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Plais Noir Teil 3 zu Teil 1-2 "Das Versprechen der Nacht" und "Der Ball der Spiegel"


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Der Text ist zu heiß

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Das Palais Noir lag in der Nacht wie eine Erinnerung, die man lieber bewahrt, als erklärt.
Kein Schild, kein Geräusch. Nur ein schmales Tor, hinter dem Kerzen flackerten wie goldene Atemzüge.

Catta hielt einen Moment inne, bevor sie eintrat.
Das Kleid schmiegte sich eng, war mehr Bewegung als Stoff. Unter dem schwachen Licht wirkte sie nicht geschminkt, sondern erschaffen.
Die Maske hatte sie diesmal weggelassen. Heute sollte es keine Zwischenschritte geben.

Eine Treppe führte hinauf, und jeder Schritt klang wie ein Pulsschlag.
Oben, im weiten Saal, wartete Marc.
Nicht allein – zwei Männer standen bei ihm, halb im Schatten, halb im Licht.

„Du bist gekommen,“ sagte er leise.

Catta nickte nur.
„Ich wollte wissen, was Wahrheit bedeutet, wenn man alle Masken verliert.“

Der Raum war warm, still.
Die Kerzen flackerten, und die Luft trug diesen süßen, metallischen Geruch, der entsteht, wenn Erwartung sich mit Verlangen mischt.

Kein Befehl folgte, kein Wort. Nur eine Bewegung: Marc trat zurück, um Platz zu schaffen.
Die beiden Männer lösten sich aus dem Schatten – langsam, ohne Hast.

Sie sah sie an, ruhig, ausdrucksvoll.
Kein Zögern. Kein Schamgefühl. Nur dieses glühende Wissen, dass sie endlich dort war, wo sie alles sein durfte.

Das Licht zeichnete feine Linien auf ihrer Haut, die Kerzen atmeten mit.
Jeder Blick, jede Geste in diesem Raum spannte sich zu einer einzelnen Frage: Wie weit?

Catta antwortete ohne Worte.
Sie bewegte sich, kaum sichtbar, aber der Raum reagierte sofort – die Luft vibrierte, die Hitze wuchs.
Ein Tanz begann.

Sie führte ihn, ohne einen Schritt zu bestimmen; ihre Hände, ihre Schultern, ihr Atem setzten den Takt.
Marc folgte, dann die anderen, bis sich Bewegung und Stille zu einem einzigen Puls verbanden.

Die Spiegel hielten alles fest: den Wechsel aus Nähe und Distanz, Berührung über Licht, Kontrolle über Rhythmus.
Kleidung wurde zur Erinnerung, Stimmen zu Atem.
Doch nichts war roh oder hastig – es war klar, wie festgehaltenes Feuer.

Alles geschah in Stille.
Man sah nur, dass Bewegung in Wellen kam und ging, dass Körper Flächen fanden, auf denen Wärme blieb, dass Haut glühte, ohne zu verbrennen.

Die Zeit verlor Gestalt.
Und mitten in diesem Strom blieb Catta hell und ruhig.
Nicht ausgeliefert, sondern Ursprung.

Als der letzte Ton der Musik – kaum ein Summen – verklang, war alles still.
Das Feuer hatte gebrannt, jede Bewegung war getanzt, jedes Bild verharrte nach.

Marc hob langsam den Blick.
Kein Wort kam über seine Lippen; seine Haltung war reine Anerkennung.
Catta stand gegenüber, leicht erhitzt, aber unerschüttert. Sie lächelte.
Ein Lächeln, das sagte: Ich habe gegeben, was ich wollte – und genommen, was mir gehörte.

Für einen Atemzug hielt die Welt an.
Dann lösten sich die Männer, einer nach dem anderen, verschwanden zurück in das Schweigen, aus dem sie gekommen waren.

Catta blieb.
Ein letzter Kerzenglanz streifte ihre Wangen.
Das war Wahrheit: nicht Rollen, nicht Masken, nur das, was bleibt, wenn nichts mehr verborgen wird.

Draußen hatte der Morgen bereits begonnen, scheu, fast silbrig.
Vor dem Palais wartete ihr Wagen, der Motor summte leise wie ein Versprechen.

Der Diener trat noch einmal hervor, reichte ihr einen schwarzen Umschlag.
„Für Sie, Madame Catta.“

Im Inneren – eine schmale Karte, golden geprägt:
„Spiegel bewahren mehr als Abbild.
Manche halten Feuer fest.“

Darunter ein Zeichen, das sie kannte: 🔥

Sie lächelte leise, steckte die Karte in ihre Clutch, und während sie ins Auto stieg, verfing sich das erste Licht des Tages in ihren Haaren.
Ein letzter Blick zurück.
Dann verschwand das Palais Noir hinter ihr, ein stiller Schatten im Morgendunst – ein Mythos, den sie selbst erschaffen hatte.

Das Feuer aber brannte weiter.

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