangenheit verzichten???

Es gehört zur Geschichte und hat damit auch ein Recht in ihr vorzukommen. Aber immer noch sehr theoretisch, da es bei diesen Dingen ja auch auf die Zwischentöne ankommt.


Geschrieben (bearbeitet)

@ Schnaepschen

Vielleicht fühlte sich die andere Person provoziert?

@SMpaarhan

Sollte es aber nicht so sein das das Possitive eher in Erinnerung bleiben sollte als Grundhaltung einem Menschen gegenüber den man mag als das Negative. Ich denke schon.


bearbeitet von p1peter
Geschrieben

Es gab keine Wiederholungen der gleichen/ähnlichen Fehler. Es war meist immer nur im Zusammenhang mit anderen Streitigkeiten..

Infolge von Charakter- oder Hilflosigkeit kann es dann als Waffe eingesetzt worden sein, einfach, um Dich zu destabilisieren.


Geschrieben (bearbeitet)

Nö, denn wenn man den Menschen wirklich mag, kennt man auch all seine Facetten und mag ihn auch trotz seiner Fehler, oder möchtest du Fans statt Freunde??


bearbeitet von smpaarhan
Geschrieben

Aber das ist doch die Krux an der Geschichte. Du kannst doch bei aller Liebe nicht die Augen vor manchen kritischen Sachen deines Liebsten verschließen. Es ist schwer da die Balance zu wahren.


vampirchen
Geschrieben

krisen in der beziehung können alte fehler aufleben lassen.....

(gedanklich)
wenn dann noch die zwischentöne schräg rüber kommen.......und der partner sich gerade in einer unsicheren phase bewegt ist alles drin.
oder streichst du alles aus dem gedächtnis?


Geschrieben

krisen in der beziehung können alte fehler aufleben lassen.....


Stimmt- dann wird Vergangenes plötzlich wieder ganz aktuell...


Geschrieben

Vampirchen, das würde ich Dir sofort unterschreiben. Ja so ist es leider. Habe die Erfahrung am eigenen Leib gespürt. Der Mensch bekommt in solchen Momenten seine eigenen Unzulänglichkeiten zu spüren. Oder es kostet sie bei anderen aus.


Geschrieben (bearbeitet)

Und eben das irritiert mich. Warum werden solche alten Themen bei neuen Streitigkeiten wieder hervorgekramt, wenn sie wirklich verziehen wurden?



nach meinen erfahrungen was streitigkeiten mit frauen (und leider auch was mich selbst betrifft), ist es oft so, dass einem fehler vorgeworfen werden, die im alltag schon längst wieder vergssen sind, aber bei einer solchen gelegenheit hervorgekramt werden, um a) dem anderen ein schlechtes gewissen einzureden oder b) einen eigenen fehler zu rechtfertigen "mach mir keinen vorwurf, du bist doch auch nicht besser"


bearbeitet von BlueBanana
Schnaepschen
Geschrieben

können alte fehler aufleben lassen.....

...... ist alles drin.



dann wird Vergangenes plötzlich wieder ganz aktuell...



Ja so ist es leider. Der Mensch bekommt in solchen Momenten seine eigenen Unzulänglichkeiten zu spüren. Oder es kostet sie bei anderen aus.



... ist es oft so, dass einem fehler vorgeworfen werden, die im alltag schon längst wieder vergssen sind, aber bei einer solchen gelegenheit hervorgekramt werden



Das sehe ich auch so!

Aber ist es dann wirklich verziehen?


Ballou1957
Geschrieben

Das ist so eine herrlich moderierte Fragestellung, die im Grunde eine Aussage ist: "Wirkliches Verzeihen muss ein erneutes Vorhalten ausschließen!"

Vielleicht sollte man sich vergegenwärtigen, dass eine Verletzung, die einem Verzeihen vorausgeht, nicht einfach aufgehoben und vergessen werden kann. Verzeihen als Verpflichtung, künftig zu schweigen, die Erinnerung zu verdrängen, wäre also eine zusätzliche Bringschuld ausgerechnet für denjenigen der verletzt wurde.

Ich finde es immer ein wenig hilflos und naiv, wenn Beziehungen durch Postulate geregelt werden sollen: wenn eine neuerliche Verletzung die alte in Erinnerung ruft, dann kann das eben auch auf den Tisch kommen. Die schönen Theorien, dass man alte Lasten nicht mit sich tragen darf, scheitern eben daran, dass wir Menschen sind und da gilt eben: Shit happens!

Anders gefragt: Was bringt es, so etwas in Schubladen sortieren zu können - "Nicht wirklich verziehen"/"Wirklich verziehen" ?
Wenn das erneute Erwähnen ein Mittel moralischer Erpressung ist - dann ist diese das Problem und das wirkliche Thema, wenn es das Wiederaufleben einer alten Verletzung durch eine neue ist - dann wohl dieses das wirkliche Thema.
Beziehungstherapeuten wissen immer die schöne "Weisheit", dass man keine Listen anlegen darf - aber welche normale und gesunde Mensch wird es nicht registrieren, wenn er immer wieder von einem andern verletzt wird und wird aus gesundem Selbstschutz daraus seine Schlüsse ziehen ?

Ergo: sinnvoller scheint mir, daran zu arbeiten, dass diese Listen nicht zu lang werden und da spielt eine offene, emphatische Kommunikation wohl die größere Rolle als das Auf- und Zuziehen von Schubladen.


Geschrieben (bearbeitet)

@Ballou1957


Vielleicht sollte man sich vergegenwärtigen, dass eine Verletzung, die einem Verzeihen vorausgeht, nicht einfach aufgehoben und vergessen werden kann. Verzeihen als Verpflichtung, künftig zu schweigen, die Erinnerung zu verdrängen, wäre also eine zusätzliche Bringschuld ausgerechnet für denjenigen der verletzt wurde.



So ging es mir auch bzw. geht es mir noch, ich habe alte "Wunden"
und Verletzungen immer in mich reingefressen und verdrängt! und bis heute ergeht mir das so, das ich alte Sachen wieder hochkommen, wenn Meinungsverschiedenheiten und Streitereien sind! Oftmals fresse ich lieber Dinge in mich rein, als darüber zu sprechen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, das die Leute doch allzu schnellgenervt sind, wenn man sie damit konfrontiert!


Edit


und ich neige dazu mich häufiger für meine Fehler zu entschuldigen, da ich so von meinen Pflegeeltern so erzogen worden bin !


bearbeitet von Modersitzki50
Morgaine_le_Fay
Geschrieben

Was ich in letzter Zeit mitbekommen habe ist das man zwar sagt man verzeiht , je nach Grad der Verletzung die erfolgt ist , es im Endeffekt aber nicht macht .
Durch das nicht Vergessen kommt es immer wieder hoch .
Deswegen wird auf therapeutischer Ebene zum Teil ein Verzeihungsritual angesetzt , denn oft liegt das nicht verzeihen darin begründet das man sich selber auch einen Teil der Schuld gibt . Man trägt die Schuld mit und muss selber erst mal sich verziehen haben um dem anderen zu verzeihen .Demzufolge muessen auch beide Seite verzeihen . Teils alles sehr verwirrend .


samaris2603
Geschrieben



Wenn ich etwas verziehen habe, ist für mich das Thema abgehakt.


Für dich schon, aber daran kannst du erkennen wie das den anderen immer noch verletzt


Geschrieben (bearbeitet)

@Morgainexxl




denn oft liegt das nicht verzeihen darin begründet das man sich selber auch einen Teil der Schuld



genau, seit ich denken kann laufe ich mit Schuldgefühlen rum bis heute, die ich nicht verarbeitet habe, und es belastet mich schwer!


Edit

weil es mich eher hindert und qüält, als entspannt zu sein!


Edit 2

und es gibt einige Therapeuten, die einen denn noch zusätzlich Schuldgefühle einreden!


bearbeitet von Modersitzki50
×