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Altmark-Träume: Wo die Lust die Liebe fand 7/10


Th****

Empfohlener Beitrag

Der Text ist zu heiß

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7.  Parallelwelten der Lust

Während die Sommernächte über der Altmark immer kürzer und die Nächte lauer wurden, lebten Torsten und Ingrid in zwei vollkommen getrennten, parallel verlaufenden Universen der Begierde. Beide waren besessen. Beide waren auf ihre Weise süchtig. Doch die Qualität ihrer Sucht hätte unterschiedlicher nicht sein können.
In der Ziegelei: Die Mechanik des Ekels
Für Torsten wurde das verfallene Backsteingebäude am Kiesteich zu einer Art zweitem Zuhause, einem schmutzigen Spiegel seiner innersten Selbstzerstörung. Die Treffen wurden regelmäßiger, fast schon ritualisiert. Bernd, Susanne und Ines waren keine Menschen mehr für ihn, sondern Funktionsträger in seinem persönlichen Drama der Erniedrigung.
Die „Spielzeuge“, die Bernd angekündigt hatte, waren an diesem Abend da: ein Sack mit billigen Latex-Fetisch-Klamotten, klobige Handschellen aus dem Baumarkt, schmieriges Gleitgel in großen Flaschen und eine Auswahl an Gummi-Dildos in absurden Größen. Die Luft in der Ruine roch jetzt permanent nach Schweiß, Silikon, Schimmel und dem süßlichen Aroma von Billigparfüm, das Ines auftrug, um den Gestank zu übertünchen.
„Heute Abend geht’s um Ausdauer“, knurrte Bernd, während er einen der Dildos mit einem schmatzenden Geräusch in einen speziellen Gürtel schnallte. Er trug nur schmutzige Arbeitshosen, die tief auf seinen Hüften saßen. „Du wirst nehmen, was wir dir geben, und du wirst danke sagen.“
Torsten, bereits nackt und mit den Händen über Kopf an einem rostigen Haken gefesselt, der lose in der Mauer steckte, nickte gehorsam. Seine Erregung war eine reine Nervensache, ein kaltes Brennen in der Magengrube und im Schwanz. Es ging nicht mehr um Lust im sinnlichen Sinne. Es ging um die Bestätigung seiner eigenen Verdorbheit.
Susanne, in einem eng geschnürten Korsett, das ihr Fleisch quetschte, und Netzstrumpfhosen, die an den Knien schon Laufmaschen hatten, trat vor ihn. In der Hand hielt sie einen der kleineren Dildos, dick und mit einer grotesken Aderstruktur. „Der kommt zuerst in dein enges Arschloch“, sagte sie sachlich, als würde sie ein Rezept vorlesen. „Damit du schön gedehnt bist für den Großen.“. Sie schmierte ihn großzügig mit Gleitgel ein, das kalt und klebrig auf Torstens Haut war. Dann, ohne weitere Vorbereitung, drückte sie die Gummispitze gegen seinen Anus. Der Widerstand, dann das langsame, unnatürliche Nachgeben, der brennende Schmerz der Dehnung – Torsten stieß einen keuchenden Laut aus. Es war kein Stöhnen der Lust, sondern das Geräusch von Luft, die einem Körper gewaltsam entweicht.
„Siehst du, wie er’s mag“, lachte Bernd hohl und filmte die Szene mit seinem Handy. Das bläuliche Licht des Displays beleuchtete sein grinsendes Gesicht von unten. „Total versaut, der alte Sack.“
Ines beobachtete von der Seite. Sie trug heute High Heels, die auf dem unebenen Boden unsicher wackelten, und einen durchsichtigen Negligé über ihrem nackten Körper. Ihr Make-up war perfekt, aber ihre Augen waren ausdruckslos, fast gelangweilt. Sie war zur Statistenrolle verdammt in diesem groben Theaterstück. „Kann er nicht wenigstens den Mund aufmachen?“, fragte sie mit müder Stimme. „Ich hab’ keinen Bock, mich den ganzen Abend zu langweilen.“
Susanne zog den Dildos raus und schob ihn sofort wieder heftiger hinein. „Mach den Mund auf, Fotze! Ines will was zum Lutschen haben!“
Gehorsam öffnete Torsten den Mund. Ines trat näher, ihr durchsichtiger Stoff raschelte. Sie nahm seinen erschlafften Penis in den Mund, aber ohne Leidenschaft, nur als eine weitere mechanische Aufgabe. Der Kontrast war absurd: der brutale, schmerzhafte Stoß von hinten, die gleichgültige, feuchte Wärme von vorne. Torstens Geist spaltete sich. Ein Teil von ihm erlebte den reinen, unverfälschten Schmerz und die Demütigung. Ein anderer Teil beobachtete sich selbst dabei und fand es unerträglich geil, so zerstört zu werden. Es war eine Lust, die sich aus der vollständigen Absenz von Zärtlichkeit oder Verbindung speiste. Hier gab es nur Funktion: eindringen, demütigen, benutzen.  Später, als er auf allen vieren den größeren Dildos von Bernd nehmen musste, während Susanne ihm mit einer billigen Lederpeitsche über den Rücken schlug und Ines ihm befahl, den Boden zu lecken, wo vorher ihr Sperma gelandet war, erreichte er einen trockenen, krampfhaften Orgasmus, der mehr einem Zusammenbruch glich. Er lag zitternd im Staub, sein Körper war eine Landkarte aus roten Striemen, Gleitgel und Schmutz.
„So ist’s gut“, sagte Bernd und trat ihn sanft mit dem Stiefelabsatz in die Seite. „Bis nächste Woche. Gleiche Zeit, gleicher Ort. Vielleicht bringen wir dann noch jemanden mit.“
Torsten nickte, zu erschöpft, um zu sprechen. In der Stille, die aufbrach, als die drei sich anzogen und gingen, blieb nur das Summen der Mücken über dem Teich und das hämmernde Geräusch seines eigenen Herzens in seinen Ohren. Er war leer. Ausgebeutet. Und er konnte es kaum erwarten, wiederzukommen.


Im Reihenhaus: Die Alchemie der Zärtlichkeit
Während Torstens Körper in der Ziegelei abgestumpft und benutzt wurde, erlebte Ingrids Körper in Annas Reihenhaus eine Wiedergeburt. Was als ein explosiver, einmaliger Ausbruch begonnen hatte, war zu einem regelmäßigen, intensiven Ritual geworden. Aus dem „Kaffeekränzchen“ war ein geheimes Liebesnest geworden.
Ingrid taute nicht nur auf – sie schmolz dahin. Die devote, unscheinbare Hausfrau, die jahrzehntelang in grauen Cardigans und praktischen Hosen durch ihr Leben gewandert war, entdeckte einen neuen Körper und eine neue Stimme. Bei Anna liefen sie meist nackt herum, nicht mit der exhibitionistischen Absicht der Gruppe in der Ziegelei, sondern mit einer natürlichen, sinnlichen Ungezwungenheit. Die Scham war verflogen, ersetzt durch ein tiefes Gefühl der Freiheit und des Angenommenseins.
Ihre Treffen hatten eine eigene, langsame Dramaturgie. Sie begannen oft damit, dass Anna Ingrid massierte, mit duftenden Ölen, die sie auf dem persischen Teppich im Wohnzimmer verteilte. Ihre Hände, die im Supermarkt Kisten schoben, waren an Ingrids Haut unglaublich sanft und einfühlsam. Sie sprachen dabei. Über alles. Über Torstens merkwürdiges Verhalten, über Ingrids Angst, alt und unattraktiv zu werden, über Annas Sehnsucht nach einem Leben, das mehr war als Warten.
„Du bist so wunderschön“, flüsterte Anna dann oft, ihre Lippen nahe an Ingrids Ohr, während ihre Hände über Ingrids Hüften glitten. „Deine Haut… sie fühlt sich an wie Seide. Ich könnte dich den ganzen Tag anfassen.“
Und Ingrid, die ein Leben lang kaum Komplimente gehört hatte, sog diese Worte auf wie eine Verdurstende. Sie begann, sie zu erwidern. Zuerst schüchtern („Deine Haare riechen so gut…“), dann immer direkter („Ich liebe es, wie deine Brüste sich in meinen Händen anfühlen…“).
Ihre Liebesspiele waren keine schnellen, funktionalen Akte. Sie waren ausgedehnte Erkundungen. Stundenlang konnten sie sich küssen, streicheln, kosteten den Geschmack und die Textur des anderen aus. Anna führte Ingrid mit einer geduldigen, liebevollen Dominanz in neue Gefilde. Sie lehrte sie, wie man Lust nicht nur nimmt, sondern sie gezielt gibt und steigert.  Eines Nachmittags, als sie auf dem großen Bett lagen, das Licht der untergehenden Sonne tauchte den Raum in warmes Gold, geschah etwas Neues. Anna hatte sich zwischen Ingrids Beine geschoben, ihre Zunge liebevoll in Ingrids feuchter Vulva vergraben, sie mit langsamen, kreisenden Bewegungen zum ersten, zitternden Höhepunkt gebracht. Als Ingrids Atem sich langsam wieder beruhigte, blieb Annas Mund dort. Aber ihre Zunge wanderte, fast unmerklich, nach hinten. Ein sanfter, feuchter Druck an einem noch viel intimeren, tabubesetzteren Ort.
Ingrid zuckte zusammen. Ein Schauer, der nicht nur aus Überraschung, sondern auch aus einer tiefen, instinktiven Scham bestand, lief durch sie hindurch. „Anna… was…?“
Anna hob den Kopf. Ihr Kinn glänzte feucht. Ihre Augen waren dunkel vor Zärtlichkeit und Lust. „Shhh“, machte sie. „Entspann dich. Ich möchte dich hier auch verwöhnen. Alles an dir. Es gehört alles mir. Und es ist alles wunderschön.“. Sie beugte sich wieder hinab. Ihre Zunge war jetzt nicht fordernd, sondern unendlich sanft, neugierig, liebkosend. Sie umkreiste den kleinen, nervösen Muskelring, leckte ihn mit winzigen Strichen, bis die anfängliche Anspannung in Ingrid nachließ und sich in ein völlig neues, unbekanntes Gefühl verwandelte. Es war nicht der schmerzhafte, invasive Druck, von dem Torsten in seinen dunkelsten Fantasien träumte. Es war eine zärtliche Penetration, eine Erkundung, die Ingrids ganze Wahrnehmung von Intimität auf den Kopf stellte. Es war intim, es war schamlos, und es war unglaublich erregend.
„Oh mein Gott… Anna…“, stöhnte Ingrid und grub ihre Hände in Annas Haar. Es war kein Stöhnen des Schmerzes oder der mechanischen Lust wie bei Torsten. Es war ein Laut purer, überwältigender Sinneserfahrung und emotionaler Hingabe.  Anna murmelte etwas, ihre Stimme gedämpft von Ingrids Haut. „Ja, so ist’s recht… lass mich… lass mich alles von dir haben… meine süße Ingrid…“. Die verbale Begleitung war ein wesentlicher Teil ihres Spiels geworden. Anna sprach ihr währenddessen zu, lobte sie, forderte sie auf, loszulassen. Und Ingrid begann, diese Sprache zu übernehmen. Sie flüsterte Annas Namen wie ein Gebet, bettelte um mehr, beschrieb, was sie fühlte. Es war ein Dialog der Körper und der Seelen, der in der schmutzigen Stille der Ziegelei undenkbar gewesen wäre.
Als Ingrid an diesem Abend einen zweiten, noch intensiveren Orgasmus erlebte, diesmal ausgelöst durch die kombinierte Stimulation an beiden Stellen, weinte sie. Es waren Tränen der Befreiung, der überwältigenden Freude und einer tiefen, bittersüßen Trauer über all die Jahre, die sie ohne diese Art von Berührung gelebt hatte.
Später, eng aneinandergeschmiegt im Bett, sagte Anna leise: „Weißt du, was das Schlimmste ist? Dass ich Torsten das beigebracht habe. Diese Berührung. Aber für ihn war es nur ein weiterer dreckiger Trick. Eine Möglichkeit, sich zu erniedrigen. Er hat nie verstanden, dass es… dass es so sein kann.“ Sie strich Ingrid über die Wange. „Bei dir… bei dir verstehe ich es. Bei dir ist es Liebe.“
Das Wort hing in der Luft. Liebe. Ingrid wagte nicht, es auszusprechen. Aber sie spürte es. In jeder Berührung, in jedem Blick, in der Art, wie Anna sie zum Lachen brachte, wie sie für sie kochte, wie sie sie einfach nur hielt. Es war eine Liebe, die aus der Asche von Frustration und Einsamkeit geboren war, aber sie war real und sie war mächtig.
Während Torsten in der Ziegelei nach noch extremeren Wegen suchte, um zu fühlen, entdeckte Ingrid bei Anna, dass das intensivste Gefühl nicht aus Schmerz und Demütigung kam, sondern aus einer schamlos zärtlichen Hingabe. Zwei Parallelwelten. Zwei Suchten. Und die Kluft zwischen ihnen wurde mit jedem Tag tiefer und unüberbrückbarer. Die Frage war nicht mehr, ob eine davon besser war. Die Frage war, welche von ihnen am Ende übrig bleiben würde, wenn die Geheimnisse ans Licht kamen.

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