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Zwischen Tafel und Versuchung Teil 1


CAT-IS-BACK

Empfohlener Beitrag

Der Text ist zu heiß

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Anfänge

Das Flackern des Neonlichts spiegelte sich auf der Glaswand des Seminarraums.
Catta strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und sah auf die Uhr. Gleich würde ihre Vorlesung beginnen. Literatur der Moderne – doch in letzter Zeit waren es nicht mehr nur Worte, die Spannung auslösten.

Seit einigen Wochen bemerkte sie den Blick eines Studenten, der sich nie zu lange auf ihr Gesicht konzentrieren konnte. Sie lächelte innerlich.
Sie war es gewohnt, beobachtet zu werden – nicht nur als Dozentin, sondern als jemand, der auffiel.
Ihre Art zu gehen, ihre Haltung, die etwas Weiches hatte, das nicht jedem gefiel.

Catta war Transvestitin.
Das war kein Geheimnis, doch sie sprach selten darüber.
Manche nannten sie extravagant, manche bewunderten sie, andere hielten Abstand.
Für sie selbst fühlte sich dieses Leben längst selbstverständlich an – aber manchmal brannte die Frage in ihr: Sehen sie die Frau in mir, oder nur die Entscheidung, die ich getroffen habe?

Heute trug sie eine enge, dunkelblaue Bluse und einen schmalen Rock. Kein Kostüm, keine Verkleidung – ein Ausdruck von Sicherheit.
Sie liebte, dass Kleidung ein Satz ohne Worte sein konnte.

Während der Student – ein zurückhaltender, kluger junger Mann – eine Passage von Rilke zitierte, trafen sich ihre Blicke.
Ein kurzer Moment, kaum merklich.
Catta neigte den Kopf, ihre Lippen formten ein Lächeln.

Nach der Vorlesung blieb er stehen, zögerte, dann trat er zu ihr.
„Frau Catta... ähm, darf ich kurz mit Ihnen über die Seminararbeit sprechen?“

„Natürlich“, sagte sie ruhig und zeigte auf die leere Reihe am Fenster.

Die Nachmittagssonne tauchte den Raum in weiches Gold.
Das Gespräch begann sachlich, lenkte aber bald ab – es ging um Sehnsucht, um das, was Menschen dazu bringt, sich selbst in Geschichten wiederzufinden.
Catta merkte, dass dieser Student wirklich zuhörte.
Er sah sie nicht an, um sie zu mustern, sondern um zu verstehen.

Als er aufstand, blieb sie stehen – nahe genug, um seinen Duft zu riechen.
„Manchmal“, sagte sie leise, „verstehen sich zwei Menschen besser, wenn sie nichts mehr sagen.“

Er nickte langsam. Für einen Moment war die Luft schwer vor unausgesprochenem Verlangen.

Worte und Blicke

Catta lehnte sich gegen den Tisch, während er seine Unterlagen zusammenlegte.
Die goldene Stunde fiel schräg durch die Fenster.

„Wissen Sie“, sagte er leise, „manchmal ist das hier … mehr als nur Literatur für mich.“

Catta lächelte. „Mehr?“

„Ja. Wenn Sie über Gefühle sprechen, über Nähe und das, was unausgesprochen bleibt – dann fühlt sich das anders an.“

Sie nickte, und dieser Moment war still, aber klar: irgendetwas zwischen ihnen veränderte seinen Takt.

Am nächsten Nachmittag in ihrem Büro duftete es nach Kaffee und Papier.
Er klopfte, trat ein, unsicher, aber entschlossen.

„Ich habe nachgedacht“, sagte er.
Sie nickte. „Ich auch.“

Ein Schritt trennte sie, und doch fühlte es sich an wie eine ganze Welt.
Sie sah ihm in die Augen – braun gegen grau – und die Luft zwischen ihnen wurde schwer.

„Du hast gesagt, man soll sich zeigen“, flüsterte er.
„Mhm.“
„Und Sie – tun Sie das?“

Sie hob die Hand, befühlte kurz den Stoff seines Kragens. „Mehr, als viele glauben.“

Er spürte den Hauch ihres Atems, ein stilles, ungewolltes Zittern.
Kein Kuss. Noch nicht. Nur die Ahnung davon.
Catta schloss die Augen.
„Jetzt weißt du, was zwischen den Zeilen steht“, flüsterte sie.

In der Bibliothek

Die Bibliothek war fast leer.
Zwischen den Regalen roch es nach Staub, Papier und Frühling.
Catta ging langsam auf ihn zu, ihre Schritte lautlos.

„Ich wusste, dass Sie kommen“, sagte er.
„Und ich wusste, dass du hoffst, ich komme“, antwortete sie.

Sie blieb dicht vor ihm stehen. Der Tisch zwischen ihnen war kein Hindernis.
Sie legte die Hand an seine Wange; die Geste war ruhig, zärtlich.

„Und wenn Worte versagen?“ fragte er.
„Dann bleibt das“, flüsterte sie, und ihre Lippen fanden seine.

Der erste Kuss war zögerlich, unsicher, dafür echter als jede Berührung zuvor.
Er schmeckte nach Kaffee und Licht. Als sie sich wieder lösten, lächelte sie.
„Behalte das für dich. Manche Geheimnisse werden schöner, wenn sie warten.“

Unter der Oberfläche

Frühmorgens lag die Uni noch still.
Catta saß im Dozentenzimmer, der Kaffee dampfte, ihr Notizbuch lag aufgeschlagen. Über eine Seite hatte sie geschrieben:

Ich verstecke mich nicht, aber ich zeige mich nie ganz. Menschen sehen, was leicht zu verstehen ist. Kaum einer sieht das Gewicht, das ich trage, wenn die Tür sich schließt.

Sie hielt kurz inne.
Ich bin nicht anders, ich bin vollständig, dachte sie.

Als sie aus dem Fenster sah, erkannte sie ihn unten im Hof.
Er wartete.
Und in ihr wuchs etwas, das sie lange nicht mehr gespürt hatte: leise Vorfreude.

Vertrauen

Später, am Abend, kam er in ihr Büro.
Draußen sank der Tag, drinnen glomm nur Schreibtischlicht.

„Ich wollte sehen, ob’s Ihnen gut geht,“ sagte er.

Sie blickte auf. „Mir … geht es. Aber manchmal denke ich zu viel.“

„Worüber?“

„Darüber, ob man so sein darf, wie man ist, ohne ständig zu erklären.“

Er trat näher. „Sie dürfen. Weil Sie ehrlich sind.“

Catta atmete aus.
Er meinte es wirklich.
Sie hob die Hand, berührte seine Wange, und ein stilles Zittern zog durch sie hindurch.
Sie wollte nichts mehr verbergen.

Zum ersten Mal in langer Zeit fühlte sie Frieden.
Keine Masken. Kein Zwang.
Nur die stille Erkenntnis: Ich darf sein.

Draußen fiel der Regen.
Drinnen blieb nur ihr leiser Gedanke – dass Nähe nicht immer Gefahr bedeuten muss, manchmal einfach Vertrauen ist.

Liebe Cat, auch diesmal hast Du wieder elegant und sehr schön den erotischen Spannungsbogen aufgebaut - ich kann kaum Teil zwei erwarten ...

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