Dies ist ein beliebter Beitrag. Th**** Geschrieben am Montag um 12:33 Der Text ist zu heiß Um weiterlesen zu können benötigst Du einen Account. Jetzt kostenlos registrieren! Jetzt registrieren Dies ist ein beliebter Beitrag. 4.Die letzten Höhepunkte Wolfgangs Abreise hinterließ eine seltsame Leere in ihrem Leben – nicht weil sie ihn vermissten, sondern weil sein Loft mit dem Spielzimmer zu einem Ort geworden war, der über ihre eigene Wohnung hinausging. Ein Raum, der ausschließlich der Lust gewidmet war, abgetrennt von ihrem Alltag als Rentner, Nachbarn, Großväter. Die erste Nacht ohne Wolfgang verbrachten sie in Thomas' Wohnung. Sie hatten Wein getrunken, über Nichtigkeiten gesprochen, und als die Dunkelheit hereinbrach, waren sie ins Schlafzimmer gegangen. Aber etwas fehlte. "Es fühlt sich anders an", sagte Jürgen leise, als sie nebeneinander im Bett lagen. „Weil wir es uns jetzt selbst überlassen sind", antwortete Thomas. Er strich über Jürgens Hand. "Kein Lehrer mehr. Kein Führer." Sie schwiegen. Draußen fuhr ein Auto vorbei, seine Scheinwerfer strichen über die Decke. "Was möchtest du?", fragte Thomas schließlich. Jürgen drehte sich zu ihm. "Ich möchte... ich möchte wieder das Gefühl haben. Das Gefühl von damals, als wir anfingen." Thomas verstand. Die Aufregung der ersten Male, das Prickeln des Verbotenen, die reine, ungefilterte Lust. Mit der Zeit war Routine eingekehrt – schöne, vertraute Routine, aber Routine dennoch. „Wir könnten etwas Neues probieren", schlug Thomas vor. „Was denn?" Thomas stand auf und ging zum Schrank. Er holte die Schachtel hervor – mittlerweile war sie noch voller mit Dingen, die sie im Laufe der Monate angesammelt hatten. Er nahm etwas heraus, das sie noch nie benutzt hatten: ein Paar enge Lederhosen mit Reißverschlüssen an den Beinen und einem speziellen Schlitz vorne. „Woher hast du die?", fragte Jürgen. "Bestellt. Vor Wochen." Thomas hielt sie hoch. "Für dich." Jürgen betrachtete die Lederhosen. Das Material war weich, aber dick, mit schweren Reißverschlüssen. "Sie sehen... einschränkend aus." „Das ist der Punkt." Jürgen zögerte, dann nahm er die Hosen. "Okay." Er zog sie an – eine mühsame Prozedur, bei der das Leder Millimeter für Millimeter über seine Beine gezogen werden musste. Als sie saßen, fühlte er sich anders – eingeschlossen, aber auch geschützt. "Und jetzt?", fragte er. Thomas holte etwas anderes aus der Schachtel: ein Paar Nylonstrümpfe mit ausgefallenen Mustern. "Zieh diese darüber." "Über die Lederhosen?" „Ja." Jürgen gehorchte. Das Nylon glitt über das Leder, bildete einen seltsamen Kontrast von weich und hart. Thomas betrachtete ihn. "Du siehst... verführerisch aus." „Fühl mich aber komisch an." „Das vergeht." Thomas begann, sich selbst auszuziehen. Aber statt seiner üblichen Dessous zog er etwas anderes an: einen Ganzkörper-Nylonanzug, der jeden Zentimeter seines Körpers bedeckte, mit Öffnungen nur an den notwendigen Stellen. Sie standen sich gegenüber – zwei alte Männer in seltsamen, einschränkenden Kleidungen. Und plötzlich lachten sie. „Wir sehen aus wie Superhelden-Rentner", kicherte Jürgen. "Oder Superschurken", ergänzte Thomas. Das Lachen brach die Spannung. Sie küssten sich – ein sanfter, vertrauter Kuss, der sich langsam vertiefte. "Was jetzt?", flüsterte Jürgen gegen Thomas' Mund. „Ich möchte dich nehmen", sagte Thomas. "Mit allem, was ich habe." Sie gingen zum Bett. Das Leder von Jürgens Hose knisterte, als er sich hinlegte. Thomas öffnete die Reißverschlüsse an den Beinen, dann den speziellen Schlitz vorne. „Ich bin nicht vorbereitet", warnte Jürgen. "Doch, bist du." Thomas holte Gleitgel und einen Dildo – nicht den größten, aber einen respektablen. "Ich habe dich vorbereitet, bevor du die Hose angezogen hast." Jürgen spürte nach. Tatsächlich – er trug bereits einen kleinen Plug. "Du Schlingel." Thomas lächelte. "Ich plane voraus." Er schmierte den Dildo ein und führte ihn langsam ein. Die Kombination aus Leder und Nylon auf Jürgens Haut, die Enge der Hose – alles verstärkte die Empfindungen. „Beweg dich", flüsterte Jürgen. Thomas gehorchte. Seine Stöße waren langsam, tief, bedacht. Der Nylonanzug auf seiner Haut rieb sich an Jürgens Lederhose, erzeugte ein leises, raschelndes Geräusch. Nach einer Weile holte Thomas etwas anderes aus der Schachtel: eine kleine Peitsche mit weichen Lederriemen. „Was...", begann Jürgen. "Vertrau mir." Thomas schwang die Peitsche leicht – nicht hart genug, um zu verletzen, aber fest genug, um ein klares Gefühl zu hinterlassen. Die Riemen landeten auf Jürgens Oberschenkeln, auf seinem Bauch, immer durch die Kleidung hindurch. Jürgen stöhnte auf – nicht vor Schmerz, sondern vor der intensiven Mischung aus Sinneseindrücken. Der Dildo in ihm, das Leder auf seiner Haut, die Schläge der Peitsche – es war zu viel, und doch genau richtig. „Ich komme", warnte er. Thomas erhöhte das Tempo seiner Stöße, die Intensität der Peitschenhiebe. Jürgens Körper spannte sich an, und er kam in heftigen Stößen – sein Sperma spritzte auf seinen eigenen Bauch, durch den Schlitz in der Lederhose sichtbar. Als er fertig war, blieb Thomas noch in ihm, bewegte sich langsam weiter, bis auch er kam. Sie lagen eine Weile atemlos nebeneinander, noch immer teilweise bekleidet. „Das war... anders", sagte Jürgen schließlich. „Gut anders?" Jürgen dachte nach. "Ja. Gut anders." Sie zogen sich aus, wuschen sich, legten sich wieder ins Bett. Die seltsamen Kleidungsstücke lagen auf dem Boden – Erinnerungen an eine Nacht, die anders war als alle vorherigen. In den folgenden Wochen erkundeten sie weiter. Ohne Wolfgang, aber mit der Freiheit, ihre eigenen Wege zu gehen. Sie probierten Dinge aus, von denen sie nie gedacht hätten, dass sie sie mögen würden: Sie verbrachten einen ganzen Tag nackt in der Wohnung, taten alles nackt – frühstücken, lesen, fernsehen. Die Freiheit, ständig nackt zu sein, war befreiend und intim zugleich. Sie experimentierten mit Rollenspielen – nicht die aufwendigen Szenarien aus Wolfgangs Spielzimmer, sondern einfache: Lehrer und Schüler, Arzt und Patient, sogar einmal zwei Fremde in einer Hotelbar. Sie entdeckten die Lust am Exhibitionismus – nicht draußen, wo sie erwischt werden konnten, sondern hinter den eigenen vier Wänden. Sie liebten sich bei offenem Vorhang, das Licht an, in der Küche, im Flur, überall. Und sie entdeckten die Schönheit der Langsamkeit. Anstatt sich auf Höhepunkte zu konzentrieren, verbrachten sie Stunden damit, sich einfach zu berühren, zu küssen, zu erkunden. Sie lernten jeden Zentimeter des anderen Körpers kennen – jede Narbe, jeden Altersfleck, jede Falte. „Diese hier", sagte Thomas einmal und berührte eine Narbe auf Jürgens Knie, "woher kommt die?" „Fahrradunfall. Ich war acht." "Und diese?" Jürgen zeigte auf einen Altersfleck auf Thomas' Hand. "Der kam mit sechzig. Plötzlich war er da." Sie waren nicht mehr nur Liebhaber. Sie waren Kartografen, die den Kontinent des anderen Körpers erkundeten. Dann, im Herbst, kam der erste Hinweis. Jürgen hustete. Zuerst nur gelegentlich, dann häufiger. Ein trockener, hackender Husten, der nicht weggehen wollte. „Es ist nichts", sagte er immer wieder. "Eine Erkältung." „Aber der Husten blieb. Und dann kam die Müdigkeit. Jürgen schlief ein, während sie fernsahen. Verlor den Faden in Gesprächen. Wog weniger, als er sollte. „Du musst zum Arzt", drängte Thomas. „Es ist nichts." „Du musst." Schließlich gab Jürgen nach. Der Arztbesuch führte zu weiteren Untersuchungen. Röntgen. CT. Biopsie. Die Diagnose kam an einem regnerischen Donnerstag: Lungenkrebs. Fortgeschritten. Sie saßen in der Wohnung, das gedruckte Ergebnis auf dem Tisch zwischen ihnen. Die Worte waren klinisch, kalt: nicht-operabel, palliative Behandlung, begrenzte Prognose. „Ich rauche nicht einmal", sagte Jürgen leise, als ob das einen Unterschied machen würde. Thomas nahm seine Hand. "Was sagt der Arzt?" „Chemo. Vielleicht gewinne ich Zeit." Jürgen sah ihn an. "Aber nicht viel." Sie weinten nicht. Sie saßen nur da, hielten sich an den Händen, während die Welt um sie herum zusammenbrach. Die Behandlung begann. Chemotherapie, die Jürgen schwächte, ihm die Haare ausfallen ließ, ihn übel und müde machte. Aber sie schien zu wirken. Der Tumor schrumpfte. Die Hoffnung kehrte zurück, zaghaft, verletzlich. In dieser Zeit veränderte sich ihre Sexualität. Sie wurde sanfter, zärtlicher. Weniger über Toys und Fetische, mehr über Berührung, Nähe, Trost. Eines Nachts, nach einer besonders schweren Chemo-Sitzung, wachte Thomas auf und fand Jürgen wach, auf den Rücken liegend, die Augen auf die Decke gerichtet. „Kann nicht schlafen?", flüsterte Thomas. „Der Schmerz", gestand Jürgen. "Überall." Thomas stand auf, holte Massageöl aus dem Badezimmer. "Dreh dich um." Er begann, Jürgens Rücken zu massieren – sanft, aber bestimmt. Die Haut unter seinen Händen war dünn geworden, mit neuen Narben von Nadeln und Kathetern übersät. "Hier", sagte Jürgen und zeigte auf eine Stelle zwischen seinen Schulterblättern. Thomas massierte, spürte die Verspannungen unter der Haut nachgeben. „Und hier." Jürgen zeigte auf seinen unteren Rücken. Thomas arbeitete sich nach unten, massierte jedes Wirbel, jeden Muskel. Als er zu Jürgens Gesäß kam, blieb seine Hand einen Moment liegen. "Darf ich?", fragte er leise. Jürgen nickde. Thomas öffnete das Massageöl, tat mehr auf seine Hände. Er massierte Jürgens Pobacken – nicht sexuell, sondern tröstend. Aber unter seinen Händen spürte er eine Veränderung. Eine leichte Verhärtung, ein Zeichen von Erregung. „Es tut mir leid", sagte Jürgen, seine Stimme war beschämt. „Warum?" „Weil... du weißt schon." Thomas beugte sich vor, küsste Jürgens Schulter. "Es ist natürlich. Es ist gut." Er massierte weiter, und Jürgens Erektion wurde deutlicher. Thomas strich vorsichtig darüber – nicht fordernd, nur bestätigend. „Ich dachte, das wäre vorbei", flüsterte Jürgen. "Mit der Krankheit." „Lust stirbt nicht", sagte Thomas. "Sie verwandelt sich nur." Er setzte die Massage fort, bis Jürgen sich entspannte, bis sein Atem gleichmäßig wurde. Erst als er sicher war, dass Jürgen schlief, hörte er auf. Die nächsten Monate waren ein Wechselbad. Gute Tage, an denen Jürgen fast wie sein altes Selbst war. Schlechte Tage, an denen er kaum aus dem Bett kam. An einem guten Tag – einem sonnigen Oktobertag – schlug Jürgen etwas vor. „Ich möchte wieder", sagte er einfach. „Was?" „Was wir früher gemacht haben. Die Schachtel. Die Toys." Thomas zögerte. "Bist du sicher?" "Ich will nicht nur krank sein", sagte Jürgen. Seine Augen waren klar, entschlossen. "Ich will auch lebendig sein." Also holten sie die Schachtel hervor. Aber dieses Mal wählten sie anders. Nicht die aufwendigen Dinge, nicht die komplizierten Fetische. Sie wählten die einfachsten Dinge: ein Paar seidene Boxershorts für Jürgen, ein einfacher Dildo, Gleitgel. Sie gingen langsam vor. Thomas massierte Jürgen erst, küsste ihn, berührte ihn überall außer an den offensichtlichen Stellen. Erst als Jürgen vollständig entspannt war, ging er weiter. „Bitte", flüsterte Jürgen. "Ich will dich spüren." Thomas nahm den Dildo, schmierte ihn ein, führte ihn langsam ein. Jürgens Körper war dünner geworden, zerbrechlicher, aber er öffnete sich für Thomas wie eine Blume. Es war kein wilder, leidenschaftlicher Akt. Es war langsam, zärtlich, fast meditativ. Thomas bewegte sich mit einer Sanftheit, die er nie zuvor gebraucht hatte. Als Jürgen kam, war es kein heftiger Orgasmus, sondern ein sanftes Überfluten – ein Zittern, das durch seinen ganzen Körper lief, dann ein langer, zitternder Seufzer. "Ich dachte, ich könnte nicht mehr", flüsterte er danach. Thomas hielt ihn fest. "Du kannst alles."Es wurde ihr Ritual an guten Tagen: langsame, zärtliche Liebe. Keine Höhepunkte im herkömmlichen Sinne, sondern Höhepunkte der Verbindung, der Nähe, der Bestätigung, dass sie noch lebten. Dann kam der Winter, und mit ihm der Rückfall. Der Tumor war zurück, aggressiver als zuvor. Neue Behandlungen wurden vorgeschlagen, aber die Prognose war düster. „Wie lange?", fragte Thomas den Arzt, als Jürgen schlief. Der Arzt zögerte. "Wochen. Vielleicht ein paar Monate." Thomas nickte. Er weinte nicht. Er hatte keine Tränen mehr. Die letzten Wochen waren die intensivsten ihres Lebens – nicht sexuell, sondern emotional. Sie redeten über alles: ihre Kindheit, ihre Ehen, ihre Fehler, ihre Freuden. „Ich bereue nichts", sagte Jürgen eines Nachts. Sie lagen im Bett, hielten sich an den Händen. "Außer dass wir nicht früher angefangen haben." „Wir haben angefangen, als wir konnten", sagte Thomas. "Ja." Jürgen drehte sich zu ihm. "Hast du jemals gedacht... dass wir sündig sind?" „Nein." „Echt?" Thomas dachte nach. "Manchmal. Am Anfang. Aber dann..." Er suchte nach Worten. "Dann habe ich verstanden, dass Gott, wenn es ihn gibt, uns so gemacht hat. Und dass er will, dass wir glücklich sind." Jürgen lächelte müde. "Das ist eine schöne Vorstellung." Sie schwiegen. Draußen fiel Schnee – sanft, leise. „Ich möchte noch etwas", sagte Jürgen schließlich. „Alles." „Ich möchte... ich möchte dich noch einmal spüren. So wie am Anfang." Thomas verstand. Nicht die sanfte Zärtlichkeit der letzten Monate. Die rohe, ungefilterte Lust der ersten Begegnungen. „Bist du sicher?" Jürgen nickte. "Ich will mich lebendig fühlen. Ganz." Also holten sie die Schachtel ein letztes Mal hervor. Aber nicht die einfachen Dinge. Die aufwendigen. Den Latex-Catsuit. Die Lederhosen. Den großen Dildo. Thomas zog den Catsuit an – das Latex glitt schwer über seine Haut, das vertraute Gefühl der Einschränkung und Befreiung. Jürgen zog die Lederhosen an, dann die Nylonstrümpfe darüber. Sie standen sich gegenüber – zwei Skelette in Fetischkleidung, aber in ihren Augen brannte noch das alte Feuer. „Ich liebe dich", sagte Thomas. „Ich dich auch." Sie gingen zum Bett. Thomas nahm den größten Dildo – den, den sie nur selten benutzt hatten. Er schmierte ihn großzügig ein. "Bist du bereit?", fragte er. Jürgen nickte. "Mach es. Wie damals." Thomas führte den Dildo ein – langsam, vorsichtig. Jürgens Körper war dünn, zerbrechlich, aber er öffnete sich für ihn. „Härter", flüsterte Jürgen. Thomas gehorchte. Seine Stöße wurden fester. Der Dildo drang tief ein, traf Stellen, die sie beide kannten. Jürgen stöhnte auf – nicht vor Schmerz, sondern vor reiner, ungefilterter Lust. Seine Hände krallten sich in die Bettdecke. „Mehr", keuchte er. Thomas gab ihm mehr. Mehr von allem. Mehr Tiefe, mehr Kraft, mehr Liebe. Jürgen kam ohne das sie sich berührten – sein Körper spannte sich an, und er schrie auf, ein Laut, der aus der Tiefe seiner Seele kam. Als er fertig war, brach er zusammen. Thomas zog den Dildo heraus, legte sich neben ihn, hielt ihn fest. „Ich fühle mich lebendig", flüsterte Jürgen. „Du bist lebendig." Sie schliefen so ein – umschlungen, noch immer teilweise bekleidet. Die nächsten Tage waren die letzten. Jürgen wurde schwächer, schlief mehr. Die Schmerzen wurden stärker, die Medikamente halfen weniger. Thomas saß an seinem Bett, hielt seine Hand, redete mit ihm, auch wenn er nicht mehr antworten konnte. In der letzten Nacht wachte Jürgen noch einmal auf. Seine Augen waren klar. "Thomas?" „Ich bin hier." „Danke." „Wofür?" „Dass du mich gefunden hast." Thomas weinte jetzt. Die Tränen kamen endlich. "Ich habe dich nicht gefunden. Du hast mich gefunden." Jürgen lächelte – ein schwaches, müdes Lächeln. "Das ist dasselbe." Er schloss die Augen und schlief wieder ein. Er wachte nicht mehr auf. Die Beerdigung war klein. Nur Familienmitglieder, ein paar Freunde. Thomas stand am Rand, sah zu, wie der Sarg hinabgelassen wurde. Nachdem alle gegangen waren, blieb er stehen. Der Grabstein war noch nicht da – nur ein einfaches Holzkreuz mit Jürgens Namen. „Ich werde dich vermissen", flüsterte er. Er blieb stehen, bis die Dunkelheit hereinbrach. Dann ging er nach Hause – in die leere Wohnung, die noch immer nach Jürgen roch. Er ging zum Schrank, holte die Schachtel hervor. Er öffnete sie, betrachtete die Dinge darin: die Nylonstrümpfe, die Lederhosen, den Latex-Catsuit, den Dildo von ihrer letzten Nacht. Eines nach dem anderen nahm er sie heraus, betrachtete sie, legte sie zurück. Dann schloss er die Schachtel und stellte sie weg. Er ging zum Fenster, sah hinaus auf die dunkle Straße. Irgendwo in der Ferne lachte jemand. Das Leben ging weiter. Sein Leben ging weiter. Ohne Jürgen, aber mit der Erinnerung an ihn. An alles, was sie geteilt hatten. Er dachte an ihre erste Begegnung im Park. An ihre ersten unbeholfenen Versuche. An Wolfgang, der ihnen neue Welten geöffnet hatte. An die Krankheit, die alles verändert hatte. An die letzte Nacht, in der sie sich lebendig gefühlt hatten. Er weinte nicht mehr. Er war leer. Aber in dieser Leere war etwas – die Erinnerung an eine Liebe, die spät gekommen war, aber tief gegangen war. Er ging ins Schlafzimmer, zog sich aus, legte sich ins Bett. Auf Jürgens Seite. „Ich liebe dich", flüsterte er in die Dunkelheit. Und irgendwo, irgendwie, glaubte er, dass Jürgen es hörte.
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