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Zwischen Tafel und Versuchung Teil 2 Nähe


CAT-IS-BACK

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Das Wiedersehen

Die Nachmittagssonne hing milde über dem Campus, die Luft nach Regen und Papier.
Catta ging zwischen den alten Gebäuden über das Pflaster, das von goldenem Licht überzogen war.
In der Hand hielt sie ihr schwarzes Notizbuch, das wie ein stilles Geheimnis wog.

Vor der Bibliothek blieb sie stehen.
Er wartete dort, an die Wand gelehnt, die Hände in den Taschen, den Kopf leicht gesenkt.
Als er sie sah, hob er den Blick – und ohne Worte veränderte sich etwas in der Luft.

„Du bist früh“, sagte sie leise.
„Ich wollte warten“, antwortete er.

Sie gingen gemeinsam durch den Hof, unter den alten Kastanien, die ihre Schatten in langen Linien zogen.

„Ich habe über dich nachgedacht“, gestand sie schließlich.
„Und ich über Sie“, sagte er. „Aber ich weiß nie, wie ich Sie ansprechen soll.“

„Vielleicht einfach Catta“, sagte sie mit einem Lächeln.

Dieser einfache Satz öffnete mehr Raum zwischen ihnen als jedes Geständnis.
Als sich ihre Hände beim Gehen streiften, blieb seine an ihrer – und sie ließ es geschehen.

Vertrauen

Die Universität lag im Dämmerlicht, als er in ihr Büro kam.
Draußen glomm die Abendsonne, drinnen das weiche Licht der kleinen Lampe.

„Ich wollte nur sehen, ob es Ihnen gut geht,“ sagte er zaghaft.

Catta schloss kurz die Augen, dann nickte sie.
„Manchmal geht es mir zu gut,“ lächelte sie. „Dann vergesse ich, wie still es werden kann, wenn alles Unterrichtet‑Sein aufhört.“

Er trat näher.
„Sie sind anders. Und das macht Sie echt.“

Sie atmete tief durch.
„Ich bin … ein Mensch, der gelernt hat, zwei Welten zu bewohnen,“ begann sie langsam.
„Eine, in der ich einfach Catta bin – und eine, in der andere entscheiden, was ich sein darf.“

Er schwieg, legte die Hand auf ihren Arm. Keine Frage, kein Zögern. Nur Anerkennung.

In diesem Moment fiel jede Distanz.
Nicht durch einen Kuss, sondern durch Vertrauen.

Jenseits der Mauern

Später, an einem klaren Frühlingstag, trafen sie sich am Fluss.
Catta hatte die strenge Kleidung gegen Jeans und eine hellblaue Bluse getauscht.
Sie wirkte leichter, jünger, freier.

Sie liefen am Ufer entlang. Das Wasser glitzerte im Licht der Sonne, die Stadt rauschte irgendwo in der Ferne.

„Ich habe mich früher gefragt,“ sagte Catta, „ob man gleichzeitig stark und verletzlich sein kann.
Aber heute glaube ich – ohne das eine gibt es das andere nicht.“

Er nickte.
„Sie … du … bist beides.“

Catta lächelte. „Vielleicht zum ersten Mal.“

Sie setzten sich auf die niedrige Mauer, ihre Schultern berührten sich flüchtig.
Ein Hauch von Frühling, der genau zwischen Freundschaft und etwas Tieferem lag, füllte die Stille.

„Das fühlt sich richtig an,“ flüsterte sie.

„Ja,“ sagte er nur, „das tut es.“

Der Abend

Der Regen kam zurück.
Tropfen glitten über die Scheiben, das Licht der Laternen zitterte auf den Wänden.
In Cattas Wohnung brannten Kerzen, der Plattenspieler drehte sich langsam, Musik füllte die Zwischenräume.

Sie bewegte sich ruhig – ein Glas Wein in der Hand, barfuß, das Haar offen.
Sein Blick folgte ihr, als wäre jede ihrer Bewegungen Teil eines Satzes, der noch nicht zu Ende erzählt war.

„Ich war mir nicht sicher, ob du kommst,“ sagte sie.
„Ich auch nicht,“ lächelte er. „Aber ich wollte.“

Sie setzten sich auf die Couch. Die Entfernung zwischen ihnen schrumpfte mit jedem Atemzug.

„Weißt du,“ begann Catta, „ich habe so viele Versionen von mir ausprobiert. Manche haben funktioniert, manche waren nur Tarnung.
Aber irgendwie… hat es immer an diesem einen Punkt gefehlt – Echtheit.“

Er legte eine Hand über ihre.
„Jetzt bist du echt.“

Ein Moment des Schweigens.
Dann beugte sie sich vor, und der Kuss war unvermeidlich – warm, langsam, voller Gegenwart.

Haut, Atem, Nähe.
Mehr musste nicht gesagt werden. Die Welt wurde klein, aber schön.

Der Morgen danach

Das erste Licht fiel schüchtern durch die halb offenen Vorhänge.
Catta lag still, nur ihr Atem bewegte das Laken. Der Raum duftete nach Wachs, Wein, Haut.

Sie blinzelte. Neben ihr schlief er, ruhig, mit einem Ausdruck, der etwas Unschuldiges trug.
Für einen Moment betrachtete sie ihn einfach – als hätte sie sich selbst darin gespiegelt gefunden.

Sie setzte sich auf, zog die Decke enger und sah zu dem Kerzenstummel auf dem Tisch.
All das, was sie einmal als Bruch in sich empfunden hatte – Mann, Frau, Dazwischen – fühlte sich nun an wie eine einzige, vollständige Linie.

Langsam stand sie auf, ging ans Fenster.
Das Glas zeigte ihr ein Bild: zerzaustes Haar, ein Gesicht ohne Make‑up, braune Augen voll Ruhe.
„So sieht also Wirklichkeit aus,“ dachte sie. „So sieht Selbstsein aus.“

Hinter ihr hörte sie seine Stimme, noch verschlafen:
„Schon wach?“

„Ja,“ sagte sie und sah hinaus. „Ich wollte den ersten Morgen sehen, der sich wie meiner anfühlt.“

Er kam zu ihr, legte die Arme um sie, und sie ließ ihn. Keine Erklärung, keine Verteidigung. Nur Wärme.

„Ich weiß jetzt, wer ich bin,“ flüsterte sie.
„Ich wusste es, als ich dich zum ersten Mal gesehen habe,“ antwortete er.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Sie neigte den Kopf, streifte mit ihrer Wange leicht seine.
„Dann ist das der Beweis,“ sagte sie, „dass Wahrheit manchmal schöner ist als jede Rolle.“

Sie küssten sich, leicht, still, fast ehrfürchtig.

Draußen zog die Sonne hoch und ließ das nasse Pflaster glänzen.
In der Wohnung blieb der Frieden, der nach Bewegung kommt: kein Ende, kein Anfang mehr.

Catta lehnte sich an ihn, sah in das helle Licht, das langsam den Raum füllte.
Ich bin angekommen, dachte sie. Endlich.

 

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