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Das Versprechen der Nacht


CAT-IS-BACK

Empfohlener Beitrag

Der Text ist zu heiß

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Der Sommer lag wie warmer Samt über Königstein, als Catta den Gast am Anwesen absetzte.
Der Auftrag war erledigt, doch der Abend zu schön, um einfach nach Hause zu fahren.

Sie parkte am Rand der Altstadt, überlegte kurz, wohin sie gehen sollte, und entschied sich für ein italienisches Restaurant, das sie schon öfter aus der Ferne gesehen hatte – stilvoll, golden beleuchtet, leise Musik.

Ein Spiegel im Eingang zeigte ihr das, was alle sahen, wenn sie Catta ansahen:
eine elegante Frau, schwarzes Kleid, schmale Taille, makelloser Teint, roter Lippenstift.
Doch darunter – verborgen, beherrscht, stolz – lag etwas anderes: die Wahrheit, die sie nie versteckte, sondern trug wie ein Geheimnis auf der Zunge.
Catta war eine Transvestitin. Keine Verkleidung, keine Maske – eher ein Dazwischen, das sie zu etwas Eigenem machte.

Der Kellner führte sie an einen Tisch am Fenster. Sie bestellte Wein, schlug die Beine übereinander, genoss das weiche Licht, das wie goldenes Wasser über den Tischen floss.

Am Nebentisch saßen drei Männer. Einer von ihnen, dunkles Haar, markante Züge, schaute zu oft in ihre Richtung, um es noch zu verbergen.
Catta bemerkte es, schenkte ihm ein kaum sichtbares Lächeln – nicht einladend, aber auch kein Nein.

Später, als sie vom Waschraum zurückkam, kreuzten sich ihre Wege unweigerlich.
Eine Berührung an der Schulter, vielleicht zufällig, vielleicht nicht.
Sein Lächeln war still, lauernd, und Catta fühlte, wie der Abend eine andere Richtung nahm.

Zurück am Tisch wartete ein neues Glas Wein.
„Vom Herrn dort drüben“, sagte der Kellner.

Catta hob das Glas, prostete ihm zu. 
Der Mann trat schließlich heran. „Ich wollte wissen, ob der Wein Ihren Geschmack trifft.“
Sie lächelte. „Er trifft vieles. Vielleicht auch meinen Sinn für Abenteuer.“

Er hieß Marc. Sie sprachen, lachten, neckten sich. Die Zeit verlor an Bedeutung.
Ein Satz führte zum nächsten, ein Blick zum Versprechen.

Irgendwann sagte Marc: „Ich kenne einen Ort, der vielleicht zu Ihnen passt. Still, offen – ein Club, der nicht fragt.“

„Ein Club, der nicht fragt?“, wiederholte Catta, die Lippen leicht geöffnet. „Dann fragt er bestimmt auf andere Weise.“
Er nickte. „Genau deshalb sollten wir hingehen.“

Der Club

Durch eine schmale, kaum beleuchtete Gasse führte er sie zu einer schweren Tür. Ein diskretes Zeichen, kaum zu erkennen.
Rotes Licht flackerte dahinter. Musik vibrierte wie ein Herzschlag durch den Boden.

„Sie werden ihn mögen“, sagte Marc.

Drinnen war die Luft weich, duftend, gesättigt mit Wärme. Samtvorhänge, gedämpftes Licht, Blicke, die länger dauerten, als sie sollten.
Eine Frau am Empfang nickte ihnen zu – wissend, ein Hauch Komplizenschaft in ihrem Lächeln.

„Kommen Sie“, flüsterte Marc, „ich zeige Ihnen den anderen Teil des Abends.“

Sie durchquerten die Lounge, vorbei an fremden Gesichtern, an Schatten, an halben Gesten.
Zwei Männer, die sie schon am Tisch gesehen hatte, schlossen sich ihnen an.
Der Blonde stellte sich als Daniel vor, der Dritte blieb zunächst wortlos, blickte nur – begleitet von einem kaum wahrnehmbaren Lächeln.

Der Gang führte zu einer Tür. Marc öffnete sie mit einer Selbstverständlichkeit, die ankündigte, was dahinter lag.

Der private Raum

Die Tür fiel leise ins Schloss.
Kerzenlicht, dunkles Holz, flackernde Schatten. Ein Tisch, ein Ledersofa, Gläser und eine Flasche Wein.

Catta blieb stehen, zog leicht am Saum ihres Kleides – eine unbewusste, aber wirkungsvolle Bewegung.
Sie spürte die Hitze ihrer Haut, das Knistern der Spannung, das durch den Raum wanderte wie Elektrizität vor einem Gewitter.

Marc trat näher. „Ich hoffe, Sie mögen Intensität.“
Catta drehte sich halb zu ihm. „Ich mag Ehrlichkeit. Besonders, wenn sie sich leise anfühlt.“

Seine Hand glitt an ihrem Arm entlang, leicht, tastend, wie eine Prüfung.
Der Blonde schenkte Wein nach, reichte ein Glas. Ihre Finger berührten sich, und in dieser Berührung lag mehr als Zufall.

Keiner sprach viel. Hier redete man mit Blicken, mit Körperhaltung, mit Atemzügen.
Catta spürte ihre Macht – nicht als Theater, sondern als Versprechen von Nähe.

Der Raum füllte sich mit jener Art von Stille, die nur entsteht, wenn Worte stören würden.
Kleidung, Schmuck, Bewegung wurden Nebensache.
Nur die Haut sprach.

Marc zog sie näher, Daniel schloss von der anderen Seite auf.
Ihre Körper fanden einen Rhythmus, still, gemeinsam, wie Musik, die keiner hören musste.
Ein Hauch, ein Zittern, ein stummes Lächeln – das war Sprache genug.

Das Licht tänzelte über Konturen, Schweiß glänzte wie Mondlicht auf Haut.
Die Hitze des Raumes war nicht von Kerzen – sie kam von Atem, Nähe und dem zarten, unausgesprochenen Wissen, wer Catta wirklich war: ein Wesen, das frei war von Etiketten, von Grenzen, das einfach war.

Irgendwann brach das Schweigen in leises Lachen, in erschöpfte Atemzüge.
Marc lehnte sich zurück, streifte mit der Hand die Linie von Cattas Gesicht entlang.
„Ich glaube, Sie wissen mehr über uns, als wir über Sie“, sagte er.

Catta erwiderte den Blick, nahm einen letzten Schluck Wein, und flüsterte:
„Wissen ist langweilig. Geheimnisse sind schöner.“

Nachklang

Draußen war es bereits Morgen.
Catta ging langsam über den Parkplatz, die Straße lag still, vom Nebel leicht verhüllt.
Der Motor summte, als sie einstieg – die Welt wirkte friedlich nach dieser Nacht voller Geräusche, die keine Worte gebraucht hatten.

Sie lächelte, als das Handy vibrierte. Eine neue Nachricht.
Unbekannte Nummer. Kein Text – nur ein einzelnes Symbol: 🔥
Darunter die Zeile:

„Samstag. Gleiche Zeit.
Anderer Ort.
Ein Raum nur für Sie.“

Catta sah auf den Bildschirm, dann in den Rückspiegel.
Ihre Lippen formten dieses vertraute, gefährliche Lächeln – das, mit dem jede Nacht eine Geschichte beginnt, von der man schwört, sie nie zu vergessen.

Sie tippte nur zwei Wörter zurück:
„Ich komme.“

Dann legte sie das Handy beiseite, startete den Wagen und fuhr los –
dem neuen Feuer entgegen.

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