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Celina_Terrell

Sex & Crime – Heiße Affären in Las Vegas [FSK 18!]

Empfohlener Beitrag

stetsheiss
Geschrieben

👍😘 schön

Oelberger
Geschrieben

Toll geschrieben , gespannt auf die Fortstzung

  • Gefällt mir 1
gun81t
Geschrieben

Echt klasse geschrieben!

Steckspiel60
Geschrieben

absolut toll geschrieben!

Geschrieben

echt klasse geschrieben, bitte weiter so.richtig anregend............................

Geschrieben

klasse anfang ,hoffe es geht weiter so

sexyhans1
Geschrieben

Sehr Realistisch geschrieben ,hoffe es geht schnell so weiter.

Ole44
Geschrieben

sehr toll geschrieben, bin schon auf die Fortsetzung gespannt

BiHammer4X
Geschrieben

eine sehr tolle und sehr geile Geschichte und wirklich gut geschrieben !!! Da würde ich sehr gern mehr von lesen !!!

SpendEr42
Geschrieben

Nicht schlecht. Mehr davon.

  • Gefällt mir 1
Geschrieben

Hallo zusammen! Zeit für den dritten Teil :)

*****

Forsch ließ die vollbusige jung Frau ihre Zunge über seine Lippen wanderte und suchte sich einen Weg hinein in seinen Mund. Einander in den Armen haltend vertieften die beiden ihren innigen Kuss und leidenschaftlich massierten sich ihre weichen Zungen gegenseitig immer schneller und wilder in einer unersättlichen Gier auf den jeweils anderen.

„Na komm, leg dich hin…“, bat die schwarzhaarige Unbekannte und zog ihren Freund mit sich und gewährte ihm noch die Zeit, sich zumindest ebenfalls seiner Kleidung zu entledigen. Beinahe schon gehorsam legte er sich auf den Rücken und sah zu, wie das rassige Vollblutweib über ihn stieg und über seinem Kopf niederkniete.

„Mach mir die Freude…ja?“, bat sie grinsend ließ sich nieder, bis sie den heißen Kuss seiner weichen Lippen auf ihren feucht glänzenden Schamlippen spürte. Der blonde Unbekannte fügte sich ihr ergriff mit seinen Händen ihren prachtvollen Po und erkundete mit seiner Zunge ihre süßen und wohlschmeckenden weiblichen Gefilde indem er immer wieder abwechselnd den Nektar aus ihrer Spalte kostete und ihren Kitzler massierte. Für seine heißblütige Liebesgespielin war dies offenbar so lustvoll, dass sie sich noch weiter fallen ließ und ihr Becken in sein Gesicht drückte um sich mit kreisenden Bewegungen über ihm zu bewegen. Sie liebte es abgöttisch, ihn so zu dominieren und wie er sie gehorsam ausleckte. Schon lange wusste er, wie verzweifelt und sehnsüchtig er es liebte ihren Nektar zu kosten, wenn die Lust ihn packte und sie hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, ihm diese Erfüllung seiner Gelüste nur noch nach getaner Arbeit zu erfüllen. Fest drückte sie ihre Oberschenkel zusammen und versiegelte mit ihrer immer feuchter werdenden Muschi seinen gierigen Mund. Sie genoss diesen heißen und innigen Kuss seiner Lippen zwischen ihren Beinen und stöhnte leise auf während sie sich über ihre nackten Brüste fuhr. Sie wusste genau, dass ihr Liebhaber in diesem Augenblick keine Luft mehr bekam so eng hatte sie sich an ihn gepresst, doch genau das machte es nur noch lustvoller für sie. Lieben, Lust und Leiden konnten so eng miteinander verwoben und verkettet sein dachte sie grinsend während sie ihren Spielgefährtin noch ein wenig zappeln ließ, ehe sie ihn endlich aus der Umarmung ihrer Beine entließ. Leise aber tief holte der Blonde Luft.

„Irgendwann bringst du mich noch um, aber ich denke mal, dann es sich wenigstens gelohnt“, lachte er. Die vollbusige Französin lachte auf.

„Jeder bekommt was er verdient“, erwiderte sie nur und legte sich nun ihrerseits auf den Rücken und winkte ihn zu. „Komm schon“, bat sie und streckte ihre Beine weit nach oben auseinander. Sogleich legte sich ihr Begleiter über sie nieder und legte ihre Beine über seine Schultern. Endlich ließ er sein vor Sehnsucht und Verlangen zum Bersten steifen Schwanz in ihre weichen Gefilde eintauchen während er seinen Kopf zwischen ihre prallen Brüste legte, die bei dem jetzt einsetzenden Takt lustvoll hin- und her wippten. Als ob er eine unbeschreiblich befreiende Erlösung verspürte, stöhnte der Blonde lustvoll auf ließ sein hartes Glied in ihrer nassen Lustspalte langsam hin- und hergleiten wobei er seine Männlichkeit bei jedem Stoß bis zum Anschlag in ihr versengte.

„Du bist einfach das beste was mir je passiert ist…“, hauchte er leise mit einem Grinsen und drückte seine Lippen auf ihre. Seine Bettgefährtin erwiderte den Kuss und zog seinen Kopf zu sich. Sie fuhr ihm leidenschaftlich durch seine Haare während sich ihre Zungen erneut miteinander duellierten und einander verwöhnten während nun auch sie immer mehr dem lustvollen Treiben und dem Genuss verfiel, wie seine harte, pralle Männlichkeit ihren Körper verwöhnte. Immer wieder stöhnte sie lustvoll auf und sie genoss es, wie sich ihre prallen Brüste und ihre aufragenden Nippel an seinem kräftigen Oberkörper rieben während er sie vögelte. Den gemeinsamen Takt genießend ließ sie sich von ihm verwöhnen und erfreute sich, an seiner deutlich sichtbaren und hörbaren Lust, sich an ihrem sündigen, makellosen und beinahe perfekten Körper vergehen zu können. Sie schloss genießerisch die Augen und fuhr ihm weiter durch die Haare, nachdem sich ihre Lippen gelöst hatten und er gierig an ihren Brustwarzen leckte und an ihren Nippeln saugte während seine Hände weiter ihr Gebirge erkundeten.

„Da komm schon, ich will mehr…“, hauchte die schwarzhaarige Schönheit schließlich und ließ sogleich ihren Liebhaber für einen Stellungswechsel absteigen. Dann hockte sich sogleich auf alle blickte erwartungsvoll zu ihrem Liebhaber herüber während ihr einige ihrer langen, schwarzen Haarsträhnen zerzaust im Gesicht hingen.

„Na komm schon, lass mich deinen dicken Schwanz mir spüren, du weißt wonach ich mich sehne...", hauchte sie. Der Blonde wusste, worauf sie anspielte. Es gab kaum etwas was seine vollbusige Freundin noch mehr anmachte als wenn sie schnell und hart von hinten bestiegen wurde und auf dem Höhepunkt der Lust der heiße Samen ungebremst in ihren gierigen Körper spritzte. Der Blonde grinse nur verwegen und kniete sich hinter ihr aufs Bett.

„Als könnte ich dir je einen Wunsch abschlagen!“, erwiderte er. Dann schob er langsam seinen Schwanz zwischen ihre feuchten Schamlippen tief in sie rein, bis er fast zum Anschlag in ihr versank.

„Oh ja…“, stöhnte seine Liebhaberin genussvoll auf, als die lustvolle Erregung verspürte, wie sein harter Schwanz in einem solch steilen Winkel in ihrem Körper versank. „Los, jetzt mach schon!“, forderte sie ihn auf. Der Blonde packte ihre Pobacken und erst erneut langsam in ihr zu bewegen. Dann aber begann er endlich, immer wilder zuzustoßen. Jedes Mal holte er aus und drückte die vollbusige Schönheit ein wenig von sich, ehe er mit seinem Becken nach vorne stieß und ihren knackigen Arsch wieder an sich heranzog, so dass seine Eier laut gegen ihre nasse Spalte klatschten.

„Das ist geil, mehr davon!“, forderte seine Liebhaberin laut und stöhnte heftiger. Sie holte tief Luft, ihr Freund vermittelte ihr immer wieder ein unglaubliches Gefühl beim Sex, er verstand sein Handwerk einfach und vögelte sie mit gekonnten Stößen. Jedes Mal wenn seine Eier gegen ihre Spalte klatschten, verspürte sie den Lustschub dieses herrlichen Gefühls, hart genommen zu werden. Der blonde Kerl spürte, wie seine sonst so dominante Liebhaberin immer hingebungsvoller und lasziver wurde.

„Härter du notgeiler Hengst…“, stöhnte sie auf. „Mach mich richtig schön fertig“, verlangte seine lustvoll keuchende Liebhaberin immer devoter werdend. Ihre pure Sexsucht gab ihm immer wieder einen unvergleichlichen Kick. Er hämmerte mit seinem Schwanz noch härter in lustvoll zuckende Muschi und schließlich presste er sich mit immer mehr seines Körpergewichts gegen ihre knackigen Arsch, so dass die Französin schließlich kapitulieren musste und sich ganz auf dem Bett fallen ließ. Während sie auf dem Bauch lag, kniete ihr blonder Liebhaber weiter über ihr und drückte sein Becken tief gegen ihren inzwischen schweißnassen Po um seinen harten Prügel abermals so tief wie möglich in ihrer Lustspalte zu versenken, was die Schwarzhaarige mit einem lauten Aufstöhnen quittierte. Ihr Liebhaber über ihr ergriff sogleich ihre Arme und zog sie zu hinten nach sich. Unfähig sich noch selber abzustützen, lag sie mit ihrem Kopf und ihren Brüsten vergraben in Decke und Kissen, während der Blonde ihre Handgelenke hart umklammert hielt und die Französin wie ein Pferd an den Zügeln packte und sie mit jedem Stoß zu sich riss. Leidenschaftlich und vor Anstrengung stöhnend ritt er immer wieder über sie rüber und presste mit jedem Stoß seinen Schwanz tief in ihre vor Lust überlaufende Liebesspalte. Jeder Stoß brachte sie ihrem anschwellenden, näherkommenden Orgasmus immer näher und die Intensität der Stöße raubten ihr immer mehr die Sinne, so dass ihr fast schwarz vor Augen wurde. Lustvoll stöhnte sie auf und atmete tief ein und aus und genoss das Spiel. „Na endlich hast du es verstanden, los, weiter, härter…“, stöhnte sie schon fast hysterisch und genoss wie sie ihm schutzlos ausgeliefert war und wie ihre Handgelenke so fest gepackt wurden, dass es schmerzte. Ihr Liebhaber atmete tief ein und aus, der hemmungslose Akt voller Leidenschaft und Gier nach purem, wildem Sex wurde immer mehr zum Kraftsport. Er presste ihre Handgelenke auf ihren Pobacken nieder, stemmte sich nach vorne und hämmerte die hilflos unter ihm liegende Femme fatale mit schnellen, harten Stößen. Deutlich spürte er, wie das Kribbeln und Glühen in seiner Eichel ihm verriet, dass er kaum noch länger aushalten würde.

„Gleich kommt deine Belohnung!“, stöhnte er. Nahezu in genau dem Augenblick, als die schwarzhaarige Schönheit spürte, wie ein heftiger Orgasmus ihren Körper erfasste, ließ sich ihr Liebhaber ganz über ihrem Körper fallen, schob seinen harten Prügel abermals tief in sie hinein und spritze genussvoll in ihre ohnehin schon fast vor Liebesnektar überlaufende Muschi. Das sexsüchtige, heiße Luder unter ihm schrie lustvoll auf als sie spürte, wie ihr gesamter Körper vor Lust geradezu zerrissen wurde und wie der harte, prachtvolle Schwanz in ihr geradezu endlose Schüben seines heißen Safts in sie hineinpumpte. Der Blonde packte seine Liebhaberin in ihrem Nacken und vögelte sie mit unverminderter Kraft immer länger durch, solange ihr Orgasmus noch andauerte und bis sich seine Männlichkeit vollends tief in ihrem Körper ergossen hatte. Erst danach rollte er sich kraftlos und um Atem kämpfend von ihrem Körper herunter. Die junge Französin drehte sich langsam um und sie blickte den blitzenden Sterne und Streifen entgegen, die vor ihren Augen schimmerten. Sie schaute tief atmend mit einem leeren Blick nach oben. Schweißverklebte Haarsträhnen klebten überall in ihrem Gesicht und sie spürte das heftige und intensive Pochen ihrer geröteten Schamlippen zwischen denen sich ein wollüstiges Gemisch seines Samens und ihres Nektars ergoss.

„Das war so, wie ich es von dir erwarte…“, keuchte sie atemlos.

„Gern geschehen!“, lachte der Blonde neben ihr trocken auf.

„Weißt du, während wir es getan haben, musste ich an unsere junge Madame denken. Ich frage mich, wie leicht sie sich wohl verführen lassen wird“, grinste sie.

„Wenn du sowas sagst, hast du nicht daran gedacht, wie leicht sie zu verführen ist, sondern du hast daran gedacht mit ihr zu ficken…“, lachte ihr Liebhaber auf. Die vollbusige Französin grinste nur und streichelte sich über ihre Brüste.

„Wenn alles gut klappt, ficken wir zwei jedenfalls bald irgendwo unter der Sonne am Strand…“, flüsterte sie. „Aber dafür müssen wir erstmal unsere Kleine bald kennen lernen…“, fügte sie hinzu.

„Du wirst auf ihrem Flug von Deutschland nach Las Vegas neben ihr sitzen können, ich leite dafür alles in die Wege“, versprach ihr blonder Liebhaber mit langsam ruhiger werdender Atmung. Kurz darauf schlief er erschöpft ein und auch die junge Französin zog sich eine Decke über ihren sündigen Körper. Sie würde morgen noch genug darüber nachdenken können, wie sie ihre Zielperson dazu brachte, sich von ihrem Garn einspinnen zu lassen…

 

Fast drei weitere Wochen waren wie im Flug vergangen, in denen Natalie tagein und tagaus an ihrer Software weiterarbeitete. Mit jedem weiteren Tag der verging, tickte die Uhr immer mehr gegen sie während Stress und Verzweiflung immer weiter zunahmen. In der letzten Woche nahm die restliche Arbeit geradezu überhand. Obschon sie Sven, Alexander und zwei weitere Kollegen zugeteilt bekommen hatte, erschein es Natalie, als ob für jedes erledigte Problem sich weiter zwei neue Baustellen auftaten. Das letzte Wochenende hatte  sie durchgearbeitet ebenso wie das davor und sie kam kaum noch vor Mitternacht nach Hause. Eine Entwicklung, die sich auch durch ihren körperlichen Zerfall zeigte. Müde, mit tiefen, dunklen Augenrändern, saß sie so wie fast jeden Morgen noch halb schlafend am Küchentisch. Ihr Mann, Thorsten, blickte sie besorgt an.

„Ist absehbar, ob das bald endlich ein Ende finden wird?“, fragte er blickte seiner Frau besorgt ins Gesicht. Ihre Haut war hell, geradezu fahl und wirkte um Jahre gealtert im Vergleich zu Natalies sonstigem Erscheinungsbild.

„Keine Ahnung…“, murmelte Natalie und goss sich Kaffee aus der Kanne in ihre Tasse. Sie war so unaufmerksam, dass die Tasse randvoll wurde und um Haaresbreite überlief. „Mein Flug nach Las Vegas geht morgen, wir müssen den Prototypen eigentlich heute fertig stellen, aber ich vermute, ich brauche noch etwas Zeit am Wochenende. Wir sind fast fertig, wir haben einen ganzen Katalog an Problemen in den letzten Wochen erledigt, aber da sind noch zwei große Themen, die mir Kopfschmerzen bereiten. Ich weiß noch nicht mal, wie ich genau das Problem beschreiben soll…“

„Brauchst du nicht“, hakte ihr Ehemann lächelnd ein. „Vergiss nicht, ich bin kein Informatiker. Ich würde es sowieso nicht verstehen“, lachte er leise. Dann wurde sein Gesichtsausdruck wieder ernster. „Aber Spaß bei Seite Natalie, das muss wirklich aufhören. Du kannst nicht dauerhaft für einen Hungerlohn solche alptraumhaften Arbeitszeiten schieben und dich kaputt machen!“, mahnte ihr Mann. „Wo soll das noch hinführen? Dein Chef kassiert später die ganze Kohle für deine Arbeit ein und du machst dich dafür noch völlig kaputt?“, fragte er. „Noch dafür haben wir überhaupt kein eigenes Leben mehr. Ich sehe dich einmal kurz morgens als ein völliges Wrack am Ende deiner Kräfte, danach sehe ich dich erst am nächsten Morgen wieder. Wir machen gar nichts mehr gemeinsam, ich sitze hier abends alleine herum und bin gar nicht mehr wach wenn du heimkommst. Ich erlebe es ja noch nicht mal mehr, dass wir überhaupt etwas Zeit für uns haben“, ließ er seinem Frust freien Lauf.

„Das letzte Mal wolltest du nicht…“, erinnerte Natalie ihn, wohlwissend dass ihr Mann auf das de fakto nicht mehr existente Sexleben zwischen den beiden anspielte. Sie verstummte selbst kurz und dachte nach, wann dieses „letzte Mal“ eigentlich war. „Mein Gott, ist das echt schon fast drei Wochen her?“, fragte sie und begriff nur langsam, dass die letzten Wochen wie im Flug vergangen waren ohne dass sie noch etwas von ihrem Leben mitbekommen hatte.

„Ja, vor drei Wochen war das. Das war mir zu spontan so früh morgens. Aber hätte ich gewusst, dass sich an eine Pause von über eine Woche ganze drei weitere Wochen anschließen würden, hätte ich es besser mal getan“, murrte er.

„Lass uns diese Sache noch in Las Vegas hinter uns bringen, dann wird alles besser werden. Das verspreche ich dir“, sicherte sie ihrem Mann mit müder Stimme zu und blickte zu ihm auf. „Mich ärgert es ja auch, dass ich sowohl daran arbeite, dass andere Leute aus meinen Idee Kapital schlagen, aber Xavier Investoren in seinem Unternehmen, die drängen auf Ergebnisse, ansonsten drehen sie den Geldhahn zu“, versuchte sie ihren Mann in die Realität zurückzuholen.

„Finanzinvestoren. Aasgeier wenn du mich fragst. Was haben diese Leute mit deiner Software zu schaffen? Es ist verdammt nochmal deine Idee und deine Arbeit. Diese Leute haben nur Geld, aber keine eigenen Ideen, deswegen suche sich andere Idioten, die für sie anschaffen gehen und das nötige Know-How einbringen“, fluchte er.

„Danke, so denkst du also über mich“, erwiderte Natalie sichtbar beleidigt. Ihr Mann holte Luft.

„So war das nicht gemeint. Du bist keine Idiotin, mich ärgert das Ganze nur so sehr, sorry, meine Wortwahl war…“

„Nein, nein, vielleicht hast du ja Recht…“, erwiderte Natalie mit brüchiger Stimme, die bereits an eine fast weinerliche Stimmlage grenzte und von ihrer Erschöpfung zeugte. „Ich denke ich bin wirklich eine Idiotin“, seufzte sie mit immer feuchter werdenden Augen. „Ich wollte unbedingt mein eigenes Ding durchziehen und nicht so sein wie die anderen, die sich für irgendwelche internationalen Konzerne prostituieren und da ihr Geld verdienen. Tatsächlich geht es denen deutlich besser. Die verdienen ihr Geld, die haben geregelte Arbeitszeiten. Ich wollte einfach nur nicht zum Mainstream dazugehören und so wie alle anderen sein. Die ganze Scheiße habe ich doch selber verschuldet, es war doch meine Entscheidung“, seufzte sie. „Jetzt arbeite ich nur noch mehr und wenn das Ganze ein Erfolg wird, geht die die meiste Kohle dann doch an die Typen da oben… was mir bleibt, ist nur die Gewinnbeteiligung, mit der ich hoffentlich etwas wieder gut machen kann…“, stöhnte sie und vergrub das Gesicht in den Händen.

„Ich kenne deinen Vertrag nicht so im Detail, was würde diese Gewinnbeteiligung bringen?“, wollte ihr Mann wissen.

„Ich bekomme 7,5% vom Gewinn. Xavier bekommt 22,5%, die restlichen 70% werden an die Finanzinvestoren ausgeschüttet, die Xaviers Unternehmen mit Startkapital gefördert haben“, erklärte sie.

„92,5% für Leute, die keinen einzigen geistigen Beitrag zu deinem Produkt geliefert haben. Sowas ist doch krank!“, fluchte ihr Mann laut.

„Ja, aber ganz so harsch darfst du es auch nicht sehen…“, versuche Natalie ihren Mann zu beschwichtigen. „Ohne das Startkapital gäbe es meinen Arbeitsplatz und mein Gehalt nicht. Sie übernehmen die Vermarktung, diese Leute haben die Kontakte in verschiedene Branchen, Xavier hilft mir der Entwicklung, indem er Personal abstellt und den Termin in Las Vegas möglich macht. Alleine könnte ich das niemals so vermarkten. Aber du hast Recht, das ganze muss sich erst einmal lohnen. Ich habe es mal durchgerechnet, damit ich überhaupt nur den Verdienstverlust der letzten Jahre reinhole gegenüber einer anderen, besser bezahlten Stelle, muss XDA einen Gewinn von mindestens vier Millionen Euro abwerfen. Und dann ist noch keine einzige meiner Überstunden bezahlt. Ich denke mal erst jenseits der sechs oder sieben Millionen Euro ist es wirklich eine auch finanziell lohnende Arbeit gewesen“, erklärte sie. Natalie nippte an ihrem heißen Kaffee und blickte zu Thorsten auf. „Das ganze Geld müssen wir erstmal machen…“, fügte sie leise hinzu als ob sie selbst nicht daran glaubte.

„Wenn das alles vorbei ist, solltest du dir wirklich überlegen, ob du unter diesen Umständen noch weiter arbeiten willst“, riet ihr Thorsten. Natalie nickte langsam.

„Ich kann es nur wiederholen. Wenn das alles vorbei ist, dann wird es besser werden. Das verspreche ich!“, sicherte Natalie zu. Sie blickte auf die Uhr. Es war bereits zehn vor acht. Meistens war sie in den letzten Tagen um diese Uhrzeit schon im Büro gewesen. „Entschuldige mich, ich sollte langsam los. Wir müssen heute nochmal so viel schaffen wie nur möglich“, sagte Natalie und stand nach einem letzten Schluck Kaffee auf. Ihr Mann begleitete sie noch zur Tür, ihr Kaffeetasse blieb halb voll zurück, ein mehr als ungewöhnliches Ereignisse im Hause des Paars. Kaum war Natalie aus dem Haus, griff Thorsten nur wenige Minuten später nach seiner Jacke und blickte zurück auf den nicht abgeräumten Frühstückstisch und die jene halbvolle Tasse Kaffee. Er fragte sich, ob wirklich alles besser werden wird, wenn dieses Projekt vorüber sein würde. Natalie war viel zu sehr eine Idealistin, als dass sie je von ihrer Arbeit würde ablassen können. Er prüfte sein eigenes Erscheinungsbild nochmal kurz im Spiegel während er im Flur stand und fuhr sich durch seine kurzen, schwarzen Haare, die zu seinem adretten Seitenscheitel gekämmt waren. Er fragte sich, ob Natalie nicht letztlich auch ihre Ehe aufs Spiel setzte, wenn sie auch weiterhin nur noch in eine Welt der Arbeit abtauchte, aus der es letztlich keine Rückkehr mehr geben würde.

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Geschrieben

Vielen Dank für all das Feedback das mich erreicht hat! Anbei nun ein weiteres kleines Kapitel, viel Spaß beim lesen :)

***

Etwas mehr als vierundzwanzig Stunden später saß Natalie schließlich bereits übernächtigt im Zug von Berlin nach Frankfurt. Ein weiterer langer Tag und eine fast ebenso lange Nacht im Büro lagen hinter ihr. In dieser Zeit galt ihre gesamte Aufmerksamkeit erneut der XDA-Software. Gemeinsam mit ihren Kollegen hatte sie versucht, in den letzten Stunden vor ihrem Abflug nach Las Vegas so viele offene Flanken zu schließen wie nur möglich. Die Komplexität der Software und ihre adaptive Natur, fremde Muster selbstständig zu erkennen und sich anzupassen, machte ihre gesamte Arbeit ungeheuer kompliziert. Mitunter hatte es in der vergangenen Nacht Stunden gedauert, nur einen einzigen Fehler zu seiner Quelle zurück zu verfolgen. Doch Natalie war zuversichtlich. Auf der tragbaren kleinen Festplatte in ihrer Handtasche lag nun eine erste Alpha-Version die unter bestimmten, konstruierten Bedingungen absolut sicher lauffähig sein würde und damit keinen Absturz verursachen würde. Bis zum Verkauf war es sicherlich noch ein nicht unerheblicher Weg, doch nachdem das Gröbste geschafft war, fehlte der Software mehr oder weniger nur noch der Feinschliff. Während ihre Blicke aus dem Zug nach draußen schweiften, hoffte Natalie, dass sie auch nach Las Vegas noch die Möglichkeit haben würde, an XDA weiterzuarbeiten. Es würde jetzt alles von ihrer Präsentation und ihrer Überzeugungskraft abhängen, wenn sie den Prototypen erstmals in Las Vegas vorstellen würde. Das Interesse, dass ihr entgegengebracht werden würde, oder eben auch nicht, würden über das Schicksal von XDA entscheiden und damit auch letztlich über das ihrer Arbeit sowie ihrer damit verbundenen Gewinnbeteiligung. Sie atmete tief durch und nahm einen Schluck Wasser aus ihrer Flasche. Der Druck, der in diesen Tagen auf ihr lastete, war geradezu unermesslich groß und sie wünschte sich nichts mehr, als dass all dies bald vorbei sein würde.

 

Gute drei Stunden später in denen sie trotz Müdigkeit und Erschöpfung vor lauter Nervosität kaum Schlaf hatte im Zug finden können, fuhr der ICE im Bahnhof des Frankfurter Flughafens ein. Sie hatte ausreichend Zeit eingeplant, es verblieben etwa anderthalb Stunden bis zum Boarding des Fluges und zwei bis zum Abflug. Das letzte was sich Natalie antun wollte, war noch mehr Stress auf dem Weg zum Flieger selbst. Sie hoffte nur noch inständig, dass sie vielleicht im Flugzeug endlich den Schlaf finden würde, denn sie die letzten Tage so schmerzlich vermisst hatte.

 

Ehe sie sich auf dem Weg zum Terminal machte, galt Natalies erster Weg einer Bäckerei am Bahnhof, wo sie sich einen heißen Kaffee holte, der sie hoffentlich noch lebendig durch den Check-In und die Sicherheitskontrollen bringen würde, ehe sie dann endlich im Flugzeug erschöpft in ihren Sitz sacken konnte. Mit ihrer Handtasche um die Schulter, ihrem Rollkoffer im Schlepptau und einem Kaffee to go in der Hand eilte sie schließlich durch das große Flughafengebäude auf dem Weg zum Terminal 1, wo schon bald ihre Maschine auf sie warten würde. Kurz nach ihrer Ankunft am Terminal checkte sie ein und gab ihren Koffer als Gepäck auf, während sie ihre Handtasche geflissentlich nah an ihrem Körper ließ, als wäre sie ihr auf die Haut geklebt worden. Innerhalb der kleinen schwarzen Lederhandtasche befand sich auf der Prototyp der XDA-Software und damit wohl das wichtigste Stück Arbeit ihres Lebens. Zudem gab es keine Sicherungskopie auf dem Server in ihrem Büro um ganz auf Nummer sicher zu gehen, dass niemand seine Hände an ihre Arbeit legte. Nur zwei USB-Sticks daheim beinhalteten Sicherungskopien ihrer Arbeit, allerdings waren diese drei Tage alt. Natalie mochte sich gar nicht einmal im Traum ausmalen, welche Katastrophe geschehen würde, würde sie die Festplatte in ihrer Tasche verlieren. Mehrere Nächte der Arbeit wären umsonst und zudem auch ihr gesamter Flug nach Las Vegas. Sie versuchte die Horrorszenarien, die sich ihr müdes Gehirn auszumalen begann, zu verdrängen und reihte sich in die lange Schlange zur Sicherheitskontrolle ein. Vor ihr standen gefühlte zwei- oder dreihundert Leute in einer endlos langen Warteschlange. Es war nicht anders als am Berliner Flughafen, am Freitag und am Montag war hier jeweils ganztätig die Hölle los und zermürbt von dem endlos langen Warten trottete sie jedes Mal eine halben Meter weiter nach vorne, wann immer wieder jemand durch die Sicherheitsschleusen gegangen war. Es kostete sie gute zwanzig Minuten, bis sie endlich aufatmen konnte und selbst ohne Beanstandung durch die Sicherheitskontrolle ging. Sie blickte auf die Anzeigetafeln, wo ihr Flug bereits am Gate B40 ausgeschildert war. Noch blieb ihr noch immer eine gute halbe Stunde, so dass sie abermals beim nächsten kleinen Laden auf der Strecke zum Gate haltmachte, um sich einen weiteren Kaffee sowie ein Brötchen zu holen, welches nun als Ersatz für ein richtiges Mittagessen herhalten musste. Zögernd blickte sie in die Süßwarenauslage. Der Flug würde fast elf Stunden lang dauern, bis sie endlich in den Staaten landen würde. Eigentlich wollte sie ein wenig auf ihre Figur achten, doch trotz der Verpflegung an Board wollte sie lieber etwas Nervenfutter dabei haben. Beherzt griff sie zu und legte sechs Schokoriegel mit auf den Ladentresen.

„Langer Flug…“, grinste sie den Verkäufer an, als dieser sie etwas skeptisch anblickte. Dann packte sie ihre Wegzehrung hastig in ihre Handtasche nachdem sie das Wechselgeld eingesteckt hatte und machte sich bewaffnet mit ihrem Mittagessen auf dem Weg zum Gate.

 

Am Gate B40 angekommen setzte sich Natalie erschöpft aber zufrieden, dass sie es mehr als zeitig geschafft hatte, zu ihrem Flieger zu kommen. Nun hoffte sie lediglich, dass ihre Maschine ihr den Gefallen tun und pünktlich sein würde. Mit einer aufgeschlagenen Zeitung vor sich blickte sie sich ein wenig unter den anderen Passagieren um, die ebenfalls bereits warteten. Sie sah beinahe ausnahmslos Männer, die meisten von ihnen in dunklen Anzügen. Nur wenige Personen schienen diesen Flug zu nehmen, um aus privatem Interesse nach Las Vegas zu fliegen. Die FinTech Expo schien weit mehr deutsches Publikum anzuziehen, als Natalie ursprünglich erwartet hatte. Sie hätte viel mehr Paare erwartet, die zum Urlaub in die Staaten fliegen würden, doch es machte den Anschein, als würden auf diesem Flug fast nur Vertreter der deutschen Industrie und Finanzwirtschaft dabei sein. Letztere Gruppe würde wohl sicher dominieren. Natalie ging durch den Kopf, vor wie vielen dieser Gesichter sie wohl in ein paar Tagen  ihre Präsentation abliefern würde. Das Ziel ihrer Reise war zwar in erster Linie die Vermarktung des Prototypen bei US-Kunden, doch es würde wohl sicher nicht schaden, wenn es auch deutsche Zuhörer vor Ort waren – mit Kunden im eigenen Land ließen sich letztlich Verhandlungen doch etwas leichter führen. Ihre Blicke schweiften noch ein wenig länger geistesabwesend durch die geradezu uniform gekleidete Menschenmenge von Geschäftsleuten, als ihre Blicke plötzlich auf eine andere Frau fielen, die zum Gate kam. Geschäftig wirkend mit einer kleinen Handtasche um die Schulter wirkte sie beinahe wie ein Spiegelbild von Natalie und fiel allein schon deswegen in der Menge hervor, da es kaum andere Frauen unter den Passagieren auf diesem Flug gab. Doch der neue Fluggast fiel ihr besonders auf durch ihre nicht gerade unauffällige Kleidung. Die Frau mit den langen schwarzen Haaren trug ein einen schwarzen Blazer zusammen mit einer blütenweißen Bluse, die tief eingeschnitten war und für eine professionelle Geschäftskleidung viel zu wenig der Fantasie überließ. Zwischen dem tief herunterlaufenden Ausschnitt schauten zwei mehr als üppige Brüste jeweils zu den Innenseiten hervor und boten einen tiefen Blick in den Busen der Unbekannten. Eine dunkle Sonnenbrille, sowie ein schwarzer, knielanger Rock zusammen mit einer dunklen Strumpfhose und hochhackigen Schuhen, die Frau noch größer erschienen ließ, als sie ohnehin schon war, rundeten das Bild ab. Natalie war sich nicht sicher, ob das eine Geschäftsfrau oder vielmehr die „professionelle Reisebegleitung“ eines anwesenden Geschäftsmanns war. Die einerseits professionell wirkende Geschäftskleidung aber der unverhältnismäßig tiefe Ausschnitt passten gar nicht zueinander, außer die Dame verkaufte irgendwelche Produkte und Dienstleistungen und wollte in ihren Kundengesprächen stets zwei buchstäblich schwerwiegende Argumente mit einbringen.

„Die sind doch garantiert gemacht worden…“, ging es Natalie leise durch den Kopf als sie Augen nicht mehr von dem tiefen Ausschnitt losgerissen bekam. Sie musste sich eingestehen, ein wenig Neid tief in ihrer Magengrube zu spüren. Sie fand große Brüste seit jeher schön und anziehend, diese beiden Exemplare schienen einfach nur von perfekter Proportion und Schönheit zu sein. Wenn sie gemacht worden waren, hatte ihr Erschaffer zumindest sein Handwerk verstanden. Schnell wendete Natalie ihre Blicke auf, als die Frau ihre Richtung änderte und sie in ihr Blickfeld geriet. Beinahe peinlich berührt war sie den Blick auf ihr Handy und machte sich erst jetzt bewusst, wie lange sie die Unbekannte überhaupt angestarrt hatte. Erst dann machte sie sich mit zaghaften Blicken nach links und rechts bewusst, dass sie nicht alleine war. Eine ganze Reihe ihrer männlichen Sitznachbarn konnten offenbar ebenfalls ihre Augen nicht so recht abwenden. Etwas angefressen angesichts der ganzen Aufmerksamkeit, die die Unbekannte auf sich zog, dass die Unbekannte eigentlich nur eine ziemliche Schlampe sein konnte, wenn sie sich dermaßen angezogen in die Öffentlichkeit begab. Oder sie stand darauf, von allen Männern so begafft zu werden, was aus Natalies Sicht allerdings recht gut eine Schlampe definierte. So schüttelte kaum wahrnehmbar den Kopf, musste sie sich doch eingestehen, dass sie mitgegafft hatte. Schließlich verschwand die Unbekannte aus ihrem Sichtfeld und setzte sich vier oder fünf Sitzreihen weiter vorne hinter einer Säule hin. Natalie trank ihren Kaffee aus und las ihre Mails auf ihrem Handy und vergaß die Unbekannte für den Augenblick wieder.

 

Natalie ließ mit zunehmender Entspannung die verbleibende Zeit verfließen, ehe ein lauter Gong sie schließlich aus ihren Gedanken riss und das Boarding der Maschine ankündigte. Nachdem zuerst die Passagiere der ersten Klasse das Flugzeug betreten durften, war sie gleich danach an der Reihe. Sie war Xavier mehr als dankbar, dass ihr Chef wenigstens die Business-Class für sie gebucht hatte. Nach elf Stunden in der Economy-Class, eingepfercht wie eine Sardine, hätte sie vermutlich keinen einzigen Knochen mehr schmerzfrei bewegen können nach ihrer Ankunft. Schnell reihte sich Natalie ein, um unter den ersten Business-Class Passagieren zu sein und zeigte kurzerhand ihr Flugticket sowie ihren Ausweis vor, danach konnte sie die Maschine schließlich betreten. Fast wäre Natalie versucht gewesen, bei Ankunft an ihrem Platz ihre Handtasche nach oben in das Gepäckfach zu legen, doch sie musste an die Festplatte daran denken. Sie wollte jederzeit den Datenträger unter ihrer unmittelbaren Kontrolle haben, entsprechend nahm sie lieber den Verlust von etwas Fußraum in Kauf und legte die Tasche unter ihren Sitz. Sie dachte grinsend daran, dass sie so wenigstens auch jederzeit an ihre Süßigkeiten herankam. Schließlich setzte sich auf ihren Fensterplatz weit vorne im Flugzeug und blickte nach draußen, wo sie einen dem geschäftigen Treiben auf dem Rollfeld zuschaute. Sie warf einen Blick auf die Uhr, es waren noch zwanzig Minuten, ehe der Flieger abheben würde. Sie packte vorsorglich schon mal ihr Tablet aus, auf dem sie eine Reihe von Filmen und Serien für den Flug und für ihre Freizeit in Las Vegas gespeichert hatte und legte es vorne auf ihrer Ablage ab. Mit Unbehagen dachte sie daran, dass selbst mit etwas Entertainment zur Hand elf Stunden eine sehr lange Zeit war. Sie war jetzt schon froh, wenn sie nur erst einmal da sein würde. Wieder und wieder kreisten ihre Gedanken um die Präsentation am Dienstag. Sie würde nur drei Tage Zeit haben, nun alles final vorzubereiten. Es wäre ihr lieb gewesen, vielleicht nochmal mit einem Trainer die Präsentation zu üben. Anders als die Verkaufsmannschaft, die sonst für den Vertrieb der Produkte von Advanced Intelligence verantwortlich war, hatte sie kaum Erfahrung mit Verkaufsgesprächen. Es fühlte sich wieder an in ihrer Schulzeit. Vorne stehen, ein Referat vor der Klasse geben und stets das unsichere Gefühl, ob man die richtige Dinge im richtigen Kontext sagte. Nur dass es dieses Mal nicht um eine belanglose Note sondern um sehr viel Geld, wenn nicht sogar die weitere Zukunft ihres Arbeitgebers ging. Es waren keine Gedanken, die geeignet waren, Natalies Puls ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen.

 

Anhand eines Schattens, der auf sie fiel, bemerkte Natalie, wie sich jemand neben sie gesellte, offenbar war ihr Sitznachbar gerade dabei, Platz zu nehmen. Sie wendete den Kopf intuitiv zur Seite und blickte auf einmal erschrocken hoch in das zierliche und durchaus hübsch anzusehende Gesicht der unbekannten Frau, die sie am Flughafen so intensiv gemustert hatte. Ausgerechnet die Schlampe mit ihrem Megaausschnitt sollte für die nächsten elf Stunden ihre Sitznachbarin sein.

„Guten Tag“, begrüßte die Unbekannte sie nur kurz mit einem Nicken und setzte sich dann. Ihrer Stimme haftete ein unverkennbarer französischer Akzent an.

„Guten Tag…“, stammelte Natalie unsicher und leise zurück und wendete den Kopf schnell wieder ab um wieder aus dem Fenster zu sehen. Sie war mehr als froh, dass in der Business Class der mittlere Sitz im Flugzeug stets frei blieb, so dass es etwas Platz zwischen ihr und ihrer Nachbarin verblieb. Sie hätte sich unbewusst bedrängt gefühlt, wenn die Unbekannte mit dem Riesenausschnitt auch noch direkt neben ihr gesessen hätte. Ihre Sitznachbarin nahm offenbar auch keine weitere Notiz von ihr und Natalie versuchte den Blickkontakt zu vermeiden. Kurze Zeit später ertönte endlich das laute Rauschen der Triebwerke und das Flugzeug rollte über die Landebahn auf seine Zielposition, wo von wo aus es dann endlich beschleunigte und abhob. Natalie sah noch ein wenig zu, wie der Boden in immer weitere Ferne rückte bis das Flugzeug endlich in die Wolkendecke stieß und vor dem Fenster noch graue und weiße Wolkenschleier vorbeizogen. Müde lehnte sich Natalie schließlich zurück und schloss die Augen. Das war noch immer der beste Weg, den Blickkontakt zu ihrer ominösen Nachbarin zu vermeiden und mit jedem weiteren Augenblick, den die Wirkung des Koffeins nachließ, konnte sich Natalie immer mehr entspannen und fand alsbald endlich ein wenig Schlaf um zumindest für ein paar Stunden von ihren Sorgen loslassen zu können.

 

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Geschrieben

herrlich, warte auf fortsetzung................................

BiHammer4X
Geschrieben

schön geschrieben und jetzt wird es ja richtig spannend...hoffe es geht bald weiter !!!

Geschrieben

bitte weiterschreiben

BiHammer4X
Geschrieben

oh jaaaaa....bitte weiterschreiben !!!

Geschrieben

Am darauffolgenden Sonntagmorgen erwachte Natalie langsam und versuchte ihre Orientierung zu gewinnen. Sie fühlte unglaublich warm und geborgen und völlig entspannt. Eine Ruhe durchströmte ihren Körper, die sie bereits Ewigkeiten lang nicht mehr vernommen hatte. Erst ganz langsam nahm sie war, dass Nicolette neben ihr lag und ihren Arm um sie gelegt hatte, während sich ihr Körper eng an sie schmiegte. Sie schien zumindest in diesen Augenblick noch zu schlafen und war ebenso wie Natalie splitterfasernackt unter die weichen Decken des großen, ausladenden Bettes geschlüpft.

„Mein Gott, das habe ich wirklich getan…“, war Natalies erster Gedanke, der ihr durch den Kopf ging. Am Morgen danach, als ihr Blut sowohl vom Alkohol des gestrigen Abends wie auch ihrem Hormonrausch gereinigt war, musste sich ihr Verstand abermals der Tatsache stellen, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben den Mut aufgebracht hatte, mit einer Frau zu schlafen. Sie fühlte sich für einen kurzen Augenblick befremdet, eng an eng nackt mit einer eigentlich fremden Frau die sie erst vor zwei Tagen kennen gelernt hatte, das Bett zu teilen. Doch zugleich sorgte Nicolettes entspanntes und gelöstes schlafendes Gesicht erneut für dieses Gefühl völliger Entspannung und Befriedigung, dass sie wie ein eine weiche Decke eingewickelt hatte. Ihre unbewussten Regungen schienen derweil auszureichen, um auch Nicolette aufzuwecken. Langsam öffnete sie ihre Augen und sie blickte Natalie fröhlich an.

„Guten Morgen“, lächelte sie. „Hast du gut geschlafen?“

„So gut wie schon lange nicht mehr in meinem Leben“, erwiderte Natalie und atmete befreit auf.

„Es wäre auch schade gewesen, wenn nicht“, erwiderte Nicolette und räkelte sich unter der warmen Decke. „Ich hoffe nicht, dass du auch nur das geringste bereust“, grinste sie in dem Wissen, dass sich die Ansichten über eine vergangene Nacht über eben jene hinweg schnell ändern konnten.

„Nein, ich denke nicht“, antwortete Natalie ehrlich. „Ich fühle mich gut“, bestätigte sie. Dann warf sie einen Blick auf die kleine Uhr am Nachttisch. „Und es scheint auch ein wenig dabei geholfen zu haben, das Jet-Lag zu überwinden“, ergänzte sie, als sie sah, dass es inzwischen sechs Uhr morgens Ortszeit war. Sie mussten fast elf Stunden lang geschlafen haben. Natalie hatte nicht die geringste Ahnung, wann sie zum letzten Mal so lange geschlafen hatte. Schließlich streckte sie noch einmal ihre Glieder und stand auf.

„Du hast sicher nichts dagegen, wenn ich deine Dusche benutze?“, fragte sie Nicolette.

„Nein, natürlich nicht, mach nur“, erwiderte ihre Liebesgespielin der vergangenen Nacht. Natalie nickte und wechselte die Wärme des Betts gegen die Wärme von prickelndem Wasser, das sogleich an ihrer Haut hinabprasselte, ehe sie sich abtrocknete und wieder ankleidete.

„Möchtest du jetzt direkt schon gehen?“, fragte Nicolette. Es klang in Natalies Ohren beinahe wie eine Aufforderung noch zu bleiben. In der Tat überlegte Nicolette selbst, wann der beste Zeitpunkt sein würde, Natalie reinen Wein einzuschenken.

„Ja, ich denke schon. Ich werde wohl eben frühstücken und will dann an meiner Software weiterarbeiten, mir bleibt nur noch wenig Zeit bis übermorgen“, entgegnete Natalie. „Das soll keinesfalls unhöflich wirken“

„Nein, gar nicht. Ist schon ok“, lächelte Nicolette. „Aber deine Arbeit ist ein Punkt, über den ich wirklich noch gerne mit dir sprechen möchte. Können wir uns heute Abend zum Abendessen treffen?“, bat sie.

„Ja, natürlich“, antwortete Natalie und hoffte, dann endlich jenen Dialog mit Nicolette führen zu können, zu dem es vergangene Nacht nicht mehr kam.

„Ist dir heute Abend um neunzehn Uhr recht?“, wollte Nicolette wissen. „Machen wir es heute ein bisschen später als gestern, dann kommen wir umso schneller über das Jet-Lag hinweg“, lachte sie leise.

„Ok, neunzehn Uhr“, erwiderte Natalie. „Ich nehme an, hier unten im Hotel?“

„Ja, ich reserviere uns einen Tisch und werde dann dort warten“, antwortete sie während sie mit ihrem nackten Körper durch den Raum flanierte und sich ein frisches Handtuch im Bad griff, um selbst unter die Dusche zu springen, während Natalie bereits auf halbem Wege nach draußen war. „Also, wir sehen uns heute Abend. Es war schön mit dir“, flüsterte sie leise und küsste Natalie sanft auf ihre Lippen. Dann entließ sie die junge Informatikerin aus ihren Räumen und nahm selbst den Weg unter die Dusche.

 

Den darauffolgenden Tag widmete sich Natalie mehr oder weniger verzweifelt dem weiteren Feinschliff ihrer Software. Doch welche Codezeile auch immer sie anfing zu schreiben, sie konnte sich kaum konzentrieren. Immer wieder und wieder musste sie an die Nacht mit Nicolette denken. Dieser Ausritt in eine völlig neue Welt konstituierte ein Erlebnis, das ihr bisheriges Leben in den Grundfesten zu erschüttern schien. Beinahe ein Jahrzehnt lang hatte sie ihre latenten bisexuellen Gedanken nur vor sich her geschoben aber nie ausgelebt. Nun überrumpelten sie die Ereignisse innerhalb von nur zwei Tagen als ob sie ihr ganzes Leben auf jemandem wie Nicolette gewartet hätte. Oder sie auf Natalie. Die Bilder der vergangenen Nacht, die weiche Berührung ihrer Haut, ihr Duft, beinahe jeder sensorische Reiz den sie mit ihr erlebt hatte, schien sich in jede Faser ihres Körpers eingebrannt zu haben und sie nicht länger loslassen zu wollen. Die Erinnerung an Nicolette war allgegenwärtig und berauschte nicht nur ihren Verstand sondern versetzte sie ein Bad der Gefühle, als ob sie wieder ein Teenager wie vor langer Zeit war und jedes neue Erlebnis eine aufregende weitere Entdeckung auf dem Pfad des Lebens war und nicht bloß ein langweiliger, über Jahre eingeübter Standard. Nicolette hatte in ihrem Leben eine gänzlich neue Pforte in eine Welt neuer Erfahrungen aufgestoßen von der sie sich keinen Augenblick hätte träumen lassen, wie intensiv und anregend sie wirklich sein konnten. Doch umso größer wurde nur ihr Bedauern, solange im Leben damit gewartet zu haben. Sie war froh und dankbar, dass Nicolettes so forsches und ungeniertes Verhalten sie beinahe dazu gezwungen hatte, diesen verwegenen Schritt zu machen. Doch umso heftiger und stärker die Erlebnisse der letzten Nacht nachhafteten, desto schwerer konnte sich Natalie auf ihren Job konzentrieren. Es war beinahe ein Ding der Unmöglichkeit, auch nur einen einzigen klaren Gedanken zu fassen während sich ihr Bauch beinahe anfühlte wie an jenem ersten Tag als sie sich das erste Mal in ihrem Leben verliebt hatte. Selbst ohne den Wunsch, eine Beziehung mit Nicolette aufzubauen, war das rein sexuelle Erlebnis mit ihr der vergangenen Nacht so mächtig, dass jeden freien Gedanken Natalies erfolgreich blockierte. Unfähig entgegen aller Versuche, ihre Arbeit voranzutreiben, klappe Natalie genervt den Deckel ihres Notebooks herunter und griff nach ihrer Tasche, um ihre Sportklamotten dort eilig hineinzustopfen. Wenn es ihr schon nicht gelang, sich ihrer Arbeit zu widmen, dann würde ihr Körper vielleicht sein, ein paar Runden im Pool sowie ein paar Kilometer auf dem Crosstrainer zu absolvieren in der Hoffnung dass etwas körperliche Ertüchtigung sie endlich auf andere Gedanken brachte während sie auf das Diner heute Abend mit Nicolette wartete. Natalie fragte sich, ob sich dem Techtelmechtel der vergangenen Nacht nun auch wirklich handfeste Verhandlungen anschließen würden oder ob es Nicolette in ihrem Fall nur einfach um das private Vergnügen gegangen war.

 

Mehrere Stunden später nach einem Nachmittag erfüllt von ausdauerndem Training, machte sich Natalie schließlich endlich fertig für das Diner. Sie legte ein frisches Kostüm aus ihrer Garderobe an und legte ein wenig dezentes Make-Up und Lippenstift auf, um abermals den Ansprüchen des Erscheinungsbilds einer professionellen Geschäftsfrau gerecht zu werden. Dessen ungeachtet fragte sie sich sehr wohl, ob sie wohl auch diese Nacht erneut auf Nicolettes Zimmer landen würde. Dies erschien nach der letzten Nacht weit wahrscheinlicher als am ersten Abend zuvor. Sie entschloss sich, das Schicksal einfach Schicksal sein zu lassen und legte ihre Handtasche um, um sich auf den Weg ins Restaurant zu machen.

 

Sie empfand es als sehr praktisch, dass in so einem großen Hotel wie dem Bellagio alle Einrichtungen und Annehmlichkeiten an nur einem Ort erreichbar waren und so erreichte sie das Restaurant im Erdgeschoss der Hotelanlage innerhalb nur weniger Minuten.

„Guten Abend, Frau Chatenet müsste einen  Tisch für zwei Personen reserviert haben“, stellte sich Natalie am Empfang des Restaurants kurz vor. Die Empfangsname blätterte ein wenig in ihrem Buch und nickte ihr dann zu. Sie geleitete schließlich Natalie zu einem Séparée, in welchem ein kleiner Tisch für vier Personen stand. Nicolette war bereits anwesend, doch zu Natalies großer Überraschung war sie diesmal nicht alleine. Neben ihr saß ein recht großer, fast schon hünenhafter Mann mit kurzem blondem Haar, der ihr auf unbewusste Weise sehr bekannt vorkam.

„Guten Abend“, begrüßte Natalie etwas verwundert Nicolette und den Unbekannten.

„Hallo Natalie, wie schön dass du meiner Einladung gefolgt bist!“, freute sich Nicolette und stand auf, um Natalie mit einer freundschaftlichen Umarmung zu begrüßen. „Entschuldige dass ich dir nicht vorher schon gesagt habe, dass ich nicht alleine hier sein werde“, fuhr sie fort. „Das hier ist mein geschätzter Kollege und guter Freund Olaf“, stellte sie den blonden Unbekannten vor.

„Guten Abend, sehr erfreut“, stellte er sich höflich vor. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört“, lächelte er. Natalie konnte sich nicht behelfen, aber es klang irgendwie zweideutig.

„Moment… jetzt fällt es mir wieder ein. Sie waren der Geschäftsmann gestern in der Bar an dem Tresen…“, entfuhr es Natalie leise.

„Ach bitte, ich bin sicher ihr könnt euch auch duzen, oder nicht?“, fragte sie zu Natalie gewandt.

„Aber klar doch“, erwiderte Natalie und setzte sich auf Nicolettes einladende Handbewegung hin wenngleich sie keine Antwort auf ihre Feststellung erhalten hatte.

„Olaf ist wie gesagt mein Kollege, er war gestern an der Bar und hat uns beobachtet, das ist richtig. Wenn ich einen Erstkontakt mit einer neuen Person herstelle, bleibt er im Hintergrund und beobachtet mich. Er ist sozusagen mein Backup, falls irgendetwas passieren sollte. Außerdem beobachtet er das Umfeld und gibt mir ein Signal, wenn unerwünschte Gäste oder Mithörer auftauchen“, erklärte Nicolette ohne im Detail auszuführen, welche Dinge ihr wohl geschehen oder welche Mithörer sie belauschen könnten. „Ich bin froh, dass du nun heute hier bist, denn bei dieser Gelegenheit sollten wir nun wirklich endlich über deine außerordentlich bemerkenswerte Software XDA sprechen. Deshalb ist Olaf auch bei dem Abendessen mit dabei“, eröffnete Nicolette ihr und fuhr nicht weiter fort, als gerade der Kellner das Séparée betrat, um die Bestellungen aufzunehmen.

„Nehmen wir eine Flasche Weißwein zum Beginn?“, wollte Nicolette wissen. Natalie nickte.

„Ja, gerne“

Nicolette wartete noch und bat den Kellner sogleich auch die Bestellung für das Abendessen aufzunehmen, damit sie bis auf weiteres nicht erneut gestört werden würden. Schließlich hob sie das Glas Wein in ihrer Hand.

„Auf Natalie und ihre vielversprechende Software!“, sprach sie leise und stieß mit Olaf und Natalie an nachdem der Kellner den Tisch verlassen hatte.

„Zu viel der Ehre, noch kennst du ja die Software gar nicht. Ich hatte gehofft, wir würden heute Abend Zeit für eine Demonstration finden“, erwiderte Natalie lächelnd.

„Nun, damit kommen wir auch gleich zu unserem Thema Natalie. Ich möchte mit dir gerne einen Einsatz deiner Software besprechen. Aber ich spreche nicht über eine Demonstration. Wir wollen den Source Code haben, ihn mit dir gemeinsam anpassen und dann zum Einsatz bringen“, eröffnete Nicolette ihr mit ihrer dunklen, akzentuierten Stimme die nun sehr viel ernster war als sonst. Sie konnte beinahe zusehen, wie Natalies freundlichen Lächeln fast in Zeitlupe erstarb und sich ihre Augen weiteten. Adrenalin schoss durch ihren Körper und ihr Mund wurde trocken. Was Nicolette verlangte, war der heilige Gral ihrer Arbeit und ihre Wortwahl deutete nicht unbedingt an, dass sie einfach nur eine Lizenz des Endproduktes kaufen wollte. Wenn sie denn überhaupt etwas kaufen wollte.

„Bitte was?“, versuche Natalie sich zu sammeln und stellte das Glas Wein ab. „Den Source Code kann ich nicht herausgeben, das ist meine proprietäre Arbeit. Die Software ist dazu gedacht, später in fertig kompilierter Form als fertige Software verkauft zu werden, natürlich nach Absprache der Bedürfnisse unserer Kunden“, entgegnete sie.

„Natalie, ich weiß du denkst ich würde für eine große Bank arbeiten und wäre ein möglicher erster Kunde für euer Produkt. Es tut mir leid dich angelogen zu haben, aber das entspricht nicht den Tatsachen und es war ein Vorwand um dich kennen zu lernen“, fuhr Nicolette fort.

„Was?“, wollte Natalie erwidern, doch es war ihr, als ob ihr dieses einzelne Wort bereits in der Kehle stecken bleiben würde. „Was soll das Ganze? Oder vielmehr, für wen arbeitet ihr denn dann?“, wollte sie wissen. Nicolette blickte kurz zu Olaf herüber. Der Blonde nickte ihr nur zu.

„Offiziell betrachtet sind wir beide Angestellte von Digital Explorations und wir verfolgen deine Arbeit schon recht lange“, gestand Nicolette. Als Natalie den Namen des Erzrivalen des Konkurrenten von Advanced Intelligence hörte, schnürte sich ihr Magen zu engem Knoten zusammen.

„Oh mein Gott, das ist nicht wahr“, entfuhr es ihr als ihr klar wurde, dass sie buchstäblich mit dem Feind das Bett geteilt hatte. Impulsiv wollte sie sofort aufstehen und den Raum verlassen, doch Nicolette hielt ihre Hand fest.

„Warte bitte. Das ist nur der eine Teil der Geschichte. Ich gehe jede Wette ein, du willst den anderen Teil auch hören“, bot ihr Nicolette an. „Wir sind nicht hier um deine Software für unseren Arbeitgeber zu stehlen, das verspreche ich dir“, sicherte sie ihr zu.

„Was dann?“, fragte Natalie leise und eingeschüchtert. Erstmals erfüllte sie das Gefühl, sie könnte unter Umständen in Gefahr sein, insbesondere da Olaf, der blonde Hüne sie unentwegt anstarrte. Sogleich übernahm der Blonde auch das Wort von Nicolette.

„Advanced Intelligence hat ein Leck, Digital Explorations hat einen eurer Mitarbeiter nach einem Screening geschmiert, damit er uns mit Daten versorgt. Wir haben schon lange geahnt, dass du an einem adaptiven Softwarealgorithmus arbeitest, die Spuren lassen sich bis zu deiner Promotion zurückverfolgen, denn die liegt ja öffentlich wie jede Doktorarbeit in der Nationalbibliothek aus. Die Vermutung war naheliegend, dass dich Advanced Intelligence eingestellt hat, um vorrangig diese Arbeit in ein praktisches Produkt zu überführen. Nur wussten wir nicht, ob du wirklich daran arbeitest und wie weit du bist“, erklärte Olaf.

„Und dann habt ihr jemanden aus unserem Team gekauft? Wäre es nicht logischer ihr hättet mich kontaktiert?“, fragte Natalie verwundert. Nicolette schüttelte den Kopf.

„Wir haben viel Zeit und Energie investiert, dein ehemaliges soziales Umfeld und deine Arbeitsweise zu studieren, ehe wir mit konkreten Recherchen begannen. Du bist eine Idealistin, du hast in Xavier Parrets kleiner IT-Bude für einen Hungerlohn angefangen, hätten wir dich vor einem Jahr kontaktiert, hätten wir keine Erfolgsaussichten gehabt. Noch dazu wäre es viel zu früh gewesen, jetzt ist deine Software viel weiter entwickelt“

„Ich lasse mich jetzt doch erst recht nicht von einem Konzern wie Digital Explorations kaufen!“, wehrte sich Natalie gegen die Vermutung, sie könnte nun gefügiger sein.

„Wie Nicolette schon sagte, „offiziell“ sind wir Angestellte bei Digital Explorations. Mehr aber auch nicht“, antwortete Olaf und nahm einen Schluck aus seinem Glas Wein. „Die Firma hat uns auf dich angesetzt, damit wir deine Software oder vielmehr den Source Code stehlen, damit Digital Explorations eine eigene Version der Software herausbringen kann und Advanced Intelligence aus dem Markt drängt, ehe aus dieser kleinen Bude der nächste Weltkonzern wie SAP oder Facebook wird“, fuhr er fort. „Was Digital Explorations leider nicht weiß, ist dass wir zwei hier unser eigenes Ding verfolgen. Das ist etwas was wir gemeinsam haben, wir haben unsere eigenen Vorstellungen, genauso wie es dir missfällt, dass deine Software an internationale Finanzkonzerne verkauft werden soll während du ebenfalls lieber dein eigenes Ding damit durchziehen würdest“, erklärte Olaf. Er räusperte sich kurz und blickte Natalie durchdringend an. „Würden wir wirklich für Digital Explorations arbeiten, wären wir schon längst über alle Berge und dieses Abendessen würde niemals stattfinden, denn deinen Source Code habe ich letzte Nacht von deinem Laufwerk kopiert, als du selig geschlafen hast“, gab er zu.

„Olaf ist wie gesagt mein Kollege, aber auch mein Freund. Er hat einen Schlüssel zu meinem Zimmer“, gestand Nicolette.

„Mein Gott, die ganze letzte Nacht, das war alles nur gespielt, damit ihr den Code kopieren konntet?“, fasste Natalie voller Entsetzen das Ergebnis zusammen.

„Nein, nicht nur gespielt. Mir hat unsere letzte Nacht wirklich viel Freude bereitet und es wäre schade, wenn du darüber anders denkst. Aber bitte versteh, dass wir in unserer jetzigen Situation leider ein Druckmittel dir gegenüber brauchen“, gab Nicolette zu.

„Bitte was?“, entfuhr es Natalie. Langsam schien es ihr, als würde sie die Opferrolle in einem miserablen Krimi spielen.

„Olaf hat bereits vor geraumer Zeit dein berufliches Mailkonto bei Advanced Intelligence infiltriert nachdem wir einen Trojaner auf dem Hauptserver installiert haben. Seitdem haben wir ungehinderten Zugang zu deiner Kommunikation. Wir haben eine sehr dezente Spur zu uns gelegt, sie ist nicht sehr offensichtlich, aber ein guter IT-Spezialist wird sie mit etwas Mühe finden und zu unserem Bürorechner bei Digital Explorations zurückverfolgen können. Es sieht dann so aus, als wären wir beide unvorsichtig gewesen und als ob du deinen Arbeitgeber verraten hättest. Es gibt also keinen Weg mehr zurück in deine frühere Arbeit ohne dass du jederzeit mit einer Kündigung und einer Anklage rechnen kannst“, fasste Nicolette das Ergebnis zusammen. „Wir dagegen belasten einfach nur unseren Arbeitgeber. Soll ruhig die ganze Welt wissen, welches Spiel Digital Explorations spielen wollte, uns ist es egal. Wir haben die Spur absichtlich dorthin gelegt, sollen die und dein Arbeitgeber sich hinterher doch vor Gericht gegenwärtig zerfleischen“, lächelte Nicolette. „Wir werden uns als lachende Dritte mit der Software aus dem Staub machen und ganz ehrlich gesagt ist es überhaupt nicht unsere Absicht dich zu erpressen. Im Gegenteil, wir wollen, dass du bei uns mitmachst!“, forderte Nicolette sie auf. Natalie begriff, dass die beiden in der Tat irgendetwas Eigenes vorhatten und ihren ehemaligen Arbeitgeber ins Messer laufen lassen wollten. Indem sie ihr selbst die Brücken zu ihrem Arbeitgeber kappten versuchten sie offenbar Natalies Unterstützung zu gewinnen. Nur für was war die Frage.

„Wenn ihr also nicht mehr für Digital Explorations arbeitet, für wen arbeitet ihr dann und was wollt ihr?“, stellte Natalie dann die entscheidende Frage.

„Wie schon gesagt, wir arbeiten nur noch für uns beide selbst“, beantwortete Nicolette den ersten Teil der Frage. „Wir brauchen deine Unterstützung bei einem Vorhaben, das vorsichtig gesagt, etwas riskant aber voraussichtlich sehr lohnend ist“, fuhr Nicolette mit gedämpfter Stimme fort. Sie stand kurz auf und schaute zwischen dem Vorhang des Séparée hervor um ganz sicher zu gehen, dass niemand in ihrer Nähe war und lauschte. Dann setzte sie sich wieder. „Deine Software ist der Schlüssel ist zu einem gewaltigen Jackpot und wir sitzen bereits mitten drin“, erklärte sie und deutete an die Decke.

„Das Hotel?“, fragte Natalie etwas verwirrt wenngleich ihr bereits klar war, dass was auch immer die beiden ausgeheckt hatten, es etwas Illegales war. Nicolette schüttelte den Kopf.

„Nein, das Casino“, sagte Nicolette leise und ergriff Natalies Hand. „Deine Software ist der ultimative Schlüssel auf eine praktisch völlig idiotensichere Art und Weise innerhalb kürzester Zeit reich zu werden“, offenbarte sie das Ziel ihres Vorhabens. „Wenn XDA wirklich das kann was du sagst, dann kann diese Software mit Hilfe unserer gemeinsamen Kenntnisse buchstäblich jede Firewall innerhalb von Sekunden zerfetzen und die Systeme des Casinos infiltrieren“, erklärte Nicolette. „Ist dir nie der Gedanke gekommen, dass deine Software selbst viel mehr kann, als nur Börsenkurse oder Molekülstrukturen zu analysieren? IT System selbst sind doch das Paradebeispiel komplexer Systeme. XDA würde lautlos hineinsickern, jeden Aspekt des Systems analysieren und jede heute bekannte Abwehr überwenden. Durch den adaptiven Code kann dieses System stets einen Schritt voraus sein!“, versprach Nicolette mit glänzenden Augen.

„Daran habe ich noch nie gedacht“, gestand Natalie. „Aber ich glaube dass es möglich ist. Aber warum sollte man die IT Sicherheit eines Casinos knacken wollen?“, fragte sie leise. „Rauben Leute wie ihr nicht eher den Geldschrank aus?“

„Nein, das machen nur die Dummen“, lachten Nicolette auf. Natalies Humor gefiel ihr durchaus. „Kein Casino der Welt benutzt heute noch normale Roulette-Tische. Die geringste Abweichung in der Beschaffenheit des Holzes oder die Gewichte würden zu Unregelmäßigkeiten führen, die Spieler irgendwann ausnutzen würden. Daher ist jeder Roulette-Tisch heute computergesteuert und mit einem staatlich geprüften Zufallszahlengenerator gekoppelt. Seit dem IT-Zeitalter sind somit die Wartung und Reparatur der Roulette-Tische überflüssig geworden, da ein unparteiischer und geprüfter Computer das Zufallsmoment übernimmt“, erklärte Nicolette. „Eigentlich ist es ganz einfach. Die Kugel und der Tisch sind mit Sensoren ausgestattet, bei jedem Aufschlag der Kugel im Kessel bekommt das System, eine Meldung wo sich die Kugel befindet. Die Geschwindigkeit des Kessels dann so auszusteuern, dass die Kugel am Ende in der vom Zufallsgenerator ermittelten Nische landet, ist nichts weiter als einfache Mathematik und funktioniert in 99,99% aller Fälle sehr gut“

„Ihr wollt XDA benutzen um den Zufallszahlengenerator der Roulette-Tische zu hacken?“, entfuhr es Natalie und sie musste sich Mühe geben, ihre Stimme zu dämpfen. Sie ahnte, würde auch nur irgendjemand gerade diese Frage hören, würden sie alle drei wohl das Hotel nur noch in Handschellen verlassen.

„Leise!“, mahnte Nicolette sie und nickte ihr zu. „Genau das!“, bestätigte sie schließlich. „Wir werden ein Casino ausplündern wie es noch niemals jemand getan hat. Die rechnen garantiert mit nahezu allem, vielleicht noch mit einem normalen Angriff auf ihre IT-Sicherheit mittels eines Virus oder eines Trojaners, aber auf etwas so hoch entwickeltes wie XDA ist hier garantiert niemand vorbereitet!“, versprach Nicolette. „Wir infiltrieren den Zufallszahlengenerator, spielen im Casino einige Runden, dann ziehen wir weiter, spielen noch ein paar Runden und noch am Ende des Abends muss keiner von uns Dreien jemals wieder einen Tag arbeiten gehen!“, grinste Nicolette selbstsicher.

„Das fällt doch auf wenn wir am laufenden Band gewinnen!“, flüsterte Natalie leise. Es gefiel Nicolette, wie sehr sich Natalie bereits mit dem Plan auseinandersetzte. Das versprach gute Chancen, dass sie anbeißen würde. „Deswegen werden wir nicht nur ein Casino hacken“, versprach ihr Nicolette. „Wir infiltrieren mehrere Casinos mit XDA, schaffen uns Zugänge und dann spielen wir in jedem Haus nur ein paar Runden und werden zur Absicht auch ein paar Mal verlieren, dann fällt es keinem auf“, versprach sie Natalie. Es war aus ihrer Sicht ein völlig narrensicherer Plan.

„Mein Gott… das könnt ihr aber trotzdem doch alles nicht im Ernst vorhaben…“, stöhnte Natalie. „Wenn das auffliegt, wie lange geht man dafür in den Bau? Bei mir in Deutschland bekommt man ja schon bis zu fünfzehn Jahre, aber die Amerikaner sperren einen für sowas wie Cyberkriminalität doch gleich Jahrzehnte weg oder so?“, äußerte sie ihre Bedenken. „Das ist mir alles viel zu heiß. Selbst wenn ihr es geschafft habt, mir daheim meinen Job zu zerstören, ich will nicht den Rest meines Lebens irgendwo in der Wüste im Gefängnis sitzen!“

„Du machst dir viel zu viele Gedanken und hast viel zu wenig Vertrauen in deine eigene Arbeit!“, beschwichtigte Nicolette sie. „Denkst du wir würden dieses Risiko eingehen wenn wir uns nicht absolut sicher wären?“, fragte sie. „Olaf und ich sind genauso wie du zwei sehr gut ausgebildete Spezialisten im Bereich IT-Sicherheit und Datenanalyse. Wir sind keine zwei Idioten aus dem Dorf, die sich eine Kapuze überziehen und ernsthaft glauben sie könnten damit unerkannt eine Bank überfallen“, wendete sie ein und schaute Natalie in die Augen. „Das hier ist etwas anderes. Das hier ist sehr gut durchdacht und basiert auf einer Idee, die noch nie zuvor jemand hatte und mit deiner Software werden wir ungesehen rein und rausgehen. Das ganze wird noch am selben Abend vorbei sein“, versprach sie.

„Wir haben einen genauen Spielplan aufgestellt“, ergänzte Olaf mit seiner tiefen Bassstimme. „Wir beginnen mit $50.000 Startkapital an dem Abend, das Geld haben Nicolette und ich bereits zusammengelegt, du brauchst nichts dazulegen, wir teilen hinterher fair durch drei Leute dafür dass du uns hilfst“, holte er aus. „Wir werden Roulette nach dem Martingale-Prinzip spielen. Das ist eine Verdopplungsstrategie, die vor allem von vielen unerfahrenen und naiven Spielern angewendet würden, die glauben, sie könnten das System damit schlagen. Man setzt immer einen festen Betrag ein. Verliert man, verdoppelt man den Einsatz, ansonsten spielt man wie gehabt weiter. Verliert man mehrfach nacheinander, werden die Einsätze irgendwann unendlich groß und man hat kein Geld mehr, deswegen funktioniert die Strategie nicht“, erklärte und fuhr fort: „Wenn wir erstmal die Kontrolle über die Roulette-Tische haben, werden wir aber nur ab und zu verlieren und vor allem werden nie mehrfach nacheinander verlieren. Für die Casino-Überwachung sieht nur so aus, als wenn ein paar Idioten an dem Tisch sitzen, die mehr Glück als Verstand haben. Damit rechnen die aber, denn die Casinos wissen, dass bei Millionen von Spielern jedes Jahr auch immer ein paar Leute mit viel Glück dabei sind, das gehört zu einer normalen statistischen Verteilung einfach dazu. Das wirst du aus deinem Studium sicher selber wissen“

„Wenn wir die $50.000 einsetzen, spielen wir anfangs mit vollem Einsatz dreimal auf eine Farbe und gewinnen. Dann haben wir das Kapital auf $400.000 verdoppelt.  Danach setzen wir $150.000 zum Verlieren ein, damit es von Anfang an glaubwürdig ist. Mit $250.000 beginnen wir dann die Verdopplungsstrategie und lassen vier Runden durchlaufen, bis wir eine Million haben. Dann wechseln wir das Casino und machen weiter“, erklärte Nicolette. „Dadurch, dass wir für jede Spielphase nur einige Runden brauchen und uns auf vier oder fünf Casinos verteilen, schaffen wir das in wenigen Stunden und wir spielen so wenig, dass die Security eines einzelnen Casinos für sich niemals Verdacht schöpfen wird!“, versprach Nicolette. „Denk nur daran, wie schnell wie bei über 30 Millionen sein könnten an diesem Abend. Das sind 10 Millionen für jeden, du kannst dann auf deinen verdammten Job scheißen, du brauchst nie wieder arbeiten gehen und wenn du es doch willst, kannst du den Rest deines Lebens nur noch daran arbeiten, worauf du selber Lust hast!“, stellte ihr Nicolette in Aussicht.

„Keiner von uns wäre langer ein Sklave für seinen Softwareentwickler, bei der die Leute dein Fachwissen ausbeuten und damit die dicke Kohle machen während du ein lächerliches Gehalt bekommst“, hakte Olaf ein und goss bei sich und den beiden Damen etwas Wein nach.

„Natalie, wir haben wie gesagt im Vorfeld sehr viele Recherchen zu dir angestellt um uns unserer Sache absolut sicher zu sein“, sagte Nicolette sanft und ergriff erneut Natalies Hand. Die brünette Informatikerin bekam langsam den Eindruck, dass das eine Methode von Nicolette war, wenn sie in besonderem Maße vertrauen schaffen wollte, aber sie ließ es zu. Trotz der schockierenden Tatsachen und Wahrheiten, die sie an diesem Abend erfuhr, fühlte sie sich immer noch viel zu sehr zu ihr hingezogen als es eigentlich gut für sie gewesen wäre. „Wir wissen doch beide, dass du nicht glücklich bist mit deinem Leben. Ich weiß aus deinem Mailverkehr, deinen Einträgen bei Facebook, deinen anonymen Einträgen in Internetforen und jeder anderen Spur die du je irgendwo hinterlassen hast, dass du nicht das Leben lebst, das du haben willst. Du willst nicht irgendwo zu einem lächerlichen Gehalt schuften und ich weiß, dass du neidisch auf deine Freunde bist, die anderswo guten Gehälter verdienen und dass du deinen Idealismus deiner jungen Jahre inzwischen bereust. Vor allem weiß ich aber, dass du nicht willst, dass deine Arbeit an Finanzkonzerne verkauft wird. Du wolltest doch mit XDA immer einen Beitrag zur Menschheit leisten und etwas Nützliches für Forschung und Wissenschaft erschaffen“, fasste sie das Dilemma von Natalies Leben zusammen. „Du bist jetzt nur einen Schritt von diesem Leben entfernt. Nach dieser einen Nacht kannst du die volle Kontrolle über dein Leben haben und du kannst XDA dann wenn du willst als Freeware in den Markt bringen und Stiftungen und Forschungszentren zur Verfügung stellen und dich danach auf etwas ganz Neues konzentrieren“, versuchte sie Natalie eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen.

„Mein Gott, aber wie soll ich das alles Thorsten erklären“, stöhnte Natalie. „Dank euch kann ich vermutlich nie wieder nach Deutschland zurück. Advanced Intelligence wird mich dank eurer Scheiße den Rest des Lebens verfolgen und mich sofort verklagen, wenn ich wieder in Deutschland bin“

„Es sei denn, Advanced Intelligence gibt es nicht mehr und es hat sich irgendwann etwas Staub über die Sache gelegt“, hakte Olaf ein. „Vielleicht vier oder fünf Jahre. Fraglich ob sich Advanced Intelligence von dem Verlust von XDA überhaupt erholt und die Mittel hat, einen langen Rechtsstreit zu führen“, fuhr er fort. „Am Ende wird es so aussehen, dass ein solch ein Prozess auf einen Vergleich hinauslaufen wird, wenn Advanced Intelligence die Kraft, die Zeit und das Geld für einen langen Prozess fehlen. Dann leistest du etwas Schadensersatz im Rahmen eines Vergleichs und es kommt am Ende zu keiner Verurteilung, weder Straf- noch Zivilrechtlich. Den entsprechenden Geldbetrag kannst du aus hinterher leicht aus unserem Feldzug gegen das organisierte Glücksspiel bezahlen. Du kannst ja hinterher stets sagen, dass du Gewissensbisse bei deiner Software hattest und du sie weder an Digital Explorations noch an Advanced Inteligence geben wolltest sondern stattdessen dem Gemeinwohl zu Gute kommen lassen wolltest. Das bringt dir im jetzigen Umfeld viele öffentliche Sympathien und das wird Einfluss auf das Gerichtsverfahren haben, wenn man bei dir ein gemeinnütziges Motiv sieht“

„Ihr zwei seid echt unfassbar kalt und berechnend“, staunte Natalie. „Wo zur Hölle lernt man sowas?“, wollte sie wissen.

„Wir zwei können das einfach gut“, lachte Nicolette leise und schaute Natalie durchdringend an. „Also was ist? Bist du dabei?“, brachte sie die Sache auf den Punkt. Natalie schluckte deutlich. Sie fühlte sich weiterhin in die Ecke gedrängt auch wenn sie gestehen musste, dass die beiden vor ihr geradezu jedes Detail bestens durchdacht hatten. Sie hatten es in der Tat nicht mit dummen Bankräubern sondern zwei extrem intelligenten und noch dazu ausgesprochen durchtriebenen und hinterhältigen Menschen zu tun.

„Lass mich dir eine Frage stellen und ich möchte eine ehrliche Antwort“, verlangte Natalie mit leiser Stimme und blickte Nicolette an.

„Ich glaube dir inzwischen, dass unsere letzte Nacht nicht dazu da war, damit Olaf den Source Code kopieren konnte, aber du hast das Ganze von Anfang an genauso geplant, damit ich jetzt hierbei mitziehe, nicht wahr?“, wollte sie wissen. Nicolette blieb für einen kurzen Augenblick stumm.

„Ja, das ist richtig“, offenbarte Nicolette ihr. „Wir haben im Rahmen des Profiling auch Informationen zu deiner sexuellen Identität zusammengestellt und wussten, dass du daher latent bisexuell bist und es immer mal ausprobieren wolltest aber nie im Leben dazu gekommen bist. Ich habe das genauso geplant und von Anfang an beabsichtigt, denn ich konnte dir damit eine hoffentlich schöne Erfahrung verschaffen und gleichzeitig einen so intensiven und engen Kontakt zu dir herstellen, dass wir nun dieses Gespräch hier führen können. Ich fürchte, hätten wir dich einfach so angesprochen, hättest du sofort abgelehnt“, erklärte Nicolette. Natalie seufzte hörbar auf. Sie hatte längst geahnt, dass ihre erotische Fantasie eines spontanen Zusammentreffens mit einer hübschen Frau zu einem wilden Abenteuer nicht mehr als ein kalkulierter Schachzug war, aber wenigstens war Nicolette nun so ehrlich und leugnete es nicht.

„Wenigstens bist du ehrlich. Danke“, erwiderte sie trocken und spielte gedankenverloren mit ihren Fingern am Rand ihres Weinglases. „Ich kann das nicht sofort entscheiden. Das ist einfach gerade viel zu viel für mich“, gestand sie offen und blickte dann die beiden an. „Ich werde es mir überlegen, ok?“

„Natürlich. Denke in Ruhe über das Angebot nach“, bat ihr Nicolette an. „Aber warte bitte nicht zu lange, Digital Explorations hängt uns im Nacken und wird unruhig. Noch während die FinTech Expo läuft, müssen wir unseren Plan durchziehen, tun wir das nicht, stehen wir mit nichts da und Digital Explorations wird Ergebnisse sehen wollen, denn die werden langsam skeptisch. Die haben uns auf dich angesetzt und wir haben bislang kaum Ergebnisse, jedenfalls nichts Verwertbares abgeliefert“, erklärte sie. „So gesehen setzen wir also auch auf dich. Wir stehen jetzt zwischen den Fronten und brauchen deine Hilfe. Genauso wie du uns brauchst. Wir sind aufeinander angewiesen und das macht eine mächtige Allianz aus“, lächelte Nicolette. Natalie nickte nur und nur wenige Augenblicke später kehrte der Kellner endlich zurück, um das bestellte Abendessen zu servieren. So lecker das Steak auf ihrem Teller aussah, es wurde zur Herausforderung für Natalie an diesem Abend. Sie wusste nicht, ob ihr jemals zuvor dermaßen flau im Magen gewesen war…

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