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Verlust der Menschlichkeit?

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Hallo Gemeinde!

Teils inspiriert vom Japan-thread,
aber ganz besonders durch einen User dieser Seite per PN,
möchte ich mal folgende Frage in den Raum stellen.

Dazu (geklaut) den genauen Wortlaut besagten Users, der mir damit sehr aus der Seele spricht:

"Ich hab immer mehr das Gefühl, dass wir die letzten 20 Jahre verdammt viel an Menschlichkeit verloren haben - und das gefällt mir ganz und gar nicht."

[COLOR=Black]Wie empfindet Ihr? Seht Ihr es auch ähnlich? Oder ist es altersbedingt unbegründete Sentimentalität?

Ich jedenfalls empfinde ganz genau so, unsere Gesellschaft wird härter und härter, Jeder ist sich nur noch selbst der Nächste, Profit geht immer vor Gefühl oder Nächstenliebe, Lügen gehört zum Alltag...
... ich könnte jetzt Beispiele ohne Ende bringen, aber ich will ja Eure Meinung, Meine kenne ich schon.

(habe den User selbst nicht explizit um Erlaubnis gefragt, bin mir aber absolut sicher, dass ich seine Worte anonym so verwenden darf, denn es könnten auch meine eigenen sein)
[/COLOR]


Geschrieben

Diesen Satz hätte man zu jeder zeit genauso sagen / schreiben können.

heute sind wir teilweise nur ehrlicher, früher wurde vieles kaschiert oder nicht offen zugegeben.

Hilfsbereitschaft gibt es glücklicherweise immer noch, das sieht man jetzt auch in Japan.

Wann waren die zeiten menschlicher? vor 20 jahren hatten wir 1991 - kann mich nicht erinnern, dass wir "menschlicher" als heute gehandelt hätten.


Myrff
Geschrieben

Wenn sich mein Weltbild nur aus Medien und dem Forum hier zusammen setzen würde, dann könnte ich dem Satz vielleicht zustimmen. Es würde mir auch nicht gefallen.

Allerdings, bin ich dämlich genug auch öfters mal auf die Straße zu gehen und diese Eindrücke auch in mein Weltbild einfliessen zu lassen.
Mein Eindruck ist, einiges hat sich verschlechtert, anderes dafür verbessert, aber im Grunde hat sich an der Menschlichkeit an sich nicht wirklich was geändert.

Nun ja, dies ist nur meine Meinung und die ist nur eine unter vielen.


Geschrieben

denken mal,das es das resultat davon ist,das der kampf um den erhalt der existenz auch immer härter wird.

würden das nicht als unmenschlich betiteln.menschlichkeit zeigt sich in unseren augen eh meist mehr im verborgenen.finden,eine helfende hand bei einem gestrauchelten sagt mehr als der 5000 dollar-scheck für haiti oder japan!

sorry!


lg

bei der gelegenheit,bussi bäääääck.


cuthein
Geschrieben

Leider gibt es sehr viele Leute, die meinen


- es wird alles unmenschlicher
- es wird alles schlechter
- es wird alles besser
- es gibt mehr Verbrecher
- es es wird immer dekadenter-
- to be continued

Wenn man das alles zu Ende denkt, dann müßte man ja irgendwann einmal, an einem Tiefstpunkt angelangt sein, unter den es nicht mehr geht.

Das aber ist nicht der Fall...

Also ist dieser Pessimismus Quatsch.


Geschrieben

menschlichkeit zeigt sich in unseren augen eh meist mehr im verborgenen.finden,eine helfende hand bei einem gestrauchelten sagt mehr als der 5000 dollar-scheck für haiti oder japan!

sorry!


Dazu braucht Ihr Euch nicht entschuldigen, denn diese Aussage drückt mehr den weichen Kern in Euch aus, als die unbarmherzig harte Hülle, die Ihr im Japan-thread vorgetäuscht habt.

@Mandarina7
Ich, als Mitt-40er, gehe da mal von der von mir erlebten Zeit ab so ungefähr 1960 aus...

20 - 30 Jahre davor ging es natürlich extrem brutal in Deutschland zu, da gab es mal gar keine Menschlichkeit, das ist natürlich klar.
Und auch sonst davor gab es in der Entwicklung der Kultur immer wieder Höhen und Tiefen, da hast schon vollkommen Recht mit.

Aber "zu jeder Zeit", das sehe ich nicht so.

@Myrff

Dann lasse Dich probehalber einfach mal auf offener Straße zusammenschlagen - wirst dann schon sehen, was sich konkret verändert hat.
(zum Fotografieren haben sie höchstwahrscheinlich alle um Dich herum dann den "Mut"... :cool


Myrff
Geschrieben




Dann lasse Dich probehalber einfach mal auf offener Straße zusammenschlagen - wirst dann schon sehen, was sich konkret verändert hat.



Oh sorry, da muss ich Dir klar widersprechen.
Ich arbeite seit ca 20 Jahren hier mit der Türsteherszene zusammen. Stimmt zwar das der Gebrauch von Waffen untern Strich zugenommen hat, aber das Eingreifverhalten von Passanten hat sich in der ganzen Zeit kein bißchen verändert. Ich vermute, darauf wolltest du doch hinaus.


Geschrieben

Ja, @Myrff, darauf in etwa auch wollte ich hinaus, obwohl es nur ein Beispiel von Vielen sein mag.

Bin da echt erstaunt über Deine Darstellung, denn in den Medien und im Internet werden regelmäßig ganz andere Seiten von "Eingreifverhalten" gezeigt.

Fängt schon auf Schulhöfen an, wo die Kinder statt Helfen lediglich aus sicherem Abstand mit ihren Handys filmen, das später dann stolz ins Netz stellen.


SweetSara001
Geschrieben

Wie definiert man denn "Menschlichkeit?"

Durch das "Ich-Bewusstsein"? Also lediglich seiner eigenen und eingeschränkten Wahrnehmung herraus.

Oder als kollektives Gebilde?

Vermutlich ist jeder Mensch so menschlich, wie er erzogen wurde.
Der eine hält es für total in Ordnung seine Meinung ganz hübsch durchzuprügeln, der andere ist sozialverträglich und diskutiert es aus.
Der eine ist so geizig (oder arm) dass er niemandem auf der Straße Geld gibt, der andere würde am liebstem Jedem helfen.

Früher - wo fängt das dann an?

Es gab allein durch äußere Umstände die zwingende Notwendigkeit "zusammen zu halten" und an gemeinsamen Stricken zu ziehen.
Die Kirche beispielsweise, war wohl eine der Fächer der Angst, die dafür gesorgt hat, das Menschen, sofern sie eben ungebildet genug waren in ihren Schienen blieben.
Der Kampf ums tägliche Überleben, Brot und Feuer sorgte dafür das niemand Zeit hatte darüber zu philosophieren, ob die Welt nun gut oder schlecht war - man glaubte an Gott und der Teufel lauerte überall. Frauen starben bei Geburten und danach - Kinder wurden oft nicht alt.
Es gibt einen wundervollen Comedien der eigentlich in Schulen gehört - Wir haben von allem zuviel : Volker Pispers (einfach mal googlen.)

Es gab wie heute beim Fußball aber sicher ein starkes und damals soviel dauerhafteres Gemeinschaftsband - nimm den Krieg und seine Trümmerfrauen z.b.
noch weiter zurück - die französische Revolution.

Ganz neu und anders: Thomas D. die deutsche Telekom und Million Voices
Es geht nie um die Dinge die da sind - nur um ein ganz einfaches Gefühl: Ich habe einen Platz - einen Ort - in dem ich etwas wert bin.
Die deutsche Gesellschaft ist unfähig dieses Gefühl an sein Volk zu vermitteln und durch wachsende Egos sind immer mehr MENSCHEN genauso unfähig dieses Gefühl selbst innerhalb der kleinsten Gesellschaftsform - nämlich der Familie oder Beziehung zu vermitteln.
Jeder ist für sich allein und das verbreitet weithin eine schlichte aber tiefe Leere.

Frag nicht ob Menschlichkeit fehlt - frag lieber was sie ist und ausmacht und dann geh los und trag sie raus. Da fängt sie nämlich an.


Dickerhund
Geschrieben

der von mir erlebten Zeit ab so ungefähr 1960 aus...

20 - 30 Jahre davor ging es natürlich extrem brutal in Deutschland zu, da gab es mal gar keine Menschlichkeit




Sorry, aber ist das nicht etwas zu "Bild"typisch gedacht?

Ich meine, im direkten persönlichen Zueinander war das Menschliche sicherlich fester und ausgeprägter als heute.

Z.B: Da wurde Oma und Opa noch in der Familie belassen und nicht ins Altenheim geschoben, da alt und lästig, usw.


wirsch001
Geschrieben

Der zweite Post in den Theard war folgender;

Diesen Satz hätte man zu jeder zeit genauso sagen / schreiben können.

heute sind wir teilweise nur ehrlicher, früher wurde vieles kaschiert oder nicht offen zugegeben.

Hilfsbereitschaft gibt es glücklicherweise immer noch, das sieht man jetzt auch in Japan.

Wann waren die zeiten menschlicher? vor 20 jahren hatten wir 1991 - kann mich nicht erinnern, dass wir "menschlicher" als heute gehandelt hätten



Es ist ja wohl genau umgekehrt...

Wir sind heute nicht ehrlicher, es gibt nur mehr informationsfluss, der wiederrum alles andere als ehrlich ist, er ist orientierter und zwar für die leute die diesen steuern ( in deutschland gibts es prinzipiell keine "freien medien") wenn man mal glück hat sickert was durch, durch jemanden der ambitioniert ist auf diesen gebiet, aber danach auch recht schnell arbeitslos und mondtot...


Hilfsbereit wie in japan?
Is da auch nur einer von TEPCO? Einer von denen die wussten das das Ding soetwas nicht standhält?
Nein!!
Aber dafür werden Jugendliche und Obdachlose im moment eingesetzt.
Warum haben diese 50 "helden" eigentlich keine namen in der presse? Zum Schutz wohl kaum, alles Fake!!!

und zu 1991; das war zwei jahre nach dem Mauerfall, nie wieder hat sich West und Ost so zueinander gefühlt...

Das schlimme ist, das ich 26 bin und mir darüber im klaren bin und die menschen die dabei gewesen sein sollte mit klaren verstand, denken doch tatsächlich nicht so wie im zweiten genannten Post oder?

wenn doch kann meine generation ja doch nicht so verkorkst sein^^

also, was haben wir aus der Zeit von damals bis heute gelernt?
Alles Fake!!!


Myrff
Geschrieben



Bin da echt erstaunt über Deine Darstellung, denn in den Medien und im Internet werden regelmäßig ganz andere Seiten von "Eingreifverhalten" gezeigt.

Fängt schon auf Schulhöfen an, wo die Kinder statt Helfen lediglich aus sicherem Abstand mit ihren Handys filmen, das später dann stolz ins Netz stellen.



Bleiben wir einfach kurz bei diesem Beispiel.
Hatten vor zwanzig Jahren die Handys die Möglichkeit Filme aufzunehmen?
Hatten die Medien vor zwanzig Jahren ein Interesse an "Schulhofprügeleien"?

Ich denke in beiden Fällen lautet die Antwort: Nein.

Da wird es irgendwie schwierig, das nichtvorhandene Filmmatrial von damals mit dem von heute zu vergleichen.

Vor zwanzig Jahren lief kein Türsteher mit stichfester Schussweste rum. Heute ist das Standart.
Das wäre eigentlich ein Indiz für den Verlust von Menschlichkeit könnte man meinen.
Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, das sich das Verhältnis zwischen den Passanten die eingreifen und denen die nicht eingreifen, in den letzten 20 Jahren eben nicht geändert hat. Obwohl es heute wohl gefährlicher sein dürfte. Das spricht für mich dann eher für eine gleichbleibende Menschlichkeit.


Geschrieben (bearbeitet)

Sorry, aber ist das nicht etwas zu "Bild"typisch gedacht?
Ich meine, im direkten persönlichen Zueinander war das Menschliche sicherlich fester und ausgeprägter als heute.
Z.B: Da wurde Oma und Opa noch in der Familie belassen und nicht ins Altenheim geschoben, da alt und lästig, usw.

Hmm, auf Oma und Opa mag das für diese Zeit ja noch zutreffen, soweit kam man ja noch nicht...
Aber - "Krank" oder "Mißgebildet" wurde jedenfalls konsequent "entsorgt"

Im direkten Zueinander (Familie) wirst schon Recht haben, dass es da einen starken Zusammenhalt gab, begrenzt.
Aber schon im Umgang mit dem direkten Nachbarn stand Denunziation zum eigenen Vorteil deutlich im Vordergrund, da war nix mit Menschlichkeit.

Aber, mir geht es ja um heute, die neue Entwicklung, die ich zu beobachten meine.
(nicht das, was die Bildzeitung schreibt, das ist eh überwiegend meinungspopulistischer Quatsch)

@Myrff

Vielleicht siehst Du ja auch nicht Alles?
Die Düsseldorfer Altstadt ist schließlich noch ein sehr gediegenes, harmloses Pflaster, wo sich eh nur älteres, eher harmlos friedfertiges Publikum herum treibt, oder?

(Das Ding mit der stichfesten Schussweste ist allerdings trotzdem krass, wusste ich noch gar nicht und wäre vor 30 Jahren noch ein echter Lacher gewesen )


bearbeitet von PaanTuu
Geschrieben


"Ich hab immer mehr das Gefühl, dass wir die letzten 20 Jahre verdammt viel an Menschlichkeit verloren haben -[/COLOR]


Menschlickeit...ich denke, all das, was uns widerfährt und was wir anderen Menschen widerfahren lassen, ist menschlich. Tugenden wie Güte, Mut, Großzügigkeit, Ehrlichkeit etc. finden statt, allerdings nicht in dieser Präsenz, wie ihre negativen Pendants. Wenn sich mir jemand wohlwollend und liebevoll zuwendet, kann das daraus resultierende Gefühle innerhalb von nur wenigen Minuten vollkommen verblassen, wenn ich im Anschluss daran unter der Egomanie eines Mitmenschen zu leiden habe...
Ich persönlich habe in den vergangenen Jahren diesbezüglich keinen Wandel beobachtet...Grönemeyer singt Der Mensch ist Mensch, weil er hofft und weil er kämpft....weil er mitfühlt und vergibt... aber ich finde, das er auch Mensch ist, weil er hasst und ignoriert und nachträgt und wütet...


Geschrieben

@Jatropha72
Hassen, Ignorieren, Nachtragen und Wüten hat aber nichts mit dem zu tun, was hier von dem PN-User und mir unter "verlorener Menschlichkeit" gemeint ist - oder gerade doch...

Natürlich gab es diese Aspekte menschlicher Natur schon immer, aber sie waren nach meiner Ansicht vor 20 Jahren deutlich mehr unterdrückt bis verpönt, als es heute der Fall ist und immer mehr wird.

Einerseits werden wir in vielen Dingen offener, freier - gleichzeitig aber wird den negativen Eskalationen doch immer weniger Einhalt geboten, wird immer weiter geduldet bis gar hofiert.

Siehe doch heutige Führungskräfte bis hin zur Politik:
Es funktioniert nur noch über Lug und bewusster Manipulation in allen Bereichen - so sieht heute der erfolgreiche Mensch aus, nämlich Ellbogen raus, Gegner gnadenlos ausschalten, Moral spielt dazu keine Rolle mehr.


Myrff
Geschrieben


@Myrff
Vielleicht siehst Du ja auch nicht Alles?
Die Düsseldorfer Altstadt ist schließlich noch ein sehr gediegenes, harmloses Pflaster, wo sich eh nur älteres, eher harmlos friedfertiges Publikum herum treibt, oder?



Mit Sicherheit sehe und höre ich nicht alles. Ganz nebenbei bemerkt trifft das aber auf jeden zu, oder?
Klar, gibt es schlimmere Ecken, aber auch harmlosere.
Es ist halt ein Vergnügungsviertel, nicht nur für älteres, friedfertiges Publikum, sondern für alle Teile der Bevölkerung.
Manchmal ist das eine eher ulkige Mischung, ein anderes mal eine höchst Explosive.
Das war aber schon immer so.

Aber wie bereits in einem vorangegangen Beitrag geschrieben, es sind nur meine Erfahrungen und ich beanspruche keine Repräsentativität.


Geschrieben

Da muss ich dir recht geben: viele Dinge waren früher verpönt, die heute toleriert werden.

Aber auch das wird sich - hoffentlich - eines Tages wieder umdrehen.

Mit "Japan" meinte ich die menschen, die sihc in den Lagern gegenseitig helfen und utnerstützen, sicher nciht die Betreiberfirma des Reaktors!


dejay
Geschrieben


Ich persönlich habe in den vergangenen Jahren diesbezüglich keinen Wandel beobachtet...Grönemeyer singt Der Mensch ist Mensch, weil er hofft und weil er kämpft....weil er mitfühlt und vergibt... aber ich finde, das er auch Mensch ist, weil er hasst und ignoriert und nachträgt und wütet...



Ich glaube auch nicht, dass die Menschlichkeit an sich abgenommen hat. Es ist in den letzten Jahrzehnten nur viel schwieriger geworden, sie durchgehend zu praktizieren. Der wirtschaftliche Erfolgsdruck und Konkurenzkampf hat stetig zugenommen, und aus diesen Gründen erscheint es häufig so, als ob sich jeder selbst der Nächste ist.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich Menschen heute genauso menschlich verhalten würden, wie vor einigen Jahrzehnten, wenn sie denn die Möglichkeit dazu bekommen.


Geschrieben

@Jatropha72
Hassen, Ignorieren, Nachtragen und Wüten hat aber nichts mit dem zu tun, was hier von dem PN-User und mir unter "verlorener Menschlichkeit" gemeint ist - oder gerade doch...


@ PaanTuu: Ist mir schon klar...habe mir erlaubt, den Begriff als solchen zu hinterfragen- respektive seine eigentliche Sinngebung zu ignorieren...Ist das o.k.?


Xenialll
Geschrieben

Eine derartige Katastrophe lässt uns Menschen zunächst einmal schockiert und betroffen schweigen.

Wenn aber der Mensch etwas dazu äussert, "muss" er es (quasi) distanziert tun. Das heisst aber nicht, das er verroht ist, sondern vielmehr, das er sich aus Eigenschutz distanziert!



Einen grundsätzlichen Verlust der Menschlichkeit sehe ich hier nicht...


Geschrieben (bearbeitet)

Wie definiert man denn "Menschlichkeit?"
...
...
Es gibt einen wundervollen Comedien der eigentlich in Schulen gehört - Wir haben von allem zuviel : Volker Pispers (einfach mal googlen.)
...
...
Jeder ist für sich allein und das verbreitet weithin eine schlichte aber tiefe Leere.
...
Frag nicht ob Menschlichkeit fehlt - frag lieber was sie ist und ausmacht und dann geh los und trag sie raus. Da fängt sie nämlich an.

Wow!!!

Am liebsten hätte ich jetzt den gesamten Beitrag komplett kopiert,
weil ich ihn orgasmusmäßig einfach nur klasse finde!

@Jatropha72

Selbstverständlich war/ist das okay, sogar sehr, denn es trägt unbedingt zum Thema bei.

(habe ja deswegen in meiner Antwort an Dich bewusst dieses Köpfchen mit den drei Fragezeichen gemalt (:confused )


bearbeitet von PaanTuu
Geschrieben (bearbeitet)

Von mir kommt ein klares NEIN! Das man das glauben könnte ,ist nur ein Resultat der heutigen Medienlandschaft! Dort ist man der Meinung, nur furchtbare und abstossende Berichte menschlichen Versagens würden sich verkaufen lassen.
Beispiele von Menschlichkeit findet man eher versteckt, denn die " Helden" operieren im Verborgenen, von den meisten unbemerkt!
Sei es die Ärtze in den Kliniken,die ehrenamtlichen Helfer von so vielen caritativen Vereinigungen,Kinder an den Schulen,die die erlernte Gewaltprävention auch umsetzen,Medicins sans Frontiers,und und und...sie alle hätten es verdient, von uns beachtet ,als Zeichen der immer noch vorhandenen Menschlichkeit zumindest ab und zu irgendwo lobend erwähnt zu werden....

Menschlichkeit nimmt nur da ab, wo sie nicht mehr als Vorbildfunktion beachtet wird: in den Medien!


bearbeitet von Ridikulum
ompul
Geschrieben

Ich jedenfalls empfinde ganz genau so, unsere Gesellschaft wird härter und härter, Jeder ist sich nur noch selbst der Nächste, Profit geht immer vor Gefühl oder Nächstenliebe, Lügen gehört zum Alltag...
... ich könnte jetzt Beispiele ohne Ende bringen


Sei doch bitte mal so freundlich und nenne drei konkrete Beispiele, vor 20 Jahren und heute (jeweils als Paar, also aus dem gleichen Bereich), die für Dich für eine solche von Dir empfundene Richtung (von weich zu hart) sprechen.

Ich vermute, dass man ohne einen solchen Aufhänger in so einer Diskussion keine Erkenntnisse gewinnen kann.

Selber kann ich nur sagen, dass mir keine Bereiche einfallen, wo ich eine solche Tendenz wahrnehme.
Damit meine explizit keine Einzelfallbeispiele - die findet man immer.
Nein, es müsste sich schon um eine deutliche Häufung handeln.

Aber vielleicht bin ich nur ein verblendeter Positivist


mali26001
Geschrieben

Oma und Opa werden wohl nicht so sehr deswegen ins Heim abgeschoben, weil sie alt und lästig sind,
sondern weil in den Familien beide arbeiten,
sodaß schlicht die Zeit nicht da ist, sich um sie zu kümmern.
Das finde ich zwar nicht gut,
es wurde aber vom Staat ja so gefördert, daß alle arbeiten sollen/sogar müssen
bzw. auch die Unterbringung von Personen in Heimen, die wiederum ein Riesengeschäft ist, das es früher gar nicht gab,
denn der Markt dafür war nicht da,
die Familien haben das intern geregelt.
Jetzt kann man mit den heimen Unsummen scheffeln.

Insofern könnte man sagen, daß die Zerstörung der Familien viel an gefühltem Verlust an Menschlicheit beigetragen hat und im übrigen enorme Folgekosten verschiedenster Art, die der gesamten Gesellschaft schweineteuer zu stehen kommen,
aber das will ja niemand hören...

Mein persönlicher Eindruck ist, daß sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks die Spriale nach unten immer schneller dreht,
ganz allgemein.
Ingesamt bekommen wir heute den Druck einer wachsenden Weltbevölkerung zu spüren, die alle nach unserem sog. "Wohlstand" streben,
in den westlichen Ländern parallel zu diesem sog. "Wohlstand" immer mehr Leute erkennen, wie sinnentleert ihr Leben geworden ist (nur noch arbeiten), bzw. auch einfach nur merken, daß ihr sog. "Wohlstand" trotz ständiger Schufterei keineswegs steigt, sondern fällt. Dafür mehr Burnout, psychische Erkrankungen. Daß die zunehmen, ist belegbar.

Durch Zins und Zinseszins (automatische wachsende Verschuldung rund um den Erdball bis hin in die kleinsten Zellen) ist das System aber von vornherein so ausgelegt, daß es kollabieren muß. anders geht es nämlich gar nicht.
Dann gibt es einen Neuanfang bei Null, wo alle auf dem gleichen Stand sich befinden.

Dennoch gibt es im täglichen Leben noch erkennbare Mitmenschlichkeit, die sich oft nur in Kleinigkeiten äußert.
Der Mut ist noch nicht ganz den Dutt runter.


Ballou1957
Geschrieben

Der Zusammenbruch des Ostblocks markiert tatsächlich eine Wende:

die Nachkriegsära war tatsächlich davon geprägt, dass Kategorien wie Humanität, Solidarität, soziale Verantwortung, Emanzipation (generell) eine wesentliche Rolle in der sozialen Kultur gespielt haben.
Ab 1990 traten politische und sozial immer stärkere Tendenzen in den Vordergrund, humanitäre und Solidaraspekte des gesellschaftlichen Lebens als überholt und die individuelle Stärke als oberstes Credo hoch zu hängen (Befreiung der Eliten von Ballast, Infragestellung von Solidargemeinschaften ...)

Lustig ist ja, dass @Paan nicht von einem generellen Verlust an Menschlichkeit gesprochen hat, sondern "lediglich" von einem starken Verlust an Menschlichkeit: tatsächlich ist jemand heute ein Held, wenn er prügelnden Jugendlichen entgegen tritt, das Beispiel des Türstehers ist ebenso bezeichnend - oder als Beispiel die sozialen Hilfsorganisationen wie DRK, Malteser etc., die inzwischen durchinstitutionalisiert sind und als Geschäftsbetriebe teils üble Ausbeutungsmechanismen anwenden... Ein politisch-sozialer Umbruch, wie derzeit in Nordafrika wird in der Hauptsache als potentielles Flüchtlingsdrama gesehen...

Ich sehe sehr wohl derzeit eine Zunahme an sozialer Kälte und einer Denkkultur, in der Humanität eine schwindende Rolle spielt.


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