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Altmark-Träume: Wo die Lust die Liebe fand 4/10


Th****

Empfohlener Beitrag

Der Text ist zu heiß

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4. Die andere Seite der Medaille

Der Sommer hatte seine Schwüle mitgebracht, und mit ihr eine neue, komplizierte Schicht in Torstens verborgenem Leben. Es gab nicht nur die dunkle, kollektive Ekstase mit Bernd, Susanne und Ines. Es gab auch Anna.
Anna 40 Jahre jung, war ein Gesicht aus dem Alltag, vertraut und doch fremd. Tagsüber sah man sie im örtlichen Supermarkt, wo sie mit ruhiger Effizienz Regale einräumte, Milchtüten stapelte und Konserven sortierte. Sie trug dann eine schlichte, blaue Schürze über ihrer Alltagskleidung, ihr dunkles Haar zu einem praktischen Pferdeschwanz gebunden. Sie lächelte höflich zu den Kunden, sprach leise mit Kollegen und wirkte wie das Sinnbild einer bescheidenen, fleißigen Frau. Ihr Mann arbeitete auf einer Ölplattform vor der norwegischen Küste, monatelang weg, und ließ sie in dem kleinen Reihenhaus am Ortsrand zurück – einsam, aber mit einer makellosen Fassade.  Torsten hatte sie nicht im Portal kennengelernt. Es war zufälliger, gefährlicher gewesen. Ein Blick, der bei der Kasse zu lange gehalten hatte. Eine Bemerkung über die Hitze, die nicht ganz unschuldig klang. Eine ausgelassene Flasche Olivenöl, die sie ihm nachtrug, als er schon im Auto saß. Es hatte keinen Chat gebraucht, nur diese angespannte Stille zwischen zwei Menschen, die im selben goldenen Käfig aus ländlicher Konvention saßen und heimlich an den Gittern sägten.  Annas Hunger war anders als der von Bernd und Susanne. Er war nicht laut, kollektiv und obszön. Er war tief, konzentriert und von einer fast brutalen Direktheit, wenn die Türen geschlossen waren. Sie hatte Torstens damals geheimsten Wunsch erfüllt: die strenge Erziehung. In ihrem blitzblank geputzten, nach Zitronenreiniger duftenden Reihenhaus hatte sie die Kontrolle übernommen. Sie hatte ihn angewiesen, sich auszuziehen, zu knien, zu warten. Sie hatte ihm ihre schlanken, aber unerwartet kräftigen Hände gezeigt und gesagt: „Heute lernst du, was es heißt, mir zu gehören.“
Und dann hatte sie ihn in eine Welt geführt, die selbst seine kühnsten Fantasien übertraf. Sie hatte ihm befohlen, ihren Urin zu trinken – diesen primitiven Akt der Unterwerfung, den Natursekt, nach dem er sich in seinen einsamsten Momenten gesehnt hatte. Er hatte gekniet, den Kopf in den Nacken gelegt, den Augen geschlossen, und den warmen, salzigen, leicht bitteren Strahl in seinen offenen Mund fließen lassen. Es war erniedrigend, ekelerregend und aufregend zugleich es hatte ihn so hart gemacht wie noch nie zuvor. Danach, während er noch mit dem Geschmack kämpfte, hatte sie ihn mit Gleitgel übergossen und ihn mit ihren Fingern genommen, erst einen, dann zwei, dann drei, bis ihre ganze Hand in ihm verschwand, ein Gefühl der totalen Füllung und Ausgeliefertheit, das an die Grenze des Erträglichen ging. Sie hatte ihn dabei angesehen, mit einem Ausdruck konzentrierter Intensität, als würde sie eine Maschine reparieren oder ein besonders schwieriges Regal einräumen. Kein Lächeln. Kein schmutziges Geflüster. Nur Handlungen und kurze, präzise Anweisungen: „Entspann dich.“ „Atme aus.“ „Nimm es.“. Diese Begegnungen hatten etwas Monolithisches, Einsames. Es war nur er und sie und die erdrückende Stille ihres perfekten Heims, durchbrochen nur von seinem unterdrückten Stöhnen und dem feuchten Schmatzen ihrer Hand in ihm. Es war die Erfüllung seiner dunkelsten, spezifischsten Fantasien, aber sie kam ohne das rauschhafte, gemeinsame Treiben der Gruppe aus. Anna verwöhnte ihn nicht. Sie exekutierte seine Wünsche mit der Präzision einer Chirurgin.  Doch jetzt, in diesem heißen Sommer, hatte sich etwas verschoben. Nachdem sie ihn gefistet hatte, nachdem er auf allen vieren vor ihr gekniet und ihre Blase geleert hatte, blieb sie nicht mehr distanziert. Sie legte sich neben ihn auf das makellose Bettlaken, strich mit einer seltsam zarten Geste über seinen schweißnassen Rücken. „Das war gut“, sagte sie nicht fordernd, sondern fast nachdenklich. Ein paar Wochen später, nach einer ähnlichen Session, kochte sie ihm einen Tee. Sie setzte sich zu ihm an den Küchentisch, in ihrem Hausmantel, und fragte ihn nach seiner Arbeit, nach Ingrid (mit einem flackernden Blick, der Neid und Mitleid zeigte), nach seinen Hobbys. Sie erzählte von der Einsamkeit, wenn das Meer draußen tobt und das Haus so still ist. Sie sprach von Sehnsucht – nicht nach Sex, sondern nach Berührung. Nach jemandem, der morgens neben ihr aufwacht. Nach einem Lachen in der Küche. Nach Liebe.  Torsten erstarrte innerlich. Liebe? Zärtlichkeit? Das war nicht Teil des Deals. Das war nicht das, was er suchte. Er suchte den tabubrechenden Akt, die ekstatische Befreiung von sich selbst in Schweinerei und Schmerz, den Nervenkitzel des absolut Verbotenen. Die emotionale Verstrickung, die Intimität des Alltags – das war Ingrids Territorium, ein Land der Langeweile und Pflicht. Das wollte er hier nicht. Hier, bei Anna, wollte er der sein, der benutzt wurde, der seine dunkelsten Geheimnisse ablegen konnte wie schmutzige Wäsche. Nicht der, der Trost spendete oder ein neues Leben aufbaute.
Er begann, ihre Nachrichten zu meiden. Ihre SMS („Hast du heute Zeit?“) beantwortete er mit Ausflüchten oder gar nicht. Wenn sie ihn im Supermarkt sah, war ihr Blick ein Fragezeichen, verletzt und fordernd zugleich. Die Gefahr wuchs. Sie lebten im selben winzigen Ort. Eine unbedachte Bemerkung von ihr, ein Tränenausbruch an der falschen Stelle, und alles könnte auffliegen. Die strengen, sexuellen Sessions, die ihn so erregt hatten, bekamen einen bitteren Beigeschmack der Verpflichtung. Anna verwandelte sich von der Erfüllerin seiner Fantasien in eine Bedrohung seiner geheimen Doppelexistenz.  Und so wandten sich seine Gedanken immer öfter zur anderen Gruppe. Zu Bernd, Susanne und Ines. Das Treffen in der Ziegelei hatte ihn zutiefst verstört und gleichermaßen süchtig gemacht. Es war roh, kollektiv, anonym in seiner Gemeinschaft. Niemand verlangte dort Liebe. Niemand brachte Tee oder fragte nach seinem Tag. Es ging um den augenblicklichen, schmutzigen aber besonderen geilen Rausch. Um die gegenseBenutzung im reinsten Sinne des Wortes.
Aber war er dort wirklich besser aufgehoben? Oder wurde er auch dort nur benutzt – einfach auf eine andere, ehrlichere Art?
Die Frage brannte in ihm, während er an einem weiteren stickigen Abend in seinem Wohnzimmer saß. Ingrid schnarchte leise auf der Couch vor der Quizshow. Auf seinem versteckten Handy blinkte eine Nachricht von Bernd.
„Freitag. Unser Platz. Ines hat eine Idee. Kommst du?“
Gleichzeitig lag eine unbeantwortete Nachricht von Anna darunter, drei Tage alt: „Torsten, wir müssen reden. Es geht nicht mehr nur um das andere. Ich brauche… mehr.“. Er starrte auf die beiden Nachrichten. Zwei Welten. Zwei Arten von Benutzung.
 

hey, ja das kommt vor in solchen "spielen". aber sehr schön, spannend geschrieben. wie gehts weiter?? ÜBRIGENS wo ist teil 3

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