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Ehrenmitglied

Bettler ? Penner ? Oder doch einfach nur Obdachlos ?

Empfohlener Beitrag

Ehrenmitglied
Geschrieben

Sollte es das Thema bereits geben, bitte entsprechend verschieben.

 

Ich möchte jedoch von 2 Erlebnissen berichten, die mir nicht aus dem Kopf gehen und die eine wahre Geschichte ist bereits mehr als 10 Jahre her.......

 

Man nennt sie Penner, Bettler, Schmarotzer (usw.) und viele Menschen fluchen über diese Menschen, ohne die Hintergründe zur Person und den Lebenslauf selbst zu kennen. Sie sollen arbeiten gehen, nicht saufen und bla bla bla. Oftmals die gängige Meinung, die ich nicht trage und so werfe auch ich mal ein wenig in die Kasse der Betroffenen. Macht es aber wirklich auch Sinn ?

 

Mein erstes reales Erlebnis verlief wie folgt:

 

Ich war an der Tanke und kaufte letzte Getränke für die Silversterparty. Zu Hause war alles angerichtet und wir wollten einfach Spass haben zum Jahreswechsel. An der Tanke sah ich einen Obdachlosen, der Alkohol zu sich nahm und nach einem Euro fragte. Ich gab ihm 50 € und wünschte ihm und seinen Freunden einen tollen Abend und wünschte ihm, dass das neue Jahr besser wird.

Er starb in dieser Nacht und ist ertrunken. Ob er zu betrunken war, kann ich nicht sagen, aber auch nicht ausschliessen. Das Thema bekommt man allerdings nicht aus dem Kopf, auch nach vielen Jahren nicht.

 

Mein zweites Erlebnis in ganz anderer Art vor einigen Tagen.

 

Ich betrete am frühen Morgen eine Bank und muss Geld abheben. Im Vorraum schläft ein Mann, den ich als Obdachlosen betrachte, da er auf dem Boden liegt, lediglich eine Tasche mit sich führt und denke mir, er könnte sicherlich ein Frühstück vertragen, dass ihm jemand spendiert. Nochmals, der Mann schlief. Ich zog 500 € am ATM und legte dem Mann 10 € hin. Er wachte auf und fragte in gebrochenem Deutsch ( ich tippe auf Herkunft aus Spanien, Portugal, Italien.... ) , warum ich ihm Geld gebe. Ich schaute ungläubig und erwiderte, dass ich ihm ein Frühstück ermöglichen wollte und es nicht böse meinte, ihn sicherlich nicht mit der Geldgabe beleidigen wollte.

 

Nach meiner Entschuldigung reichte mir der Mann den Zehner und ich verschwand. Die Situation war für mich in dem Moment peinlich und auch davon kam ich nicht mehr los in den vergangenen Tagen.

Wie geht ihr mit solchen Dingen um ?

 

Ehrenmitglied (... auf dem Weg ins Kanzleramt )

 

 

 

 

 

KATandMAN
Geschrieben

Ich habe schon in jungen Jahren Obdachlose kennengelernt... Geld habe ich ihnen NIE gegeben! Im Teenageralter hatte ich 2 Mädels die auf der Straße lebten, denen habe ich Klamotten und Hundefutter oder Essen gechenkt! Vor 2 Jahren hatten wir Tomaten und Pfirsiche in Garten und davon viel zu viel...sie habe ich an die Punker vor dem Supermarkt verschenkt! Die freuten aixh tierisch. Sogar miene Kind damals 9 hat con ihrem Taschengeld essen und trinken für den alten Mann mit Wagen en (so nennt sie ihn)

KATandMAN
Geschrieben

Ups war noch nicht fertig Sie hat ihm daa Geschenkt ich atand abseits...der Mann wollte es erst nicht nehmen, hat es genommen mit Tränen in den Augen! Die Art macht viel aus!

Gaggin
Geschrieben

Ich denke, dass an Ehrenmitglieds Handlungsweisen abzulesen ist, dass sie/er Obdachlose selbst nicht als z.B. Penner bezeichnet. "Man nennt sie..." ist ein deutlicher Hinweis, wie andere diese Menschen ansehen oder beurteilen - ohne etwas von den Hintergründen derer Schicksal überhaupt auch nur zu erahnen. Ich selbst habe einmal ein 70(!) jähriges Obdachlosenpaar im Winter nachts von einer zugeschneiten Bushaltestelle mit zu mir nach Hause genommen.

Geschrieben

Ich geb gern den ein oder anderen Euro. Wenn's um gute Freunde geht oft auch nen Euro mehr als ich eigentlich habe. Bei fremden müssen mir die Leute dann aber auch irgendwie sympathisch sein. Ist -wie so oft - reines Bauchgefühl. Ich bin auch schonmal mit jemanden der meinte, er hat Hunger, spontan essen gegangen. War ein lustiger Abend. Die einzige "echt seltsame Erfahrung" hab ich mal mit ner Anhalterin gemacht. Nehme gern jemand mit vom Straßenrand und so hab ich mal Berlin raus auch angehalten. Das Mädel entpuppte sich als nervös, mittellos und vermutlich ließen die Drogen langsam nach. Sie hat dann in meinem Auto uralte (offene) Chips gefunden und diese heißhungrig gegessen. An der nächsten Raststätte hab ich sie abgesetzt, weil sie eigentlich überhaupt nicht in meine Richtung wollte. Hab ihr noch nen Kaffee und ein belegtes Brötchen gekauft und war dann froh, als ich allein weiter fahren konnte. 

Geschrieben

Zu deinem ersten geschilderten fall da gibst du dir wahrscheinlich irgendwie die schuld daran unberechtigterweise..er hätte auch so sterben können durch kälte etc..was ich damit sagen will ist das diese menschen jeden tag mit dem tod konfrontiert werden also die meisten zumindest und mehr als wir..das leben auf der straße ist hart..zu dem zweiten teil es gibt auch obdachlose die zu stolz sind etwas anzunehmen und keine almosen von fremden wollen egal wie gut sie es meinen aber irgendwann wenn du länger auf der straße lebst merkst du das du diesen eigentlich falschen stolz über bord werfen musst wenn du überleben willst das leben auf der straße können sich die meisten gar nicht vorstellen und es ist egal wie warum und weshalb wenn du einmal in diesen sumpf bist kommst du da nur sehr schwer raus und am ende bleibt dir auch nichts anderes als zur flasche zu greifen und aus spass trinkt da keiner sondern eher um den tag zu vergessen und auf den nächsten tag mit dem wissen das sich diese spirale endlos weiterdreht es ehrt dich wenn du gibst allerdings muss dir das auch nicht peinlich sein wenn jemand noch den stolz besitzt um nein zu sagen

_dedizione_
Geschrieben

Zum einen zeigt sich............. dass das Offensichtliche nicht dem gängigen "Klischee" entspricht, wenn jemand auf der Strasse etc pennt, zwangsläufig ein Stadtstreicher etc ist ......... das jemand im Vorraum einer Bank gepennt hat.... vllt Stress mit Ehefrau gehabt....... oder einfach einen übern Durst getrunken und nicht mehr nach Hause gefunden, bzw zu müde um weiter zu gehen.

Geld gebe ich nie, habe eine Zeitlang, saß immer nur der eine dort........ auf dem Weg zur Arbeit mal ein belegtes Brötchen oder ähnliches ihm gegeben, nie Geld........ eben weil davon Alkohol gekauft wird (die Gründe warum betäubt wird ist ein anderes Thema)

Ich finde es nobel das Du helfen möchtest......... doch Frage die Person vorher ob sie Hilfe möchte............. 

Jemand der im Rollstuhl sitzt, will auch nicht einfach geschoben werden, man kann fragen ob er/sie Hilfe braucht.

Geschrieben (bearbeitet)

wer wirklich in not ist der kann mein letztes essen haben, ich kaufe mir dann neues. auch eine dusche oder ein bett. evtl auch meine unterstützung bei weiterem. aber ich helfe nicht jedem der meine hilfe will.

bearbeitet von magnifica_70
Geschrieben

In Deutschland müssen durch das soziale Netz kaum Menschen auf der Straße leben, wir leben nicht in Amerika. Der Vater meines Sohnes ist Alkoholiker und landete nach meiner Trennung von ihm auf der Straße in seiner Lieblingsstadt Köln, er hat einfach nicht den Antrag auf Arbeitslosengeld auf die Reihe bekommen. Soll ich dafür Verständnis haben? Ich habe nur Verständnis für junge Menschen, die von zu Hause abgehauen sind, weil sie misshandelt oder vernachlässigt wurden und dass sie nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Ich ziehe den Hut vor den Stretworkern, die sie von der Straße holen und ihnen den Weg in eine Perspektive zeigen. Drogensucht und Alkoholismus ist für mich keine Entschuldigung für Obdachlosigkeit bei uns. Dafür gibt es keinen Cent. Gerne unterstütze ich die Kinder und Jugendlichen.

semper_ad_rem
Geschrieben

Eine wahre Geschichte. Vor ein paar Jahren fuhr ich mit dem Auto an einer Kreuzung vorbei und sah unter einem Baum einen Mann liegen. Etlichr Passanten aif dem Gehweg sahen ihn auch und einige machten sich noch lustig und tuschelten hinter vorgehsltener Hand. Da ich Ersteller bin und dieses auch sehr ernst nehme, lenkte ich meinen Wagen auf eine Haltebucht und begyb mich zu drm Mann, um zu erfragen ob alles in Ordnung sei. Nach mehrmaligem erfolgloser Ansprache sicherte ich ihn wie erlernt und benachrichtigte einen Notarzt. Leider kam ich zu spät. Er verstarb. Das tragische war nur wenn sich einer ca 3 minuten früher ein herz gefasst hätte, dann hätte man ihm helfen können und der Mann hätte nicht eine Frau und einen Sohn hinterlassen, die nun auf Harz IV sind. Ich schäme mich dafür in so einer kalten Gesellschaft leben zu müssen.

Geschrieben

manche menschen sind nicht mehr fähig alleine zu handeln, selbst wenn sie es wollen. es geht nicht, sie können es nicht. sie sind auf hilfe angewiesen, anders werden sie da nicht mehr rauskommen sondern immer tiefer sinken. sie brauchen jemand, der sie unterstützt. ich hab auch nicht mit allen mitleid, aber manche können es wirklich nicht alleine schaffen. auch wenn sie erwachsen sind.

Engelschen_72
Geschrieben (bearbeitet)

Bei der ersten Begebenheit ist es wohl so, daß dir das nicht mehr aus dem Kopf geht, weil man sich fragt *Hätte ich mehr für ihn tun können?*

 

Ich bin ja auch jemand mit weichem Herz, der bei solchen Dingen früher immer direkt den Geldbeutel gezückt hat.

Als ich noch in der Mainzer Innenstadt wohnte gehörten die Obdachlosen zum Stadtbild.

Ich hab immer Geld gegeben, bis mich eines Tages einer richtig rund machte, weil ihm die 5 Mark nicht genug waren.

Und dann machte ich mir Gedanken und es kam das zum Tragen, was DrGreenthum143 hier ansprach...

Ich habe danach nie wieder Geld gegeben, sondern Naturalien.

 

Ich hatte 2 *prägende* Erlebnisse mit Obdachlosen.

 

Einen haben mein damaliger Freund und ich zum Pizza essen eingeladen, nachdem dieser Mann im Schnee bei Eiseskälte vor der Pizzeria sass. Ich ging raus und fragte ihn, ob er sich zu uns setzen mag und etwas mit uns essen möchte.

Er wirkte sehr verunsichert, sehr *erschrocken*, daß ihm jemand so gegenübertrat.

Wir sassen 2 Stunden zusammen, haben gegessen und getrunken und er erzählte uns aus seinem Leben, erzählte wie er in diese Situation kam. Am Ende des Abends bedankte er sich mit Tränen in den Augen.

Gesehen habe ich ihn danach nie wieder.

 

Der andere sass immer an derselben Stelle in der Mainzer Altstadt mit seinen 2 Tieren. Tagein- tagaus.

Ich kam irgendwann mit ihm ins Gespräch und fragte ihn, ob er etwas zum Essen und Trinken möchte, was ich ihm besorgen würde.

Er winkte ab und meinte, daß das nett sei, aber seine Tiere erstmal etwas zu fressen brauchen.

Also ging ich los und habe für die beiden etwas gekauft und für ihn auch.

Es entwickelt sich ein Gespräch und ab da an *trafen* wir uns regelmäßig, immer brachte ich für ihn und seine Tiere etwas mit. 

Ich werde nie vergessen, wie ich mich im Sommer mal zu ihm auf den Boden setzte, wir quatschten und eine Bekannte vorbeilief, vollkommen entsetzt war und nur meinte *Iiiiiiiiiiiiih, du sitzt bei dem Penner*.

Ehrlich? Dieser *Penner*  hat mir einiges *gezeigt*, grade wie das Leben laufen kann und wie es trotz aller Schwere doch sehr schön sein kann.

Ihm hab ich dann auch öfters ausrangierte Kleidung meines Partners gebracht und er hat sich riesig darüber gefreut.

Mein Gedanke und Antrieb war immer... ich kann nicht jedem helfen, aber ich kann diesem einen Menschen ein bißchen helfen.

 

Als ich aus Mainz wegzog verlor sich selbstverständlicherweise der Kontakt.

3 Jahre später bekam ich über einen sehr bekannten Arzt für Obdachlose in Mainz über ein Social Network mit, daß dieses Mainzer Urgestein verstorben war.

Ich war wirklich traurig, hab getrauert, weil mir dieser Mann in so vielem die Augen geöffnet hat.

 

Heute denke ich, daß man nie vergessen sollte, wie gut`s einem selber geht und das jeder von uns schneller in solch eine Situation kommen kann, wie`s ihm/ihr lieb ist.

 

Eine Freundin von mir ist in der Mainzer Obdachlosenhilfe tätig, sie sagte mir auch, daß man einem Obdachlosen nichts aufdrängen soll. Nachfragen, ob und wie man helfen kann.

Vielen dieser Menschen ist ihre Lage einfach nur peinlich und es ist ihnen unangenehm, wenn man ihnen Hilfe *aufzwängt*.

 

bearbeitet von Engelschen_72
Geschrieben
vor 8 Stunden, schrieb Ostseeengel23:

In Deutschland müssen durch das soziale Netz kaum Menschen auf der Straße leben,

(...) Drogensucht und Alkoholismus ist für mich keine Entschuldigung für Obdachlosigkeit bei uns. Dafür gibt es keinen Cent. Gerne unterstütze ich die Kinder und Jugendlichen.

Du sprichst selber von kaum.

Wie gelingt Dir denn die Einordnung, wer in welchen Topf gehört?

Wonach bestimmst Du für Dich den Grund für die Obdachlosigkeit zu erkennen?

Woher weißt Du warum ein Mensch Drogen nimmt oder Alkoholiker ist?

Vielleicht waren diese Menschen auch mal jung, vernachlässigt und mißhandelt?

Deine Kinder und Jugendlichen, die werden auch mal älter werden. Verdienen sie dann keine Hilfe mehr?

Rein rhetorische Fragen, wer mag denkt einfach nur mal für sich darüber nach.

Üei999
Geschrieben

Als ehemals Betroffener gebe ich mal meinen Senf dazu: Ich habe selber mehrere Jahre auf der Straße gelebt, kein Schicksalsschlag oder so, ich hatte die Schnauze voll und bin "ausgestiegen". Zu dem ersten: Klar bleibt sowas hängen. Man stellt sich die Frage ob er noch leben würde, hätte man ihm nichts gegeben? Vielleicht, aber wahrscheinlicher ist es, dass er mit der Zeit genug Geld gesammelt hätte um sich dermaßen zu betrinken. Ich weiß aus eigener Erfahrung: will der "Penner" seinen Rausch kriegt er ihn irgendwie. Ich habe auch schon erlebt wie sich ne ganze Gruppe zugrunde richtete weil sie rausfanden das Brennspiritus nicht direkt tötet und ordentlich knallt. Innerhalb von wochen haben sie ihre Gehirne zerstört. Zum 2.: Vielleicht war es ja jemand der einfacvh nicht mehr nach hause oder zum Hotel kam, oder er war ein tagelöhner der zu stolz war eine Spende anzunehmen. Mach dir keinen Kopf, du bist ein guter Mensch der versucht anderen zu helfen und ein Lächeln zu bereiten, du hilfst mit Geld, ist ok, die Leute freuen sich. Nahrung Alkohol, Kleidung, freie wahl was man kauft. Was sie daraus machen ist nicht dein Bier.

Geschrieben (bearbeitet)

ich hab mal einen beobachtet. ich sass auf einer bank in der fußgängerzone und er war am betteln. hatte ihm auch was gegeben. diesen mann hätte ich gerne näher kennengelernt. doch leider war er nach ein paar tagen weg. ich hätte ihn direkt zum essen einladen sollen.

bearbeitet von magnifica_70
Knutschegern
Geschrieben
vor 3 Stunden, schrieb Engelschen_72:

Ich werde nie vergessen, wie ich mich im Sommer mal zu ihm auf den Boden setzte, wir quatschten und eine Bekannte vorbeilief, vollkommen entsetzt war und nur meinte *Iiiiiiiiiiiiih, du sitzt bei dem Penner*.

 

DAS habe ich fast genau so auch erlebt.

In der Stadt, in der ich gewohnt habe, wurde das Grüppchen Obdachloser, das sich auf einem bestimmten Platz regelmäßig versammelte, verächtlich der "Hundezüchterverein" genannt, weil die meisten der Obdachlosen Hunde dabei hatten.

Mein Sohn war damals noch klein, konnte grade laufen und war sehr angetan von den Hunden und wollte dann immer dort hin, wenn wir einkaufen gingen, um die Hunde zu streicheln.

Also kam es dazu, dass wir uns ab und an auch mal für einen Moment dort hinsetzten und ich unterhielt mich mit ihnen. Total süß fand ich es, dass sie dann die Bier- und Schnapsflaschen außer Sichtweite meines Sohnes nahmen. So wie mein Kind es genossen hat, die Hunde streicheln zu können, so genossen die Obdachlosen die Begegnungen mit ihm. Ich habe sehr viele interessante Gespräche geführt und auch gerne immer etwas Hundefutter mitgenommen.

Nur in meinem Bekanntenkreis kam das gar nicht gut an. Von "da müsste man das Jugendamt einschalten" bis hin zu "Bist du jetzt etwa auch so Eine?" war alles dabei...oder ich wurde einfach gar nicht mehr gegrüßt *koppschüttel

 

Mit 15 Jahren hat es angefangen, dass ich mich mit dem Thema "Obdachlosigkeit" beschäftigt habe. Da war ich mal von zu Hause ausgerissen und habe mich für ein paar Wochen den Punks in Hamburg angeschlossen. Und wenn man dann auf der Strasse "schnorrt", kommt man eben auch mit anderen Menschen ins Gespräch. Ich war oft verblüfft und schockiert, was einige der Obdachlosen für Lebensgeschichten hatten und wie es eben kommt, dass doch noch so viele Menschen durch das soziale Netz fallen. Aus der Zeit habe ich viel mitgenommen.

 

Zur Zeit kümmere ich mich etwas um "meinen" Hempels-Verkäufer (das ist eine Obdachlosenzeitung...die Verkäufer dürfen die Hälfte des Erlöses behalten). Er möchte unbedingt wieder richtig auf die Beine kommen und kämpft grade mit den Behörden. Wenn ich die Zeitung kaufe, bekommt er ein dickes Trinkgeld und ab und zu auch mal eine Schachtel Zigaretten, die er liebt, sich aber nur sehr selten leistet. Er würde seiner Tochter (im Grundschulalter) gerne öfter mal Geschenke machen und hatte vor Freude Tränen in den Augen, als ich ihm vor Weihnachten eine kleine Tüte mitbrachte, in der ich hübsch verpackte Sachen und Naschis für die Kleine hatte.

Inzwischen sind hier noch mehr Leute auf ihn aufmerksam geworden. Eine seiner Kundinnen hat ihm kurzerhand eine dicke Winterjacke gekauft, die es grade im Angebot gab, weil sie gesehen hatte, dass er vorm Laden stand und fror. Ein Anderer hat ihm ein Fahrrad geschenkt, über das er sich riesig gefreut hat.  Schön, dass es doch noch Menschen gibt, denen es nicht am Allerwertesten vorbeigeht :-)

 

Ich würde mir wünschen, dass wir alle insgesamt achtsamer mit anderen Menschen in unserem Umfeld umgehen. Egal, wie "abgerissen" jemand aussieht. Oft ist ein freundlicher Blick oder ein kurzes Gespräch hilfreicher als der Euro, den man grade selber auch nicht "über" hat. Einfach den Menschen auch als Menschen wahrnehmen und nicht als "Penner".

Dann wäre auch ein Mann noch wohlauf, den ich im Pflegeheim als Wachkomapatienten betreut habe - der wurde für einen betrunkenen Obdachlosen gehalten, als er in abgewetzten Arbeitsklamotten auf einem kleinen Bahnhof lag...tatsächlich hatte er einen Zuckerschock und bekam viel zu spät Hilfe.

 

 

vor 13 Stunden, schrieb Ostseeengel23:

Drogensucht und Alkoholismus ist für mich keine Entschuldigung für Obdachlosigkeit bei uns.

 

Nicht jeder hat die Kraft, mit dem fertig zu werden, was das Leben so bereit hält...

Dark_Side
Geschrieben

ein wirklich spannendes  Thema was hier eröffnet wurde!

Wohl fast jeder von uns kennt diese Menschen, die nichts weiter haben als die Klamotten am Leib. Ein jeder Mensch kann in diese Lage kommen, wenn einem das Schicksal böse mitspielt. Ich weiß von einem befreundeten Arzt, dass ein Kollege von ihm  mit eigener kleinen Klinik, dass der in dieses Milieu abstürzte. Seine Frau und seine beiden Töchter kamen bei einem Autounfall gleichzeitig ums Leben. Das hat er psychisch nicht verkraftet. Er fing an zu trinken, verfiel dem Alkohol völlig und entsagte seinem Umfeld.

Dann gibt es bei uns in der Stadt einen nur russisch sprechenden Obdachlosen. Er kam mir oft am Wald entgegen wo ich mit meinem Hund spazieren ging.   Kein Wort deutsch hat er im Sprachgebrauch! Er kam auf mich zu und sprach mich auf russisch an. Ich wusste echt nicht was er von mir wollte. Ich gab ihm spontan 20 € und eine angebrochene Schachtel Zigaretten. Er verbeugte sich mehrfach und sagte auf russisch wohl Danke.

Monatelang trieb er sich mal hier und mal da rum. Im knacke kalten Winter saß er im Aldi auf dem Brett wo man seine Sachen aus dem Einkaufswagen in die Taschen umpackt.

Von einer guten Freundin die Partnerin kommt aus der Ukraine. Diese nahmen wir eines Tages mit um mit dem Russen ins Gespräch zu kommen. Fazit, heute steht er unter städtischer Betreuung und hat ein Dach über dem Kopf.

 

Heilig Abend 1999, mir ging es in diesem Jahr so gut wie eigentlich noch nie...! Ich hatte viele leckere Sachen eingekauft, viel zu viel für mich alleine. Nachmittags stand ich vor dem ganzen leckeren Kram und dachte mir so, "hui, da hast Du wohl für Weihnachten und Silvester gleichzeitig eingekauft. Allerdings hatte ich noch etwas für meinen Hund vergessen und zog mit diesem nochmal in die City um ein Hundegeschirr zu kaufen. Mitten in der City saß ein angetrunkener junger Mann und schnorrte. Dieser war dann für 24 Stunden mein Gast. Einfach so, ein spontaner Entschluss. Noch heute treffe ich ihn des öfteren in der Stadt, wenn er schnorrt. Er meint das ist sein Leben und seine Welt aus der er nicht raus möchte.

Und wenn man mit offenen Augen durch die Städte geht, merkt man das es immer mehr werden die schnorren. Darauf darf ich aber nicht eingehen, weil es sonst politisch wird. . .

LesbeMH
Geschrieben

Mich hat im Stadtpark mal ein Mann eindringlich angebettelt, ihm einen Euro für Bier zu geben. Der Mann tat mir leid und ich fand seine Ehrlichkeit klasse. Ich habe ihm den Euro gegeben. Vermutlich war er alkoholabhängig und wenn ein Abhängiger keinen Alkohol bekommt, kann er gefährliche Krämpfe kriegen. Klar wäre ein Entzug das Beste, aber das ist ganz allein seine Entscheidung als erwachsener Mensch.

Geschrieben

Es ist schon ein paar Jahre her, als ich mit einem Arbeitskollegen (Fernfaher, selten zu Hause) in einem kleinem Industriegebiet einer kleinen Stadt stand. Wir entschlossen uns an diesem Sommertag zu grillen. Auf einer Treppe saß ein Paar mit Bierdosen in der Hand. Da mein Kollege und ich etwas zu viel zum Grillen hatten, winkten wir die beiden heran. Wir saßen jetzt also zu viert an unseren LKW´s, und wir kamen ins Gespräch. Die beiden waren obdachlos und ohne festen Wohnsitz, mein Kollege und ich versuchten die beiden aufzubauen. Sie hatten eine tragische Geschichte zu erzählen. Nach dem Grillen gaben wir den beiden noch ein paar Lebensmittel (finde ich besser als Geld). Sie fing vor Freude bitterlich an zu weinen und nahm uns in den Arm. Die Freude der beiden werde ich nie vergessen, denn Glück ist eines der Dinge, die sich verdoppeln beim Teilen. Denke ich daran zurück, werden meine augen immer noch feucht.

schwandorfer01
Geschrieben

Bei mir an der Haustüre klingelte an einem Sonntag Vormittag eine Frau (Ende 20 - Anfang 30) mit einem Zettel in der Hand. "Bitte um eine Spende. Sie haben in Rumänien alles verloren wegen Hochwasser bla bla bla"

Ich gab nichts!!! Wenn sie alles verloren haben dann kamen sie wohl zu Fuß nach Deutschland um zu betteln!

Man liest und hört leider immer soviel über "schwarze Schafe", organisierte Bettler-Banden usw.

 

Anderer Fall: Es war ein kleiner Wanderzirkus im Ort. Es klingelte an der Tür wegen kleiner Geldspende für Tierfutter. Sie gehören zum Zirkus bla bla bla usw.

Am nächsten Tag sammelte wieder jemand vom Zirkus. Ich sagte: Es war gestern schon wer da von euch. Dann kam erstmal ein dummer Blick von dem Mann mit der Antwort: "Das war niemand von uns!"

Da wird die Situation von Menschen ausgenutzt die wirklich sammeln würden für ihre Tiere, für sich selber oder sonst was!

 

 

Heutzutage wird die Gutmütigkeit leider viel zu oft mißbraucht. Da muß man es sich echt überlegen ob man was hergibt oder nicht.

Geschrieben
Am 08.07.2016 at 19:09, schrieb Ehrenmitglied:
Am 08.07.2016 at 19:09, schrieb Ehrenmitglied:

Man nennt sie Penner, Bettler, Schmarotzer (usw.) und viele Menschen fluchen über diese Menschen, ohne die Hintergründe zur Person und den Lebenslauf selbst zu kennen. Sie sollen arbeiten gehen, nicht saufen und bla bla bla. Oftmals die gängige Meinung, die ich nicht trage und so werfe auch ich mal ein wenig in die Kasse der Betroffenen. Macht es aber wirklich auch Sinn ?

 

 

 

 

 

 

 

Mann muss da schon Unterscheiden.

Ein Penner ist zum beispiel, jemanden der nur noch Sauffen tut. Und der rest ist ihm Scheißegal.

Sieht man in jeder goß Stadt.

Ein Bettler hat zum beispiel ein Hund , und ist auf  Wanderschaft.

Er bettelt weil er Hunde Futter und Geld für Tierarzt braucht.

Er hegt und pflegt sein Tier. Trotz Obdachlosigkeit. Sie  sind meistens in kleinen Städten.

Man sieht sie nie länger als 3 Tage in einer Stadt.

Auf der Strasse muss niemanden Schlafen. Das ist richtig.

Es gibt alle paar Dörfer weiter eine Übernachtungsmögichkeit. Wenn ihr wollt, dürft ihr mir gerne eine PN schicken.

Ich geb euch gerne die Internet Adresse. Manche sieht man es garnicht an, das Sie Obdachlos sind.

In den Übernachtungen können sie, Duschen , Wäsche waschen und zu Ruhe kommen.

Schmarotzer habe ich Persönlich nicht kennen gerlernt.

 

 

 

 

 

 

 

Knutschegern
Geschrieben
vor 3 Stunden, schrieb LiebundBöse:

Auf der Strasse muss niemanden Schlafen. Das ist richtig.

 

Falsch!

Hunde dürfen meist nicht mitgenommen werden in die Unterkünfte. Und grade im Winter sind die wenigen überhaupt vorhandenen Schlafplätze schnell belegt. Was nützt es diesen Menschen dann, wenn es 20 Km weiter evtl. einen Schlafplatz gibt? 

Viele Obdachlose haben dort auch schlechte Erfahrungen gemacht, weil sie bestohlen wurden, während sie z.B. duschen waren.

Ich unterscheide auch nicht zwischen Bettler und Penner (die Bezeichnung "Penner" finde ich übelst abwertend) - es sind einfach Menschen, mit denen das Leben es nicht so gut gemeint hat wie mit uns.

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