Die Luft am Meer hatte etwas Schweres an sich, warm und salzig, als würde sie sich direkt auf meine Haut legen. Ich erinnere mich noch genau, wie ich barfuß durch den Sand lief, das leise Rauschen der Wellen im Hintergrund – und dieses Gefühl, dass der Abend noch etwas mit mir vorhatte.
Ich sah dich schon von Weitem. Du standest am Wasser, die Hose leicht hochgekrempelt, die Füße im kühlen Meer. Der Wind spielte mit deinem Haar, und als du dich zu mir umdrehtest, war da dieses Lächeln – ruhig, wissend, als hätten wir beide denselben Gedanken.
„Du bist also doch gekommen“, sagtest du leise, als ich neben dir stehen blieb.
Ich antwortete nicht sofort. Stattdessen ließ ich meine Schulter ganz leicht gegen deine sinken. Diese kleine Berührung fühlte sich plötzlich intensiver an, als sie hätte sein sollen. Vielleicht lag es an der Stille. Oder daran, dass wir beide sie nicht unterbrechen wollten.
Wir liefen eine Weile nebeneinander her, ohne Ziel. Unsere Hände streiften sich immer wieder, erst zufällig, dann weniger zufällig. Als sich unsere Finger schließlich ineinander verschränkten, zog sich etwas warm durch meinen Körper.
Ich spürte deinen Blick auf mir, noch bevor ich dich ansah. Als ich es tat, waren wir uns plötzlich sehr nah. Zu nah, um es noch als Zufall zu bezeichnen.
Der erste Kuss kam langsam. Zögernd. Fast vorsichtig.
Und dann nicht mehr.
Ich spürte, wie meine Gedanken leiser wurden, wie sich alles auf diesen Moment konzentrierte – auf deine Nähe, deine Wärme, das leise Atmen zwischen uns. Meine Hände fanden ihren Weg, ohne dass ich darüber nachdenken musste, als würden sie sich erinnern, obwohl es unser erstes Mal war.
Der Sand unter uns war noch warm, als wir uns niederließen. Über uns begann der Himmel dunkler zu werden, die ersten Sterne tauchten auf, während das Meer weiter gleichmäßig rauschte – als würde es uns einen Rhythmus geben.
Alles fühlte sich langsamer an, intensiver. Jede Berührung, jeder Blick, jedes kleine Lächeln hatte Gewicht. Es ging nicht um Eile. Nicht um ein Ziel. Sondern nur um das, was gerade da war.
Später lag ich neben dir, mein Kopf an deiner Schulter, und sah hinaus auf das dunkle Wasser. Deine Hand strich gedankenverloren über meinen Arm, und ich spürte noch immer dieses leise Kribbeln unter der Haut.
Ich dachte daran, wie zufällig alles begonnen hatte.
Und wie wenig es sich jetzt noch nach Zufall anfühlte...




